Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1841
- Issue
- Heft 37 (10.9.1841)
- Date
- 1841-09-10
- Page
- Seite 295 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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295 mit kritischem Geiste und tiefer Forschung wichtige Beiträge zur Literaturgeschichte und zum Verständnis thalmndischer Schriften geliefert. Bedauern müssen wir allerdings, daß derselbe in seinen Kritiken und Repliken, besonders gegen Radjah, Carmol» und Chajas in den leidenschaftlichen und spottenden Ton der berüchtigten Verfasser des riN/PH verfällt, und mit Verdächtigungen, persönlichen Beleidigungen in den bittersten und verletzendsten Phrasen auf sehr würdige geachtete Gelehrte einstürmt. Höchstens ließe stch ein solcher Ton spottender Ironie in einer Flugschrift entschuldigen, aber in einem wissenschaftlichen Werk, in dem R. als glänzender Stern seinem Jahrhundert vorleuchtet, sollte nur mit den Waffen der Vernunft, der Ueberzeugung und nicht mit Leidenschaft, Haß und Herabwürdigung des Gegners gekämpft werM^.Die Leser werden es uns daher nicht verargen, wenWMr. in folgendem Referat alle Einzelnheiten der kleinen^charmützel, Notizenfechtereien und Prioritätskämpfe übergehen und nur über das Geeignetste mit Berücksichtigung des Raumes dieser Blätter referiren. Nr. 1. Eine kurze Abhandlung über Rhetorik, von M. CH. Luzzato, handschriftlich bei M. Lehren in Amsterdam, j Wenn diese kurze Anweisung zur regelrechten logischen Eini IheUung der Deraschoth zu seiner Zeit bekannt oder allgemein befolgt worden wäre, so würden wir nicht über den babylonischen Thurmbau und die unsinnigen Alfanzereien der damaligen Rabbinen zu klagen haben. Nr. 2. Der Briefwechsel von Luzzatto und Zunz nebst einem von Reggio über Kalir. Luzzatto bezweifelt Rcg.'s und Landauers Conjektur, daß Kalir ein Ortsname, und zwar Cagliari in Sardinien sei; dieser widerspreche der häufig vorkommende Buchstabe Jod nach Kuf, -y>^>pi so wie noch das -p^p vp2i was eher auf einen Familicnals Ortsnamen schließen läßt. Er giebt daher einer andern Conjektur den Vorzug, daß Kalir der Familienname sei, und von Colyrum, nach der bekannten Sage in Aruch, Wurzel ipp, herkomme. Sein Geburtsort sei nicht in Italien zu'suchen, weil die Italiener nicht auf n reimten, was bei Kalir (wie auch bei den spülern deutschen Paitonim) häufig vorkomme. Auch sei in seiner Dichtungsweise und sonstigen Eigenthümlichkeiten keine Aehnlichkcit mit den arabischen Dichtern zu finden. Er schließt daher: Kalir sei ein Franzose, sein Wohnort n£D rmpi die Uebertragung von Bocherville in der Normandie, oder ein Deutscher, und vp sei Spei er. Sein Vater habe vielleicht in Kölln gewohnt, woher der Familienname Kalir. Zunz findet mit Recht diese Konjektur unwahrscheinlich, stimmt aber darin bei, aber aus Gründen, die er an einem andern Orte darzulegen verspricht, daß Kalir's Dichtungsart der deutschen ähnlich, obschon sein Geburtsort in Griechenland zu suchen sei. Mit Vergnügen lesen wir das freie Bekenutniß dieses berühmten Gelehrten, er sei von seiner frühern Meinung zurückgekommen und lege auf die Zahlenspielereien kein GewichtMlebr. R. Elieser habe sich nirgends Kalir gezeichnet, welcheWstame ihm vielmehr von den Franzosen, die keine bestimmte Nachrichten über ihn hatten, aus irgend einem Grund beigegeben wäre. Reggio spricht sich in demselben Sinne aus, und hält op für die Uebertragung von Givita di Penna (vergl Annalen' 1839. S. 85.) Nr. 3. a. Rapaport vertheidigt mit tiefer (übrigens zugleich viel zu breiter) Gründlichkeit seine Conjektur, der auch Geiger (Zeitschrift 1. 