Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1841
- Issue
- Heft 36 (3.9.1841)
- Date
- 1841-09-03
- Page
- Seite 286 (sequence 6)
- Language
- German
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286 Mädchen Statt, eine Feierlichkeit, die seit der Anstellung des Herrn vr. Saal schütz alljährlich wiederkehrt, da kein einziges Mädchen der ganzen Gemeinde, oder auch von denen, welche aus fremden Orten Königsberger Familien zur Erziehung und Bildung anvertraut werden, dem Religionsunterrichte und der Einsegnung entzogen wird. In der Regel treten die Mädchen nach vorhergegangener genügender Vorbereitung, im 13ten oder vierzehnten Jahre zum Confirmanden - Unterrichte ein und werden aus demselben nach zwei Jahren, also im l5ten oder 16ten Jahre, entlassen. Es ist gewiß sehr erfreulich zu bemerken, wie das warme Interesse für die väterliche Religion in dem Herzen unsrer meist wohl erzogenen Jugend immer mehr Wurzel faßt, und wie auch die Eltern diesem Gegenstände eine immer mehr eingehendere Aufmerksamkeit widmen, nachdem früher durch eine Reihe von Jahren fast Nichts für die roliglöse Bildung der Jugend geschehen und eine seltene den Verband der Gemeinde untergrabende Gleichgültigkeit und Kälte gegen den Gottesdienst und Religions-Unterricht eingetreten war. Mehrere der eingesegneten Mädchen baten Hrn. Dr. S., noch ein Jahr hindurch als Gäste dem Unterrichte beiwohnen zu dürfen. Text. der diesmaligen Anrede war: „Wähle das Leben! liebend den Ewigen dejnen Gott, gehorchend seiner Stimme, und ihm an hängend, denn er ist dein Leben." 5. Mos. 30, 19. 20. Einige Wochen früher war die jährliche öffentliche Prüfung in der hiesigen israelitischen Armenschule, welche der hiesige Central-Armen-Verein vor etwa vier Jahren in's Leben rief. Diese Schule wird von Knaben sowohl als Mädchen besucht, die jedoch in durchaus getrennten Localen unterrichtet werden. Den Unterricht ertheilen drei Lehrer (wovon zwei. christliche) und zwei Lehrerinnen. Herr vr. Saalschütz giebt als Prediger der Gemeinde den Religionsunterricht und hat im Verhältnisse zu den Vorgesetzten Behörden die pädagogische Verantwortlichkeit übernommen. Außer ihm bilden den nähern Vorstand der Schule: Herr vr. wecl. Jacobson, Herr Hirsch Friedländer und die Frauen vr. Jacobson und Hertz. Auch bei diesem Examen zeigten die Schüler und Schülerinnen, welche erfreuliche Fortschritte sie in den Gegenständen des Unterrichts gemacht hatten, deren Umfang natürlich dem Zwecke der Volksschulen entsprechend ist. In der Schlußrede sprach Herr vr. S. darüber, daß zwar allerdings aller Untericht mit Lesen und Schreiben beginne, welchem das Sprechen natürlich vorangehe, daß aber sehr viele Menschen dies alles eigentlich nicht auslcrnen, indem es sehr wenige gebe, die richtig und gut zu lesen und sich schriftlich oder mündlich leicht und klar auszudrücken verständen. Es wurde nachgewiesen, wie dies damit Zusammenhänge, daß unsere Jugend nicht genug denken lerne; sie dies zu lehren, klar, richtig und somit gewiß auch edel zu denken, sei die höchste Aufgabe aller Bildungsanstalten, und hierin eben könne auch die Volksschule, so beschränkt ihre Sphäre sei, wenn sie nur das Leien, Schreiben und Sprechen auf die rechte Art übe, unendlich segensreich für das ganze Leben wirken. In dem Gebete für die Verstorbenen am Schlüsse der Predigt des zweiten Schebuoth-Tages, nahm