Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1841
- Issue
- Heft 40 (1.10.1841)
- Date
- 1841-10-01
- Page
- Seite 320 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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320 stellt, ins Leben treten. Die Mittheikung, welche ihm auf seine Frage gemacht wurde, daß am hiesigen Ort in der Synagoge gepredigt werde, nahm der König sehr wohlgefällig auf und erwähnte mit Anerkennung, daß in den größern Gemeinden schon früher, wie auch jetzt, Männer von „gefeierten Namen" unter den jüdischen Glaubensgenossen seiner Staaten lebten. Huldvoll entlassen, nahmen die Deputirten die Ueberzeugung mit sich, daß unter einem solchen Könige mit klarem Geistesblick und gemüthlichcm 'Wohlwollen man frohen Glaubens und Vertrauens leben dürfe, wie er sie selbst dazu ermahnte. — Wir bemerken zu dieser Darstellung, deren Fassung wir etwas klarer gewünscht hätten, daß die Genehmigung des Predigens allein schon ein wahrer Fortschritt genannt werden muß, wenn man weiß, wie viele Plackereien noch Geiger selbst zu überwinden hatte, ehe man glaubte nach den bestehenden Gesetzen eine öffentliche religiöse Belehrung zulasscn zu dürfen. — Uebrigens wäre es wünschenswcrth, daß nicht bloß ein Paar gefeierte Namen den Ruhm der Gemeinden bildeten, sondern daß man sich bestrebte die bedeutenden Fortschritte des bürgerlichen Lebens und die allgemeine bessere Haltung ins Licht zu stellen, damit die Gesetzgebung die schönen Früchte des Cdictes von 1812 gehörig wahrnchme. — Schließlich dürfen wir nicht unerwähnt lassen, daß allen zuverlässigen Nachrichten zufolge, die Anwesenheit Sr. Maj. wie ein Sonnenstrahl alle die finstern Wolken trauriger und Feindseligkeit nährender Dorurthcilc zerstreut hat, und es ist gegründete Hoffnung vorhanden, daß das kleinliche Ausschüeßungsspstem, womit man so lange Zeit in Breslau geglaubt hat, Charakter zeigen zu müssen, einer ächten bürgerlichen Verträglichkeit weichen werde. Wahrlich die Israeliten zu Breslau verdienen die ihnen jetzt dargethane Achtung! Literatur. frei ■’jnxi enthaltend 76 Grabstein-Inschriften aus Toledo im 13rcn und 14tcn Jahrhundert, aus einer alten handschriftlichen Sammlung abgcdruckt, mit kritischen Bemerkungen begleite: von Samuel David Luzzatro, Prof, am Colt. Rabb. zu Padua. (Nebst einigen Anhängen, enthaltend ein Bruchstück eines Comm. zu Micha, von dem verstorbenen I. H. Pard o, und Klagelieder auf dessen Tod, von Joseph Almanzi). Prag bei M. I. Landau. 1841. 107 S. in 8. Der wichtigere Theil dieses Merkchens ist die Sammlung von Lcichensteinkn, die der frühere Besitzer mit andern Büchern an die Turiner-Bibliothek im I. 1805) geschenkt halte, die nach aus dem in Leipzig erschienenen Cataloge: Notitia librorui» manu typisque descriptorum qui donaate Ab. Thoma Valperga-Calusio V. CI. Mali sunt in reg. Taur. Athen. Bibliothecam bekannt sind. — Aus dieser hat Joseph Almanzi in Turin die Inschriften genau abgeschriebcn und dem Pros. Luzzalto zur Herausgabe überlassen, nachdem er einige Bemerkungen hinzugefügt. Die Inschriften haben historisches Interesse, und klären manches bisher unbekannte Datum auf. So z. B. die fünfte Inschrift auf Iehuda S. des R. Ascher, welcher letztere 132-* starb, und welchem jener im Amte folgte, das er'dis zu seinem Tode (1340) bekleidete. Hr.'Luzzatto führt. hierbei berichtigend an, was wir in der Geschichte de» Israeliten vrl. 24 und Anh. 347, den Fehler bereits ahnend, gesagt haben, daß, wenn