Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1841
- Issue
- Heft 39 (24.9.1841)
- Date
- 1841-09-24
- Page
- Seite 311 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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311 Zahre der Religionsunterricht für die Zugend unsrer Gemeinde einem tüchtigen und fleißigen Schulmann, Herrn S. Heimberger, übertragen ist, so traf unser würdiger Rabbiner, unermüdlich, wo es dem Zwecke religiöser Bildung und zeitgemäßer Reform gilt, sogleich die Einleitung, auch uns dieser Religionsfeier theilhaftig zu machen; und als anderweitiger unaufschieblicher Funktionen Kälber es anfangs sich verzögerte, überließ Herr Bezirksrabbiner Fürst die auf denselben Sabbath bestimmte selbe Religionsfeier bei der israelitischen Gemeinde zu Heidelberg allein dem dortigen Religionslehrer, Herrn Dr. Rehfuß, obgleich sogar ein Sohn des Herrn Bezirks-Rabbiners unter den daselbst zu Entlassenden war. Wenn schon dieses unfern vollen Dank in Anspruch nimmt, so war es desto mehr die Feier selbst. Zn Gegenwart der gesammten israelitischen Gemeinde, der gesammten Geistlichkeit beider Confessionen hiesiger Stadt und unserer meisten hiesigen christlichen Mitbürger begann dasselbe mit einem herzerhebenden Chorgesang, zu dem nicht nur die hiesige israelitische Schuljugend durch Herrn Heimberger eingeübt, sondern auch die Schullehrer und Schüler der beiden christlichen Confessionen, die sich freiwillig dazu erboten hatten, auf das Kräftigste mitwirkten. Hierauf trug einer der zu Entlassenden mit vielem Gefühle und Ausdruck ein kindlich schönes Gedicht vor. Die auf die Religionsprüfung folgende eben so gediegene als gemüthvolle Predigt des Herrn Rabbiners verbreitete sich über die Grundbedingungen des israelitischen Lebens und dessen wahren Gehalt und die Befolgung der israelit. Lehre, wie sie von der Zugend vorzüglich zu erstreben sei. Sodann trugen die der Schule zu Entlassenden die metrische Uebersetzung des Hochgesanges Zigdal von unserm verdienstvollen Herrn Oberrath Epstein vor. Tief ergreifend war sodann der feierliche heilige Akt der Segenertheilung. Den Beschluß machte die Absingung eines gleichfalls von Herrn Oberrath Epstein übersetzten Hochgesanges von R. Salomon ben Gabirol. Es verbreitete diese religiöse Feier ~ nicht nur eine ernste Erbauung unter sämmtlichen Gliedern hiesiger Gemeinde, sondern auch die innigste Hochachtung für unsre ehrwürdige Religion unter unfern christlichen Mitbürgern, indem alle darin einstimmen, daß eine Lehre, wie sie hier gelehrt und verkündet werde, nothwendig heilbringend sein müsse und nur wünschten, daß sie noch recht oft Gelegenheit finden möchten, über unsre Religion so belehrt zu werden. Wir fühlen uns daher verpflichtet, zuvörderst dem edlen Veranlasser dieser Feier und kräftigen Verkünder des trostreichen göttlichen Wortes, Herrn Bezirksrabbiner Fürst, sodann aber unserm wackern und braven Religionslehrer Heimberger, der ehrwürdigen Geistlichkeit, den verehrten Herren Schullehrern und allen denen, welche zur Verherrlichung dieser Feier so edelmüthig beitrugen, hiermit ein öffentliches Zeugniß unsrer innigsten Dankbarkeit zu setzen — und erlauben uns zum Organ dieser Oeffentlichkeit diese Blätter zu wählen, in welchen wir schon so viel Edles und Ersprießliches aus den israelitischen Annalen verzeichnet fanden. Der Synagogenrath. Zakvb Altstädter. Literatur. Berichte über die neuesten Leistungen der kritischen Schule. Kerem Chemed VI. (Von