Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1841
- Issue
- Heft 39 (24.9.1841)
- Date
- 1841-09-24
- Page
- Seite 307 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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— 307 - schienen uns die Werkstätten, in welchen die jungen Leute zu Handwerkern herangebildet werden. Es herrscht darin eine lehensluftige Thätigkeit, und mir wahrer Freude muß es den Menschenfreund erfüllen, die jugendliche Kraft so schön und nützlich beschäftigt zu sehen, während das religiöse Moment mit aller Strenge beobachtet wird. Die im Hause befindliche Synagoge ist zweckmäßig und einfach. Den Gottesdienst verrichtete ein junger Handwerker aus der Anstalt. Hier könnte noch manches verbessert werden. — Der Saal, worin die Knaben sich versammeln, ist seit kurzem mit einem sehr gelungenen Bilde des Herzogs von Sussex, sitzende Figur in Lebensgröße, geschmückt, von einem israelitischen Maler, Mr. Harr in London. Die Anstalt Neve Zedek ist der Lieblingsgegenftand der Wohlthätigkeir der englischen Israeliten, und die Leitung derselben beschäftigt ein sehr zahlreiches Personal, sämmtlich mit dem lebhaftesten Eifer den mitunter sehr viele Opfer erfordernden Pflichten obliegend. Aus dem vorjährigen Bericht ersteht man auch zugleich die ungemeine Freigebigkeit, mir welcher die Anstalt unterstützt wird, welche übrigens auch, wie die in derselben ausgestellten Tafeln der Wohlthäter zeigen, sehr angesehene Staatsmänner zu ihren Conrribuemen zahlt. — Damit es jedoch nicht scheine, als ob dieses großartige Institut die ganze Aufmerksamkeit absorbire, erwähnen wir hier noch einige Institute, welche auf Beförderung einer bessern Geistesrichtung im Volke berechnet sind; der sehr vielen Wohlthärigkeitsvereine nicht zu gedenken, von denen der von Herrn E. H. Lindo im Jahre 1838 herausgegebene Kalender eine Uebersicht enthält, welche gewiß Bewunderung erregt. Der 24fte Bericht der Thalmud - Thora - und der damit verbundenen Elementarschule (Jew’s Free school, Bell Lane, Spitalfields) für 600 Knaben und 300 Mädchen, erschienen 1841 bei Wertheimcr und Comp., giebt eine befriedigende Auskunft über den Fortgang dieses 1818 für 270Knaben gegründeten Instituts, welches schon 1820 sich eines solchen Erfolges zu erfreuen hatte, daß man ein eigenes Gebäude in größerem Maßftabe errichten konnte. Dasselbe enthält gegenwärtig: 1) eine Freischule für 600 Knaben, welche im Hebräisch- und Englisch- Lesen und Schreiben unterrichtet werden; 2) eine Freischule für 300 Mädchen, welche in denselben Gegenständen und in weiblichen Arbeiten Unterricht erhalten. 3) Eine höhere Schule für Knaben, worin der Unterricht in beiden Sprachen zu größerer Vollkommenheit gebracht wird, und wo man auch die biblischen Commentare, ferner Geographie, Geschichte u. s. w. lehrt. — Mehrere Schüler werden aus dem Fond gekleidet und in die Lehre gethan. — Lehrer und Lehrerinnen wohnen im Hause. — Gegenwärtig sind darin 315 Knaben und 174 Mädchen; und in der obern Klasse 21 Knaben. — Bereits ausgebildet wurden in dieser Schule 2380 Knaben und 954 Mädchen. — Die meisten der jetzt vorhandenen Schüler sind nicht über 7 Jahre alt. Die Leistungen werden folgendermaßen beschrieben: 1. Knabenschule: a) Hebräisch. 95 lesen und übersetzen die Gebete und Bibel; 102 lesen die Gebete und Leseftücke; 52 lesen die leichtern Stücke; die übrigen sitzen in untern Klassen. d) Englisch: 120 lesen die Bibel und Mrs. Trimmer's Selections; 90 lesen im Claßbook und Leseftücke; die übrigen sitzen in untern Klassen. e) Rechnen: 77 sind in den 4 Species ziemlich geübt und schreiten rasch vor; 112 in den ersten 2 Species; die übrigen noch Anfänger. 2. Mädchenschule, 40 lesen die Bibel, 50 die Selections; 30 übersetzen und 50 lesen das hebräische Gebetbuch; 68 sind schon ziemlich gut in den vier Species. In weiblichen Arbeiten sieht man ausgezeichnete und überraschende Fortschritte. Vorzüglich wird die Erziehung dieser Kinder in sittlicher Hinsicht gerühmt, welche bereits andere Vereine vermocht hat, die unter ihrer Aufsicht stehenden Kinder in diese Anstalt zu schicken. Es wird mit besonderm Danke bemerkt, daß die israelit. Frauen von Einfluß sich derselben mit vieler Liebe annehmen, was denn natürlich auf die moralische Bildung höchst wohlthuend und erfolgreich einwirkt. Das größte Verdienst wird in Betreff der Liberalität der Frau Baronin N. M. v. Rothschild zugeschrieben, welche mit unermüdlicher Munificenz, und lange Jahre ganz im Stillen, ohne daß ihr Name dabei genannt wurde, die Anstalt bedenkt; sie har allein im Jahr 1838 zum Fond über 1400 Lft. beigetragen. Das übrige Verzcichniß der Schenkungen, Legate und Subscriptionen kann, wenn man weiß, wie viel andere Lasten jeder Wohlhabende dort mitzutragen hat, nur wahrhaftes Erstaunen erregen. — Auch hier sind viele Gemeindemitglieder thärig; Präsident 39*