306) beistimme, und widerlegt Luzzatto's Einwendungen (welchem er übrigens S. 41 einen Starsinn zum Vorwurf macht, wie es sich an diesem Orte nicht schickt.) In 29 Parag. giebt er sodann mehrere historische Nachweisungen, unter denen wir folgende hervorheben: R- Sabatai war der erste, der in den Strvphenanfängen akrostichisch das Wort pin nach dem Namen und zwar als Nachahmung des bei den Römern am Anfänge eines Schreibens stehenden Segenwunsches, salutem, brauche. Die spätem, besonders die deutschen Paitonim, bezogen irrigerweise das Wort pfli auf sich selbst und fügten noch die Formel hinzu mira Ueber den im Schibole Haleket erwähnten Janai, über welchen wir keine Nachrichten und Aufschlüsse besitzen, wird folgende Notiz von vr. Zunz mitgetheilt, die derselbe in einem handschriftlichen Machsor ausgezeichnet fand, und die wahrscheinlich von R. Ephraim aus Bonn herkomme. „Der Piut für Sabbath Hagadal, beginnend DViDm PI2D 'jW* (der sich auch in dem Machsor der Aschkenasim in Italien (Wien. 5583) und im Sidur njjE» befindet) ist von R. Jani, Lehrer des Kalirs, verfaßt worden, wurde aber in der ganzen Lombardei nicht in die Liturgie ausgenommen, weil derselbe den Tod seines berühmten Schülers, aus Neid, durch ein giftiges Thier verursacht haben sollte. Zunz's Anfrage, warum Kalir seinen Vater R. Jacob in keinem Akrostichen findet, wird nach thalmudischen Gründen als ein Akt der Pietät bezeichnet. Zu vorstehenden Conjekturen über Kalir hat Ref. noch folgende von dem achtbaren Gelehrten Herrn A. Fuld in Frankfurt a. M. mitzutheilen. *) Der Name Kalir, von dem gr. Kallos, Kallirroos, läßt vermuthen, daß sein Geburtsort in Griechenland zu suchen sei, uud Op wäre demnach Biblos oder Pergamus. Sein Zeitalter wäre nicht, wie Heidenheim und viele andere meinen, auf die Autorität des Botril^ in seinem Kommentar zu S. Jezirah I. 1, nach welchem Kalir nach R. Hai Gaon gelebt hätte, so spät zu versetzen (vgl. RGA. Sichren Joseph), denn sonst würde R. Gerson «.angeführt in Sch. Haleket 16) nicht gesagt haben, Kalir wäre von dem ältesten 'Gelehrten, (vergl. Rap. Biogr. Kalirs. Anm. 3). Alle diese Forscher stützten sich ferner auf die Strophe in dem Kroboz zu yi? ■»na p tsn sb "nm n\\*2 j?i?n ~t welche Zahl sie auf die Zerstörung des Tempels bezogen, während sie nur auf das Ende der Prophetengabe, die 4V Jahre nach Erbauung des zweiten Tempels aufgehört hatte, zu beziehen ist. Der Sinn dieser ganzen Strophe deutet auch darauf hin, und ebenso kommentirt Raschi das \TU p) ME'nG in Jes. 21, 10, auf den Prophetismus. Kalirs Zeitalter wäre demnach in's Jahr 348 des fünften Jahrtausend zu versetzen (also eirca 600). Den Namen seines Vaters habe Kalir akrostichisch mit p-C ausgedrückt, das apostrophirt und ^pIPS") "Q heiße. Nr. 3. b. Ein Nekrolog auf Krochmal, von Rap. In mustergültigem St»le giebt er eine kurze Schilderung seines Lebens und Wirkens, mit heftigen Ausfällen auf die polnischen Zustände, besonders auf den Chasidismus, und den Eifer derer lobend, die ein neues Bethaus errichten wollten. (Der Eifer ist seitdem wieder sehr erkaltet!) Nr. 4. Eine abermalige Untersuchung der schon so oft besprochenen Mischna in Edujoth 1, 5 von ^2' die aber die Schwierigkeiten in derselben nicht sonderlich hebt. Nach Ref. Ansicht ist bis jetzt unter allen Erklärungsversuchen, die des Pseudonymen Rasiel vorzuziehen. Nr. 5. Ein Schreiben von Reggio an Löwenstein über das Buch Hiob, dessen Inhalt bereits in den Annalen (1840. 1.) mitgetheilt ist. Nr. 6. Eine Untersuchung über die besondere Vorliebe und Sehnsucht, welche die Israeliten seit dem Auszuge aus Egypten zu diesem Lande beurkundeten, so daß sie des mosaischen Gebots ungeachtet in Massen dahin wanderten (vgl. Phil«, re. Sucea 51). Aus 3 Gründen leitet der Vf. diese T hatsache her. a) Der außerordentlichen Fruchtbarkeit Egyptens. b) Weil viele Ureinwohner Egyptens sich bei'm Auszuge des Israeliten denselben zugcsellt, so wie auch nach Aben E*rah, Gen. 46, 10 sich die Söhne Jakobs mit den Egyptern verschwägert hätten, woher die natürliche Folge, *) Die historischen und kritischen Forschungen dieses Gelehrten sind nur als Randglossen in kurzen Aphorismen niedergeschrieben. Im wissenschaftlichen Interesse drücken wir den Wunsch aus, daß derselbe öfter Gelegenheit nehme, seine Forschungen zum Gemeingut zu machen. Ref.