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Israelitische Annalen · 1841-10-01 · Heft 40 (1.10.1841) · p. Seite 315

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1841
Issue
Heft 40 (1.10.1841)
Date
1841-10-01
Page
Seite 315 (sequence 3)
Language
German
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315 Es ist nicht nörhig, den Gegenstand weiter auseinander zu setzen, da der VortheU augenscheinlich Sch Eltern und Vormündern beständig anempfiehlt, welche stets demselben Ziele nachstrebend, die moralische und intellectuelle Ausbildung ihrer Kinder und Pflegebefohlenen zu befördern, jetzt im Stande sein werden, die Talente ersten Ranges in jedem Fache in Anspruch zu nehmen. Die Unterrichtszweige werden bestehen in 1) englischer Sprache und Literatur, 2) hebräischer Sprache und Literatur, 3) der Lateinischen, der Griechischen und den neuern Sprachen, 4) Geographie, 5) Mathematik, Physik, 6) Buchhalten, 7) Zeichnen. — Der durchschnittliche Preis für einen Zögling wird etwa 10 Lft. betragen; Bücher und Materialien zum Koftenpreise. — Ferien sind nur die Festtage. Man legr dem Institute vorzugsweise die Absicht zum Grunde, der jüdischen Jugend eine gesunde und freie Erziehung zu gewähren, angemessen den Bedürfnissen der verschiedenen Classen, hauptsächlich aber übereinstimmend mit den Erfordernissen und Gebräuchen unsrer Religion; wodurch wohl auch die Heranziehung tüchtig vorbereiteter und kräftig wirkender Theologen, wie sie zur Zeit noch fehlen, erleichtert werden dürfte. Es wird den Gründern des Vereins zur hohen Genugthuung gereichen, dereinst wahrzunehmcn, daß sie den ersten wichtigen Schritt zur Erreichung eines so würdigen Zieles gethan haben. Jeder Vater, welcher die ihm obliegenden Pflichten ernstlich in Erwägung zieht, muß zugeben, daß nichts dringlicher ist, als auf die beste Weise für die moralische und intellectuelle Bildung seiner Kinder zu sorgen, welche allein sie zu nützlichen Gliedern der Gesellschaft macht. Eingedenk dieser heiligen Obliegenheit, darf er das fromme Vertrauen hegen, daß das Kind ihm mit stärkerer Liebe anhange, der Jüngling ihm einige Ehrfurcht bezeige, und der Mann die Ehre und der Trost seines Greisenalters sein werde, so daß er, einst zur Rechenschaft gerufen, das heilige Bewußtsein haben kann, daß er der menschlichen Gesellschaft Tugend hinterlassen, und seinen Erben zur Unsterblichkeit fähig gemacht habe." Dieser Prospectus selbst (dessen Anhang sich nur noch mit der Conftituirung und den innern Verhältuiffen der Mitglieder des Comites beschäftigt) giebt den besten Beweis, wie sehr dort eine höhere bürgerliche Erziehung und Bildung bisher gefehlt hat. Ohne uns weiter über den allgemeinen Bildungszuftand zu verbreiten, bemerken wir nur noch, daß bereits eine ziemliche Anzahl angesehener Familien mit gutem Beispiele vorangegangen sind, insbesondere, seitdem die Universitäts-Schule, eine Art Gymnasium, welches mit der Universitär verbunden ist, und in welchem durchaus kein Unterschied der Confession irgend wie in Betracht kommt, so schöne Gelegenheit zu einer freier« Bildung darbietet. (Schluß folgt.) Das Berliner jüdische Schullehrer-Seminar. Wie wir vernehmen, hat dies Institut seinen geregelten Gang, und die Leitung der Seminaristen entspricht den Erwartungen. Um so mehr muß es befremden, daß im ganzen Lande sich noch wenig Sympathie für eine Anstalt verspüren läßt, welche doch darauf berechnet ist, ihre Früchte gerade mehr nach den Provinzen zu senden, und diesen also den größten Theil ihrer Bemühungen opfert. Im Allgemeinen stimmt diese Lauheit für edele Zwecke zu der in vielen andern Fällen sich zeigenden Kälte und Unempfänglichkeit für nützliche Einrichtungen von größerm Umfange. Man muß es leider gestehen, wenn nicht gerade Mitleid erregendes Unglück das Her; rührt, oder die Eitelkeit durch die Posaune der öffentlichen Blätter angeregt wird, — die tüchtigen Leistungen finden noch wenig Aufmunterung. Und doch muß jeder Verständige einräumen, daß gerade auf dieser Seite die Wirkungen mit geringen Opfern weit heilsamer und nachhaltiger sind, als die der gewöhnlichen Mildthätigkeit oder augenblicklicher Subscriptionen für Nothfälle. Anstallen, welche für ganze Generationen sorgen, vermindern nicht nur das Elend, sondern erwecken die bessern Kräfte, beschäftigen die edlen Triebwerke, und erheben zugleich den Geist der Gemeinden und ihre Ehrenhaftigkeit in den Augen der Welt. Es ist demnach ein gerechter Vorwurf, wenn auf dieser Seite sich so wenig klarer Sinn zeigt. — Der Berliner Gemeinde als solcher kann füglich die Pflicht nicht obliegen, die Sorge für alle Seminaristen zu übernehmen, welche meist oder alle aus der Provinz ohne Subsistenzmittel dahin kommen. Die Theilnahme der Individuen für studirende Jünglinge wird in der intelligenten und wohlthätigen Berliner Gemeinde niemals fehlen; allein es wäre an und für sich nicht löblich und der Sache keinesweges angemessen, die künftigen Schullehrer oder Geistlichen während ihrer Studienzeit ganz und gar an die Mildthätigkeit zu weisen, von welcher der etwas feiner Fühlende nur den sparsamsten Gebrauch macht, so daß ihm auch viele Mittel zu seiner bessern Ausbildung abgehen. Stipendien 40*

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