Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1841
- Issue
- Heft 38 (17.9.1841)
- Date
- 1841-09-17
- Page
- Seite 302 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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302 mge arme Leute, außer denjenigen, welche die Direction selbst annimmt, zur Aufnahme zu wählen. Der Präsident der Armendirection, Herr Cantonsrichter T. Boas, gab in einer kurzen Rede Bericht von dem Zustand der Anstalt. Durch testamentarische Verfügungen hatte die Direction bekommen: fl. 21,650, (wovon fl. 20,000 erst nach dem Ableben der einzigen Erbin des Hrn. E. I. L. de Dries). Von Lebenden ungefähr fl. 1700, von Sr. Maj. dem König bei dessen Thronbesteigung fl. 1944, als Antheil an Höchstdesselben Gabe an die Armen dieser Stadt. Von der Staatsregierung bei derselben Gelegenheit ebenfalls fl. 1944. Von jeder dieser beiden letzten Summen, welche deren Zwecken gemäß nicht für die Anstalt verwendet, sondern den HausarMen ausgctheilt werden mußten, hatte jede Familie nur 75 Cents bekommen können, indem die Zahl der Armen in der 20,000 Seelen starken Gemeinde mehr als 12,000 beträgt. — Im Laufe des vergangenen Jahres wurde das neuerbaute Krankenhaus eingeweiht, so daß dieses jetzt von der Anstalt für alte Leute ganz abgesondert war. Demzufolge konnte die Anzahl der letzter» (früher 80) vorläufig auf IW gebracht werden. Die 5 letzten Stellen waren noch unbesetzt, und für diese wurden unverzüglich unter ungefähr 800 Contribuenten gelooset. — Die Direction hatte jetzt auch eine eigene Apotheke eingerichtet, sowohl für das Krankenhaus als zum Behufe der Kranken, welche in ihren Wohnungen ärztliche Hülfe bekommen. — In dem Krankenhause wurden im vergangenen Jahre verpflegt: 202 die medicinische und 111 die chirurgische Hülfe genossen, nebst 12 Wahnsinnigen. Von den Verpflegten waren 228 genesen, 46 gestorben , und 51 noch unter Behandlung. An 376 Wöchnerinnen war Geburtshülfe und andere Unterstützung verschafft. — Nur 4 Armenkinder waren in der Wohlthätigkeits-Colonie Venhuizen untcrgebracht, indem sich noch viele Vorurtbeile gegen diese Colonie aufiehnten, welche desto ungegründeter sind, da jetzt alles dort so eingerichtet ist, daß der Religionsübuug nichts im Wege steht. — Uebrigens gaben alle Abtheilungen der Administration Ursache zur Zufriedenheit, und sowohl das Krankenhaus als die Anstalt für alte Leute hatten den Beifall der Herren Gouverneursder Provinz und der Stadtregierung, welche das Haus besucht haben. So war dieser eine Tag ein wichtiger für die Amsterdamer Israeliten. Ich hoffe. Ihnen bald noch mehr Interessantes mittheilen zu können. Altenmuhr, 19. Juli 1841. (Verspätet.) — Die unterm 25. Mai l. I. Ihnen gemeldete Rabbinerwahl für den Distrikt Ansbach erhielt, wie vvrauszusehen war, ungesäumt die Bestätigung der Regierung, und erfolgte der Installationsact in der dortigen Synagoge nach beifolgendem Programm am I2ten d. M. unter dem Zuströmen eines zahlreichen theilnehmenden Publikums von nahe und ferne auf eine eben so feierliche als erhebende Weise.^ Es hatten sich auch, außer einer Commission des hochlöblichen Stadtmagistrats, eingefunden: Se. Ercellenz der Regierungspräsident Herr von Andrian, viele Mitglieder der königl. Regierung und des königl. Stadtgerichts, der königl. Landrichter der treffenden Landgemeinden, die protestantische Stadtgeistlichkeit (im Ornate) und viele Honoratioren der Stadt. Das Innere der Synagoge mit einer neu erbauten Kanzel war sinnig ohne Ueberladung ausgeschmückt und beleuchtet, und die Ausführung der Gesänge ließ nichts zu wünschen übrig. Einer noch höhcrn Anerkennung hatte sich die von dem neu ernannten Rabbiner, Herrn Grünbaum, mit vieler Würde und mit einem kräftigen und wohlklingenden Organ vorgetragene Predigt zu erfreuen, und wurde besonders hervorgehoben, daß er in derselben, fern von aller affektirten Priesterlichkeit,. über seine künftige Amtsführung unumwunden, ohne seine Ansichten und Grundsätze auf Schrauben zu stellen oder so zu verallgemeinern, daß sie auch in jeder Kirche vorgetragen werden können, als ein Rabbiner sich ausgesprochen hat, der seine Stellung begreift und Kraft und Willen hat, ihr Ehre zu machen. Dies wollen Sie aus der im Druck herausgekommenen anliegenden Predigt ersehen. Später gab die Gemeinde in dem Locale der „Harmonie" ihrem Rabbiner ein Souper, nach dessen Beendigung das schon länger bestehende Liebhabertheater genannter Gesellschaft ein auf die Feier des Tages Bezug habendes Stück recht brav aufführte und mit einem passenden Transparent in später Nacht die Feier würdig schloß. Wer nur einigermaßen mit den Verhältnissen vertraut ist, der muß freudig den großen Fortschritt anerkennen, welcher die Gemeinde Ansbach durch die Art der Feier dieses schönen Tages bethätigt hat. Noch vor wenigen Jahren wäre dort die Ausführung eines deutschen Gesanges in der Synagoge als Todsünde betrachtet worden; alle ihre Einrichtungen hatten noch jenen vermoderten Anstrich; man war gewohnt, sie in den ersten Reihen der blinden Eifrer zu sehen. Alles dies ist nun anders; ein frischer Lebensgeist waltet in ihr und übt wohlthätigen Einfluß auf die benachbarten Orte. Ehre den würdigen Vorständen dieser Gemeinde! Ehre aber auch den einzelnen Gliedern derselben, die weit entfernt von der jetzt so sehr gehegten Opposirions- und Partheisucht, sich auch in das in Liebe fügen, was ihren Ansichten nicht immer zusagt. Möge es nur immer so bleiben! — K. Königreich Württemberg. — (Fortsetzung.) II. In Absicht auf die Bildung und Feststellung des Kataster- Lrueds für die Vertheilung der auf das Vermögen umzulegenden Quote wird verfügt: s) Die in mehreren Gemeinden zum Nachtheil der Mindervermöglichen bestehende Observanz, vermöge welcher das Vermögen der Steuerpflichtigen nur bis zu einem bestimmten Betrage (der sogenannten höchsten Lraod) in Mitleidenschaft zur Steuer gezogen wird, ist hiermit als ein Mißbrauch aufgehoben. Ebenso ist es strenge untersagt, diejenigen Großen, (?) welche ein größeres Vermögen haben.