es wahr ist, Iehuda sich selbst getödtet habe, solche Katastrophe erst 1355 eingeireten sein könne; er sagt mit Recht, daß das ganze Factum nicht wahr ist, sondern daß diese Katastrophe Jona von Gerona 1263 (11); Meir Hallevi 1244 (12); Dow Samuel Hallevi im Monat Chesvon (ohne Jahr; ist also das Jahr 130 richtig, so war dies 1360 im Herbst); Don Meir Hallevi, Abulafia b. Ai-Lavi, Enkel des gleichnamigen bekannter» Gelehrten, starb 1340 am schwarzen Tode, den mehrere Inschriften hier bezeichnen; derselben Familie gehören noch verschiedene dieser Steine an. — Ein David b. Gedaljahs Jachia (26) aus Portugal, starb, wie es scheint, 1326. — Interessant sind die der Familie Nakw a h (28—33); die zerstreuten der Familie Rosch (R. Ascher); besonders auch der Familie Israeli (48. 62. 66.) und so mehrerer aus berühmten Familien. Der Herausgeber fügt noch einige Anmerkungen am Schlüsse hinzu: 1) zur Erläuterung des Grabsteines des Rosch, welche ganz zuletzt folgt, und äußerst kurz ist. 2) Einige zum K. Ch. iv. 148, um abermals zu beweisen, daß A. E. dem Saadjah etwas beimißt, was ihm nicht gehört; ferner zu 03, über den Tod des Alphes, — schon aus den Annalen bekannt; ferner zu demselben Bande verschiedene historisch-kritische Nachträge; 3) mehrere zu Bethulatli bat Jehuda (Virgo filia Jehudae). — Was die größeren Appendices, von S. 85 bis zu Ende, betrifft, so sind sie als Denkmale eines Verstorbenen und als Lieder auf ihn nicht uninteressant, letztere sogar sinnreich und gefühlvoll, so wie zugleich klassisch in der Sprache. Der Kritik fallen sie im Ganzen nicht weiter anheim; sie werden gern gelesen werden, und daß ist wohl nur der Zweck; neue Belehrung ist aus ihnen weder zu erwarten noch zu schöpfen. Dies Buch darf keinem Freunde der jüdischen Geschichte fehlen, und ist des berühmten Herausgebers würdig, welchem wir Kraft und Geduld wünschen, noch mehr Fundgruben der Geschichte zu öffnen und zu durchforschen. Anzeigen. Von Neuem erlaube ich mir auf das in meinem Verlage erschienene, in vielen Blättern rühmlichst erwähnte Gebetbuch: Chissuk Habbajith. Gebete und Gesänge zum Gebrauche bei der öffentlichen Andacht der Israeliten. Oder: Bausteine zur Auferbauung eines veredelten Synagogengottesdienstes. Erste Lieferung: Neujahr und Nersöhnungstag; herauszegeben von Leopold Stein, Districts-Rabbiner. Preis 8 ggr. hinzuweisen. Oie zweite Lieferung, Gebete für die drei Feste enthaltend, wird aus nächste Ostern erscheinen. Erlangen, im August 1841. Ferdinand Enke. Bei G. P. Aderholz in Breslau ist soeben erschienen: Grätzer, vr. I., Geschichte der israelitischen Kranken - Verpflegungs - Anstalt und Beerdigungs-Gesellschaft zu Breslau. Zur Einweihungs-Feier des Franckel'schen Hospitals am 1. Sptbr. 1841. Mit 2 Ansichten, gr. 8. geh. 12 gr. Der Inhalt vorstehender Schrift dürfte namentlich für den israelitischen Leser von großem Interesse sein, da sie mit der Geschichte eines Vereins, der in ganz Israel verbreitet ist, der Chebra Kaddischa, auch die der Juden in Breslau und deren Gemeinde behandelt. Als Gelegenheitsschrift gehört sie billig zu denen, welche von einer der großartigsten Wohlthaten der Gegenwart Rechenschaft giebt, und in dieser Beziehung hat sie außer dem großen, für Humanität erwärmten Lesekreise, noch mit dem Arzte zu thun, der darin von dem Beginn einer den Anforderungen der Kunst entsprechenden Hospitalanstalt Nachricht findet. Druck und Verlag von Johann David Sauerländer in Frankfurt am Main.