K—M.) (Schluß.) Die schwierige Stelle in Meg. 9, wo der Thalmud in dem Ausdruck -ipi (Esth I. 20) ein Aramism gefunden haben will, wirb von R. folgendermaßen erklärt. Es wäre nehmlich keineswegs die Meinung des Thalmuds, wie CH. und viele andere glauben, daß bas dlomeo aramäisch seie, denn solches befinde sich in allen Formen und Derivaten in der heiligen Schrift, sondern blos die Vokalisirung desselben wäre aramäisch, indem der 8tat. absol. mtt dem stat. eoostr. gleich laute, wie andere aram. nomina derselben Form; deshalb fände auch der Thalmud kein Aramism in demselben Worte Lstl» I. 4; denn hier stehe es im stet, constr. Zm Sanh. 38 findet der Thalmüd in der Stelle Ps. 139, 17 ebenfalls ein Aramism, welches jedoch in dem Worte -pjn liege, welche bedeute. — Ferner Onkelos giebt das TEN*, Num. 6. 23 mir iir6 pö" "D Chajes theilt eine mehr witzige als wahre Erklärung dieser sonderbaren Targumstelle von seinem Lehrer S. Margalioth mit, welcher vermuthet, daß -q ursprünglich am Rande zur Bezeichnung jdes Verses gestanden habe, und irrigerweise von einem Abschreiber in den Targumtert gekommen sei. Da aber die Versifikation eine neuere Erfindung ist, so konnte Rap. mit Recht dieser Erklärung nicht beipflichren, und giebt nachstehende, die sich auf linguistische Regeln stützt. Der Znf. «hqk stehe hier statt der Mehrheit denn es beziehe sich auf die Priester, daher er auch Raschi im part. mit disant übersetzt. In der aramäischon Sprache könne aber kein Znfin. in diesem Sinne gebraucht werden, daher der Targum solches mit dem Fut. plur. übersetzen müßte, mit Hinzufügung des -jei dessen Bedeutung während ist (vergl. Ken. 34. Num. 7. 3.) Mit ausgezeichnetem Scharfsinn und eklatanter Gelehrsamkeit vertheidigt R. gegen Chajes seine frühere Behauptung, die Geonim hatten keine genaue Kenntnis von dem Thalmud Zeruschalmi gehabt. Die einzige Stelle Scheelthoth P. Vajikrah, die CH. nur im F. Jer. gefunden haben will, weist Rap. in einer von Raschi erwähnten alten Leseart im 1?r. siegittah 6, 1 nach. Eben so werden alle Stellen im Halachoth Gedolosh, deren Quellen nach CH. nur der Zeruschalmi wäre, in andern Midraschim nachgewiesen. Nur in dem Halachoth von R. Limon aus Cairo finden sich Stellen aus dem Zeruschalmi, von dem derselbe wegen seiner Nähe zu Palästina Kenntniß gehabt hätte. Am wichtigsten ist Rapaport's Ansicht von der Form des Lalavlioth Gedaloth, die viel zum Verständnis dieses Werkes beiträgt und ein ganz neues Licht darüber verbreitet. Folgendes ist das Resultat seiner Untersuchung: Vor der Abfassung der H. G. in ihrer gegenwärtigen Form, gab es Halachoth Gedoloth und H. Pesakoth, jene werden R. Simon Cairo, diese R. IehudaGaon zugetbeilt; beide Werke wurden später zusammengestellr und von den über hundert Zahre nach R. Zehuda Gaon lebenden Geonim hinzugefügt. Durch diese Zmammenstellung der Aussprüche von verschiedenen Autoritäten lassen sich alle Widersprüche und Wiederholungen in diesem Werke erklären. Ein kennbares Merkmal, wodurch die zwei Hauptversasser, R. Simon und R. Zehuda, zu erkennen sind, ist ihre Sprache; jener schreibt die reine Thalmudsprache,, dieser aramäisch; ferner deute das am Rande stehend po© darauf, daß das nachfolgende aus den Sprüchen des Juda Gaon entnommen sei. S. 249 wird von R. durch viele Stellen nachgewiesen, daß die Geonim vieles dem Thalmud hinzugefügt hätten, besonders agadische Erzählungen. Z. B. die Stelle über R. Zsmael ben Zose, Rab. Mez. 84, die Erzählung von