Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1841
- Issue
- Heft 39 (24.9.1841)
- Date
- 1841-09-24
- Page
- Seite 306 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3133765-3133874-3133914--1318-3135554- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
306 denn vom ersten Beginn wurden freiwillige Gaben zur Beförderung des segenreichen Unternehmens gern gespendet. Die erste Versammlung der Schüler fand statt Nr. 97 in der Walnut-Street; aber als die Frauen das Zimmer, welches sie bis dahin für ihren Verein besaßen, aufgaben, so gestattete das Franklin-Institut mit lobenswerther Liberalität, der Schule, in einen geräumigen Saal der alten Maurer Halle, Chesnut Street, einzuziehen, wo nunmehr seit länger als 18 Monaten die wöchentlichen Versammlungen abgehalten werden. Wie man sich leicht denken kann, wurden anfangs allerlei Vorurtheile laut, indem manche Leute meinten, in diesem Unternehmen zeige sich tadelnswerthe Nachahmung fremder Beispiele, und nicht bedachten, daß es die erste Pflicht des Israeliten ist, den Herzen der Jugend Kenntnisse von religiösen Dingen einzuflößen und daß das neue Institut vorzüglich darauf abzweckte, diesen Segen Allen, Reichen wie Armen, gleichmäßig und ohne Zahlung oder Belohnung zu ertheilen. Sehr selten wird ein Ziel dieser Art erstrebt, nur zum Ruhm unsers Schöpfers und zum Heile seines Volkes begonnen. Angenehm ist es uns sonach zu berichten, daß jenes unbegründete Vorurtheil bald verschwand, und wir können keinen bessern Beweis davon geben, als daß ein hundert Kinder eingetragen sind, und was mehr sagen will, daß fast alle bei günstigem Wetter sich einfinden, trotz der großen Entfernung, welche viele der Lehrer und Schüler zurückzulegen haben, da sie in den verschiedensten Theilen der Stadt und der Vorstädte wohnen. Eine andere und weit größere Schwierigkeit war die Seltenheit der den Schülern in die Hände zu geben geeigneten Bücher, indem die von der American Sunday School Union herausgegebenen, wiewohl trefflich geschrieben und wohl darauf berechnet, das kiudliche Gemüth zu fesseln, doch so viel Secnrerisches enthalten, daß man sie in jüdischen Schulen durchaus nicht zulassen kann, wo es höchst wichtig ist, nur diejenigen Principien zu lehren, welche die Grundlagen unsrer Religion ausmachen. Das einzige uns näher liegende Buch war: die Elemente des jüdischen Glaubens von S. Cohen, und das Lehrbuch der mosaischen Religion, nach dem deutschen des Herrn Johl son von Schreiber dieses bearbeitet. In dieser Verlegenheit nahmen wir die Child’s Bible Qliestions vom amerikanischen Sonntag - Schul - Verein, doch nur zum Theil, an, indem es kein anderes ähnliches und keines vom Sectengeift freieres giebt. Mit Vergnügen bemerken wir aber, daß jetzt eine junge Dame Hieselbst sich damit beschäftigt, ein Werk nach diesem Vorbilde für uns zu bearbeiten, welches hoffentlich bald erscheinen wird, und zwar mit Zustimmung des A. Sontags-Verein, welcher uns das Verlagsrecht dazu zugeftanden hat. Auch dies ist ein erfreulicher Zug, und spricht laut und unzweideutig für die erleuchteten Ansichten der Verlagsftelle dieses großartigen Instituts und besonders für die Güte des Herrn John Hall, dessen freundliche Zuvorkommenheit dieses uns verschafft hat. Voriges Frühjahr (1839) war die erste jährliche Prüfung. Der anberaumte Tag brachte manchem Kleinmüthigen Besorgnisse; Väter und Mütter sahen mit innerm Schwanken von Hoffnung und Furcht auf die Art, wie ihre Kinder bestehen würden. Wir brauchen nicht zu sagen, wie sehr die Arbeiten Beifall fanden, und die freigebigen Spenden, unaufgefordert beigetragen, bewiesen besser als Worte, wie sehr unsre Brüder an jenem Tage befriedigt waren. (Fortsetzung folgt.) Skizzen über die israelitischen Zustände in England, vornehmlich in London. (Fortsetzung.) Diese Anstalt, welche sich in einem sehr wohl eingerichteten Hause in ziemlich freier Gegend der Stadt befindet, steht unter dem Patronate Sr. K. Hoheit des Herzogs von Sussex und unter dem Vice-Patronate des Herzogs von Sömmerset, des Herzogs von Leicester, des Lord Bexley, und George Byng; die Aemter, welche die Beaufsichtigung erfordert, sind den angesehensten Israeliten, von denen wir mehrere kennen zu lernen und deren in der Thar ausgezeichnete Geistesbildung wie wahrhaften Eifer zu bewundern Gelegenheit hatten, verrheilt. Das Präsidium führte zuletzt Baron Anselm v. Rothsch i ld; alle früher» Präsidenten bleiben Mitglieder des General-Comite's. — Wir haben die Art, wie die Jugend unterrichtet und' körperlich gehalten wird, vortrefflich gefunden. Höchst interessant er-