Mannheim
Compact Memory

Israelitische Annalen · 1841-09-17 · Heft 38 (17.9.1841) · p. Seite 298

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitische Annalen
Volume
1841
Issue
Heft 38 (17.9.1841)
Date
1841-09-17
Page
Seite 298 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3133765-3133874-3133913--1309-3135544
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

— 298 — inner» religiösen Leben zu berichten hätten. Das äußere zeigt noch wenig von -er Farbe der Zeit, und ein gewisses Gefühl für das Schickliche und für eine feierliche Erscheinung bei den wichtigsten öffentlichen religiösen Handlungen, findet noch nicht die Wege, sich geltend zu machen. Was die Studien Vetriffi, so liegen alle theologischen Arbeiten völlig brach, und nur in homiletischer Beziehung fangen einige jüngere Zeitgenossen, durch entstehende Prcdigerstellen (bis jetzt nur noch in Manchester und Birmingham) angelockt, an, ihr Talent zu versuchen. Leute von tüchtiger Kenntniß der Religionsquellen sind in der letzten Zeit gar nicht herangebildet worden; wenige Stamme aus früherer Zeit tragen noch einzeln und sparsam Früchte, und auch diese nur im praktischen Fache. Es steht zu hoffen, daß das Bedürfniß eines guten Seminars, welches schon jetzt zur Sprache gekommen ist, sich immer stärker Herausstellen werde, und daß überhaupt das Schulwesen endlich einmal mit größerer Sorgfalt als bisher geregelt werden dürfte. Denn sprechen wir von derjenigen Intelligenz und Bildung, welche die jüdische Jugend in London, und sie ist, wie wir gleich sehen werden, überaus zahlreich, den jüdischen Elementarschulen verdankt, so möchten wir lieber schweigen, als das betrübende Bild zur Schau stellen, das sich hier darbielet. Freilich find in England überhaupt die Elementarschulen noch sehr verwahrloset, wie die Berichte der Society of Education und der British and Foreign School Society zur Genüge darthun; allein von den Israeliten, die an und für sich stets einer intellectuellen Erziehung zugeneigt sind, hätte man mehr erwarten können. Selbst das Hebräische, sonst mit Vorliebe behandelt, und noch die meiste Zeit einnehmend, kommt nicht auf; merkwürdiger Weise wird aber auch die englische Sprache nicht genug kultivirt und gegen sie in manchen Schulen der Juden von deutschem Ritus, auch die deutsche Bibelübersetzung vorgezogen, und überhaupt rer deutschen Sprache eine Art von Heiligkeit beigelegt, so daß sie in der Synagoge weit eher zulässig erscheint, als die Englische. Welchen nachtheiligen Einfluß die Zurücksetzung der Landessprache auf die sociale Bildung und auf die Förderung der Intelligenz des Volkes haben müsse, ist leicht zu erachten, indem sich die deutsche Masse dadurch gleichsam isolirt, und nur mühsam mit dem Eingeborenen verständigt. Die Portugiesen stehen den letzter» näher. Die jüngere Generation sucht bereits diesem Uebel durch Verbesserung der Schulen zu begegnen. Doch bleibt hier noch sehr viel zu thun übrig. Einige (portugiesische) Stiftungen und Schulen, die wir besucht haben, zeigen, wie wenig man noch von Deutschland abgelernt habe. Weder die Lokalitäten, noch die Lehrmittel, noch die Zeiteintheilung, noch die Methode sind irgendwie befriedigend. In einer nach Lancaster- Art eingerichteten Classe von 69—70 Kindern fanden wir 5 zarte Knäbchen in der barbarischen Strafe der Fuß stocks begriffen! Außerdem fehlte die wünschenswerthe Sauberkeit des Lokals und der Kleidung und Bücher. — Dahingegen dürfen wir nicht verhehlen, daß die am östlichen Ende der Stadt befindliche Stiftung NeveZedek, eins der schönsten und trefflichft geordneten Institute ist, das wir kennen. Diese Anstalt, erst im Jahr 1806 gegründet, und bestimmt, alte Leute, die nicht mehr thätig sein können, zu versorgen, zugleich aber die Jugend zu erziehen und an ersprießliche Thatigkeit zu gewöhnen, hat bereits die glücklichsten Resultate aufzuweisen. Vielleicht hat keine Anstalt so viel zur wirklichen Cultur der Israeliten beigetragen, als diese in ihrem Kreise. Dem letzten, vorjährigen Berichte zufolge waren bereits 346 Personen darin ausgenommen, abgesehen von der Versorgung der Bejahrten, sind 81 junge Männer aus derselben als tüchtige Handwerker in's bürgerliche Leben eingetreten, und 84 Mädchen in Dienststellen untergebrachr, und zum Theil späterhin achtbare Frauen geworden. „Die jungen Männer, sagt der Bericht, welche nach Ablauf ihrer festgesetzten Lehrzeit ihr Geschäft selbstständig begonnen haben, sind durchweg fleißige Leute, nützliche und musterhafte Mitglieder der bürgerlichen Gesellschaft. Mehrere sind selbst Subscribenten zur Unterstützung des Instituts geworden, die weiblichen Zöglinge haben sich meist guten Ruf in ihren verschiedenen Verhältnissen erworben, 49 derselben, mit dem betreffenden Zeugnissen sich ausweisend, haben ftipulirte Belohnungen erhalten, und mehrere derselben leben seitdem in anständiger Wohlhabenheit." (Fortsetzung folgt.) z

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.