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Israelitische Annalen · 1841-10-01 · Heft 40 (1.10.1841) · p. Seite 318

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1841
Issue
Heft 40 (1.10.1841)
Date
1841-10-01
Page
Seite 318 (sequence 6)
Language
German
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318 Zn Liverpool hat man bei'm Gottesdienste alle die finanziellen Mißbräuche abgeschafft. London: Donnerstag (den 9. Sept.?) Abends ward einer Einladung des Oberrabbiners zufolge eine Versammlung in London, bestehend aus dem geistlichen Rathe, den Deputirten und den Synagogen-Vorstehern abgehalten. Ungeachtet der ehrwürdige Oberrabbiner ernstlich unwohl war, dauerte die Berathung, in welcher Sir Moses Montefiore den Vorsitz führte, bis spät in die Nacht. Eine Anzahl ungegründeter und widersprechender Gerüchte sind über die in diesem Rathe gefaßten Beschlüsse im Umlauf. Unter den obwaltenden Umständen (die Sache betraf die Neue Gemeinde) darf man nichts voreilig verlauten lassen; aber die bekannte Klugheit und Mäßigung unsers geistlichen Oberhauptes und die Bruderliebe und der richtige Sinn, welche stets unsere Gemeinde charakterisirt, werden sich auch in den Entschlüssen jener wichtigen Versammlung kund geben, so bald es Zeit sein wird, sie zu veröffentlichen. Das nächste Blatt wird Nachrichten über den Schulverein (die wir schon haben), eine Beleuchtung des Verhältnisses der Deputirten, Aufsätze über firlancielle Vereinigung aller Synagogen und über ein Seminarium enthalten. Frankreich. — Die Reformangelegenheit wird in Metz mit mehr als erwarteter Wärme betrieben. Die erste Versammlung derer, welche sich für die Sache verwenden, hatte am 7. August statt, und seitdem hat man schon mehrere Berathungcn gepflogen, die. wahrscheinlich nicht ohne Erfolg bleiben werden. Auch officielle Schritte sind geschehen, wie wir aus dem Auguftheft der ^rcliives lsrssljtes ersehen. Eine Anzahl achtbarer Repräsentanten (33 unterzeichnet) des Fortschrittes aus dem Consistorial- Bezirk hat sich mit einer energischen Petition an das israelitische Consistorium zu Metz gewendet, um auf amtlichem Wege Verbesserungen zu erlangen. Sie drücken sich also aus: „M. H.! — Die von Ihnen in einer Rede Zhres ehrwürdigen Präsidenten am 22. Juni c. ausgesprochenen, eben so moralischen als religiösen Gesinnungen finden bei uns vollkommenen Anklang, und um dem Vorwurf einer völligen Zsolirtheit zu begegnen, beeilen wir uns. Sie unsrer unzweideutigen Theilnahme zu versichern. — Za, m. H., das Nebel ist groß, es ist endlich Zeit zu handeln. Der israelitische Familienvater sucht überall für seine Kinder eine Zuflucht gegen das Eindringen der Jrreligion, und was findet er? verjährte Ceremonien, Uebungen, welche die Tiefe der Lehre ganz versenken, alle mit unser» Lebenssitten und Gewohnheiten in vollem Widerspruch! Zweifel überall, ohne Mittel ihn zu beseitigen. Die Mehrheit unserer Gemeinden, der gesunde und^kinsichtsvolle Theil, sieht das Uebel und verkennt dessen ganze Größe; aber thcils aus Nachlässigkeit, tbeils aus Schwachheit, theils aus Mangel an Einigkeit, bleibt man auf dem alten Wege. „Es kommt vielleicht der gesetzlichen Behörde zu, mit der Reform voranzugehen, somit fände der Fortschritt seine Ordner vor, und die auf jede Umschaffung der herkömmlichen Zustände gewöhnlich folgende Unordnung wäre nicht stark genug, um den Gang der neuen Verhältnisse zu hemmen. „Wir überlassen uns gern dieser Betrachtung, vielleicht dient sie dazn. Sie zur Zurücknahme Ihres Ausscheidungsbeschlusses zu bewegen. Wie dem aber sei, halten Sie sich versichert, daß bei jedem Zhrer Reformversuche unser Beistand nicht fehlen wird. Erdreistel durch den bereits zurückgelegten Weg, wollen wir nicht aufhören, ein vollständiges und dauerhaftes Werk aufzuführen; vereinigen wir unsre Bestrebungen, ^Gesinnungen, Bemühungen. Der im Dunkeln schleichenden Kabbale stellen wir den legalen und offenen Weg der Petition entgegen. Bilden wir Comites, entwickeln wir in Schriften den Geist unsers Strebens; sagen wir dem Einen, daß wir keinesweges die Grundlage unsrer Religion erschüttern, dem Andern, daß wir den äußern Gottesdienst mit unfern Sitten und socialen Pflichten in Einklang bringen. Allen aber, daß wir den Eigensinn, welcher unsre Gegner bestimmt, zurückzubleiben, zum Vorschreiten bewegen wollen; dauern wir aus in That und Gesinnung; Ausdauern ist schon ein Vordringen." Paris. — Angelegenheit der Begräbnißplätze. rc. Zn den Sitzungen des Central-Consistoriums vom?ten und 14ten Zuli hat man gegen die Erklärung des Stadt- Architecten M. Godde, daß nämlich alles bei der frühem Bestimmung sein Bewenden haben müsse, förmlich protestirt, indem sie erklärt, daß kein Grund vorhanden sei, die Wege so einzurichten, daß man die Gräber betreten müsse, was die jüdische Religion nicht dulde. — Der Rabbiner Deutz schlägt vor, sich mit der Regierung dahin zu verständigen, daß man die temporären Friedhöfe bewerfe und somit eine Umwühlung derselben unnöthig werde. Ueber die Gesammtmaßregel.i hat 'man hierauf mit Zuziehung der jüdischen Gesetze geeignete Beschlüsse gefaßt, um jedem Aergerniß ein Ziel zu setzen. Der erste geht dahin, daß die Gemeinde davon abzustehen hat, ihr Recht durch Proceß zu verfolgen; eben so wird vom Ankauf eines Friedhofs, Behufs der Fortschaffung der Gebeine aus den bedroheten Gräbern, Umgang genommen. Hierauf ward beschlossen, den Präfect zu ersuchen, mit der allgemeinen Maßregel nur periodisch von 19 Jahren zu 10 Jahren theilweise vorzuschreiten, wodurch man erst immer die 30 Zahre und darüber alten umwühle. Ferner solle man bitten, sich jeder Ausgrabung zu enthalten, und wolle man lieber die alten Gräber tiefer senken, und darüber Erde decken, um neue Gräber zu machen; eben so soll in dem gemeinen Friedhofe Erde aufgeschüttet werden. Mit der Art, wie Herr Crenneur diese Sitzungen leitete, war man vollkommen zufrieden. Das Consistorium von Paris stimmte nicht mit, alle übrigen Mitglieder waren in allen Beschlüssen einstimmig, und erklärten zugleich, daß das Consistorium von Paris in der ganzen Sache seine Pflicht erfüllt habe. — Somit wird dieser Streit wohl abgethan sein.

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