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Israelitische Annalen · 1841-09-24 · Heft 39 (24.9.1841) · p. Seite 312

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1841
Issue
Heft 39 (24.9.1841)
Date
1841-09-24
Page
Seite 312 (sequence 8)
Language
German
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312 R. S- B. Gamliel, Ende Horiotb, zu welchen im Hai. Gedol. miOl“ niD noch einiges hinzugefügt ist, diese Version scheine der Verfasser des sexker Chasidim 693 gehabt zu haben. Wir können von Rapaport nicht scheiden, ohne demselben den Wunsch aller Freunde der hebr. Literatur auszudrücken, daß er seine zwei großen Werke, auf dieser so oft hinweist, doch bald der Oeffentlichkeit übergeben möge; denn die einzelnen Perlen, die er bereits gespendet hat, eröffnen uns die Aussicht auf einen Boden voll der kostbarsten Edelsteine, deren Werth seine Zeitgenossen hinreichend zu schätzen wissen. Auch der Editor des K. Ch. möge fortfahren durch die Fortsetzung dieses Werkes den Geist kritischer und historischer Studien von Zunz, Rap. und der italienischen Schule angeregt, wach und thätig zu erhalten, je mehr der Körper, die Lebensfrische vermissend, schwach und hinfällig den Stürmen der Zeit mit Mühe widersteht. Dankbar erkennen die Zeitgenossen die Bestrebungen derjenigen an, die mit Ernst, Würde und Aufopferung das Secirmesser der Kritik auch an den praktischen Theil anlegen, daß mancher Heiligenschein von grundlosen Observanzen weiche, und die positiven Destandtheile, nach dem Maßstabe der Vernunft und auf der Basis der Offenbarung, gesichtet werden. Mögen daher die Gelehrten auch auf diesen Theil der Kritik ihre Aufmerksamkeit lenken, um mit solchen Kräften und Autoritäten, die Mittel und Fähigkeit mit aufrichtigem Willen vereinen, sowohl der Profanirung alles Heiligen, als dem Aberglauben und Wahn siegreich entgegen zu treten, und den Prinzipienstreit wo möglich zu beseitigen. Karaitische Literatur. Dviu pji Ahron ben Elia's aus Nicomedien des Karaers System der Religionsphilosophie rc. (Schluß.) Im §. 3 wird über den Titel Rechenschaft gegeben, mit richtiger Verwerfung des Namens Xoeeikmunim, welcher nie als Titel intendirt war. Im §. 4 weist der Verf. dem Werke seine philosophische Stellung an. Ganz mit Recht wirb dargethan, daß der Karait in seinem Werke überall den Aristotelischen Geist athmet; und diejenige Bildung herausstellt, die aus dieser Schule hervorging. Die jüdischen Gelehrten huldigten niemals der Metaphysik des Aristoteles, aber seine Methode sagte ihnen so sehr zu, daß sie nur in dieser die Vermittelung der Philosophie mit der Offenbarungslehre sich möglich dachten. Herr ür. Delitzsch findet die ganze Ansicht rationalistisch und in so fern verwerflich, als sie die menschliche Intelligenz zu hoch stellt, von ihr aus alle Erkenntniß herleitet, und die Schrift nur als Bestätigung anwendet, daher auch, um diese mit sich selbst in Einklang zu bringen, zu gewaltsamen oder willkührlichen Interpredationen seine Zuflucht nimmt. Auch A. habe den Begriff des Wortes Glauben nur ganz dunkel aufgefaßt, und kenne diese höhere Erleuchtung nicht. Wir können hierüber mit Hrn. D. nicht rechten, da wir selbst in allen den später» Bideleregesen, welche vom entgegengesetzten Standpunkte ausgehen, durchaus keine Befriedigung finden, folglich im Princip nicht mit ihm übereinstimmen. So viel aber ist sicherlich wahr, daß der Rationalismus, welchen die damalige Schule erzeugt und ausgebildet hat, heutiges Tages unmöglich zur Beseitigung ernster und heiliger Fragen benutzt werden kann. Wir haben uns daher oftmals darüber gewundert, daß noch in unsrer Zeit so viele Denkende in dem Moreh des Maimonides die Wahrheit zu finden vermeinen, während in der That die Zeitgenossen, wenn gleich im blinden Fanatismus grundlos wüthend, doch in so fern richtig sahen, daß sie in diesem Werke die Vernichtung des Glaubens, in so fern dieser im Gemüthe seinen Sitz hat, ahneten. Auster Aristotelischen