Herr vr. S. Gelegenheit, auch des Königs, Friedrich Wilhelm m. Erwähnung zu thun, dessen Tod vor einem Jahre gerade an diesem Festtage erfolgt war. Es hieß bei uns Anfangs, daß an dem Todestage des Königs eine Trauerfeier Statt finden würde. Es geschah dies aber nur in der Königlichen Kapelle in Berlin. Trier, 18. August. — Heute fand endlich die Rabbinerwahl für den hiesigen Regierungsbezirk statt. Die Vakanz dauerte zum Leidwesen aller Bessergesinnten siebzehn Monat. So sehr auch unsre Königl. Regierung es gewünscht hatte, diese Stelle besetzt zu sehen, so hinderten immer vorläufige Fragen die Ausführung. Von den acht Bewerbern, die fich Anfangs, zufolge der Aufforderung in den öffentlichen Blättern, zu dieser Stelle gemeldet hatten, kamen eigentlich nur der Unterzeichnete und Herr Kahn zur Wahl, wo letzterer mit überwiegender Stimmenmehrheit — er hatte nicht weniger als neunzehn für sich — zum Rabbiner gewählt wurde. Da derselbe aber nicht drei Diplome von inländischen Rabbinern besitzt, so wurde es ihm zur Bedingung gemacht, dieselben sich noch zu verschaffen. So sehr nun die Orthodoxen den Kopf hierüber schütteln mögen, die Wahl ist unstreitig nach dem Zeitgeiste eine sehr glückliche zu nennen. Von der Thätigkeit und Freimüthigkeit des Herrn Kahn lassen sich viele Verbesserungen erwarten. M. Heß. Ungarn. Pesth, den 18. Juli 1841. — Die Beschlüsse des verflossenen Landtages bieten hie und da manche erfreuliche Resultate dar, und laufen gleich einzelne traurige Nachrichten ein, so laßt sich doch hoffen, baß die Zeit auch diese Spuren der Intoleranz ins Meer der Vergessenheit versenken, und die gerechte Sache zuletzt doch den Sieg davon trage werde. Ein solches Faktum bes bessern Geistes gewahren wir in der Haupt- und Festungsstadr Ofen, wo, als einziger Israelit, ein praktischer Arzt, Herr I. Löblin d. M. und Ch. vr. lebt, der sich des höchsten Ansehens und größten Vertrauens bei den hohen Beamten sowohl, als den Bürgern erfreut. Als nun dieser sich daselbst ein Haus zu kaufen wünschte, leistete ihm der Magistrat den größten Beistand, so daß er nach eingeholter Concession Sr. Maj. solches wirklich schon im Besitze hat. Und obgleich dieser Mann — zu seinem Lobe sei es gesagt — sich seines Glaubens nicht schämt, indem er mit seiner Familie auf einem ächt israelitischen Fuße lebt; so sieht ev sich nicht nur in Nichts beengt, vielmehr wird er von allen Klaffen alS ein Mitbürger betrachtet. Möge sich manche k. Freistabt ein Beispiel hieran nehmen, und ihrer Hauptstadt, die mit solcher Humanitär voran geht, nachahmen. Möge sich aber auch mancher in Israel ein Beispiel an diesem Manne nehmen, und mit seinen christlichen Brüdern eben so unbefangen leben, und so ein edleres sociales Verhältniß auch hier zu Lande allgemeiner werden! E. Sch. St. Nicolau, 15. August 1841. — Mit unsrerSchule sieht es sehr traurig aus. Es wäre erst nöthig, die L>limmführer in eine Schule zu schicken, um menschlich denken und fühlen zu lernen. Zwar ist eine sehr starke Majorität dafür, gegen welche die Opposition ganz ohne Bedeutung ist; auch würde es an Mitteln nicht fehlen, wenn man nur ernstlich an'ö Werk ginge; die Kosten der neuen Synagoge werden nach dem vorläufigen Plane die Summe von fl. 70,000 'übersteigen; die fast einztge Quelle,solcher enormen Kosten ist eine erhöhte Fleischsteuer; um wie viel leichter würde