Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1841
- Issue
- Heft 36 (3.9.1841)
- Date
- 1841-09-03
- Page
- Seite 284 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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284 und vollständig der unfern gleicht. Die durchgreifenden und wie ich glaube, erschöpfenden Beweise werde in der bezeichneten größer» Schrift geben (und vielleicht darf ich bis dahin auf einen Aufsatz: „der Monotheismus in sittlicher Beziehung," verweisen, der in dem nächst erscheinenden Hefte von Geiger's Zeitschrift für jüdische Theologie entj halten sein wird). Und wenn dies als wahr erwie- , sen werden kann, so wird dem Christenthum von seij ner Würdigkeit dadurch Nichts entzogen, so dürfen wrr nicht zweifeln, daß es Männern, wie der edle Geistliche, der diese Zeilen hervorgerufen hat, nur zur hohen Freude gereichen kann. Die Liebe, die wir unser nennen, die wir mit dem Chriftenthume rhcilen, sie wird nicht halbin, sie wird verdoppelt und zwiefach Gottesgeift. Freilich über manche dogmatische Punkte da sind wir mit einander nicht ganz einig, und gewiß kann uns Allen über das Wesen des Göttlichen die wahre Entscheidung und Aufklärung erst dann werden, wenn wir in die Fülle des ewigen Lichtes eingegangen sein werden. Aber dennoch die in sittlicher Hinsicht so wichtige Lehre vom Messias^ die Lehre der Erlösung, so fern sie dem. ganzen Menjj schengeschlechte werden soll, sie ist uns auch gemeinschaftlich. Und wenn wir glauben, daß der Messias uns, dereinst unter ideellen Verhältnissen, erst kommen werde, und das Chriftenthum, daß er bereits gekommen, so kann ich mich zwar über dies ganze dogmatische Verhältn'iß beider Religionen auch nur erst bei der künftig sich darbietenden Möglichkeit einer vollständigen Entwickelung der Gedanken aussprechen; aber in ethischer Hinsicht sei dies hier angedeutet, das eben so heiligend wie dem gläubigen Christen das Streben feig muß, daß der Messias, daß die Wiedergeburt i h m^in seinem Herzen komme, so auch dem Israeliten, daß er täglich, ja stündlich, nach dem Gebote seiner Religion, in sittlicher und religiöser Selbftvervollkommnung, jenem ideellen Weltreiche des Messias cntgegenringen soll. Wir rauben also dem Chriftenthume Nichts, wir schöpfen aus eignen Quellen, aus denen es auch geschöpft hat, wenn wir zwar nicht als Christen, und doch in sittlicher Hinsicht, zum Th eil auch in dogmatischer, wie Christen sprechen. Und wir dürfen fteudigen und vollen Herzens, mit den schönen Schlußworten des innigft verehrten Mannes, jener Zukunft, der in der That unsere Wirksamkeit geweihet ist, entgegen hoffen, jener Zeit, von welcher die Propheten uns geweiffaget, in der heiliger Friede, lichter Glaube, selige Liebe alle Menschenherzen verklären, alle Völker zum Berge Gottes rufen wird. Bis dahin sei unser Bruder-Gruß und Erkennungs-Wort: „Kommet, lasset uns wandeln — im Lichte des Ewigen!" (Jes. 2, 2—6.) Nachrichten und Correspondenzen. Wilna, 15. Juli 1841. — Es freut uns, Zhnen angenehme Nachricht für Ihre werthen beliebten „Israelitischen Annalen" bringen zu können. Wir glauben eine solche Neuigkeit der öffentlichen Kenntniß nicht enrziehen zu dürfen. Wir melden es heute auch an die Redaktion der Zeitung des Zudenthums. Es ist uns gelungen, nach unfern geringen Kräften, etwas zur Cultur unsers jungen Geschlechts beizutragen, und mit Anfang dieses Semesters, nach vielen Hindernissen und Widerwärtigkeiten, eine Schule für hiesige israelitische Zugend zu errichten. Am 25. v. M., als am Geburtsfeste unsers Astergnädigsten Kaisers, hatten wir das Vergnügen, die Einweihung derselben ehrenvoll zu feiern, wie Sie aus einliegendem Zeitungsblatte zu ersehen belieben, wozu wir zugleich die deutsche Uebersetzung Zhnen ergebenst liefern. Wilna'scher Bote Nr. 55. Dienstag 15. Zuli 1841: „Der 25. des verflossenen Zuni-Monats bleibt für immer denkwürdig für die hiesige israelitische Gemeinde. Es hat nämlich an diesem Tage die feierliche Eröffnung der von Sr. E/cellenz dem Herrn Minister der Volksaufklärung bestätigten, von den Herren Günzburg und S. Saqlschütz unter Aufsicht des Herrn H. Klatsch ko errichteten Schule statt gefunden. Die Schule besteht für jetzt aus zwei Abtheilungen, und werden in ihr folgende Gegenstände gelehrt: Die Bibel (nach Mendelsohn und den neuern deutschen Uebersetz.), hebr. Grammatik, Religionslehre, Thalmud; die russische Sprache, die deutsche, Arithmetik und Kalligraphie. Am erwähnten Tage war das Lokal festlich geschmückt. Zm ersten Saale desselben stand auf einem dazu schön bereiteten Gestell die Büste Sr. Majestät des Kaisers in Lebensgröße; über derselben der Reichs-Adler in Gold gemalt,; mit der Ueberschrift (in russischer Sprache) „Es lebe Kaiser! N i c o l a u s l. ewig!" Zu beiden Seiten der Büste prangten! zwei herrliche, zwei Arschin lange Tafeln, auf denen mit! goldnen Buchstaben das in den Synagogen übliche Gebet für das Wohl des Kaiserlichen Hauses in ebräischer und russischer Sprache geschrieben war. Nebenbei war auf einer kleinen Anhöhe eine Kanzel errichtet, vor welcher auf einem Gestelle mit einer goldgestickten Decke ein aus Lorbeer und Blumen geflochtener Kranz zum Schmücken der Büste lag. Rings um den Saal standen in mehreren Reihen Stühle für die höchsten Autoritäten vom Militär-, Civil-, Gelehrten-