Schule geht die stärkste praktische Moral hervor, aber sie ist kalt und so zu sagen gefühllos, und es fehlt ihr die ächte religiöse Begeisterung; Maimonides und seine Zeitgenossen, so wie seine jüdischen Anhänger verließen sich darauf, daß die religiösen Gesetze und Formen das Gemüth hinlänglich erwärmen und mit Gott im Zusammenhänge erhielten, so daß die besonnene Philosophie nur dazu dienen werde, die religöse Begeisterung zu regeln und zu bestimmen. Sie rechneten nicht auf ein Zeitalter, welches ganz und gar sich auf die rationalistische Seite stellen und die religiöse antiquiren würde. Wie es aber jetzt steht, fehlt allerdings das religiöse Moment, gewissermaßen der Lebensodem in der Maimonidischen Philosophie, und sie hat gegenwärtig nur den Werth einer erstorbenen Theorie, die in werthvollem geschichtlichen Andenken bleibt. Was wirb nun aber an deren Stelle treten müssen? Das müssen wir noch erwarten. Wie weit der Karait mit den arabischen Philosovhen zusammen trifft, hat Hr. D. genügend angedeutet, jedoch wird auch hier sehr viel Sachkenutniß vorausgesetzt. Wir gestehen, daß wir nicht im Augenblick alle Materialien hinlänglich zur Hand haben, um sein Urtheil einer Prüfung zu unterwerfen, und hätten gewünscht, es wäre ein ähnlicher Ercurs über diesen Punkt hinzugefügt worden, wie der sehr lehrreiche und anleitende (333ff.) über das Verhältniß des Ez Chajim zum Moreh; jedoch mit Weglassung der seltsamen Ausfälle gegen die rationale Ansicht überhaupt, in welchen Hr. D. selbst S. 336 zugiebt, daß sogar die Dogmatik, welche aus der supernaturalistischen Ansicht hervorgeht, und sich an die heil. Schr. anlehnt, die subjektiven Meinungen in vielen Stücken preis gegeben ist. Wenn das Eine eben so unzuverlässig ist, wie das Andere, und der protestantische Supernaturalismus sich gegen den katholischen, der ihn verketzert, und dieser gegen jenen zu wehren hat, mit welchem Rechte darf man über anders Denkende so losfahren, ohne zu fürchten, daß eine solche Zuversicht des Hochmuths beschuldigt werde, den sie dem Rationalismus vorwirft? — Laßt uns in Frieden forschen und die Wahrheit suchen, das Richteramt steht keinem von uns zu. — Das Verhältniß der beiden berühmten Theologen, Moses und Ahrons, des Rabbaniten und der Karaiten, ist gut dargestellt, und die beigefügte Synopsis (342), ein vortreffliches Hülfsmittel für das Studium, so auch die nachfolgenden Verzeichnisse der Materie und der im Werke selbst erläuterten biblischen Ausdrücke. Die Nachweisung der citirten Bibelstellen nebst Andeutung der kleinen Abweichungen (die übrigens wohl nur den Abschreibern zur Last fallen) S. 210 ff. ist nützlich, wäre aber vielleicht besser unter dem Text angebracht worden. Sehr lehrreich erscheint uns die Sammlung kritischer und diorthotischer Bemerkungen und die der arabischen Stücke zur nähern Kenntniß der Secten, die Ahron nennt. Vielleicht findet Herr Hr. Delitzsch Veranlassung, der Darstellung und Charakteristik der arabisch-philosophischen Setten jener Zeit eine besondere Monographie zu widmen, für welche die Freunde dieser Literatur ihm gewiß sehr dankbar sein würden. Die Grenzen unsrer Blätter gestatten uns nicht, über das vorliegende Werk mehr zu sagen, so gern wir uns noch länger damit beschäftigen möchten. Wir sehen aber auch eindaß eine umständlichere Erörterung nicht einen vollständigen Begriff von dem reichen Inhalte geben würbe, und wir können nur Allen, welche sich mit Studien dieser Art befassen, dringend anempfehlen, sich diese Ausgabe des Ez Chajim sofort anzuschaffen, und einer genauen und sorgfältigen Betrachtung zu unterwerfen, nicht bloß um das Werk und dessen Materie zu kennen, sondern um tiefer in das Innere der Karaitischen Literatur eingefübrt zu werden, und deren Wichtigkeit zur Kunde der Geschichte der Philosophie und Theologie des Mittelalters zu würdigen. Druck und Verlag von Johann David Sauerländer in Frankfurt am Main.

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