Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1841
- Issue
- Heft 35 (27.8.1841)
- Date
- 1841-08-27
- Page
- Seite 278 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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278 lehrreichen Brief im Isten Theile der nün nr:x von Reggio Nachlesen.) Ein besonders gottseliges Werk verrichtet gewiß aber derjenige, welcher den Mißbrauch abzustellen sucht, daß nämlich die nächsten Anverwandten aus dem Zimmer eines Sterbenden entfernt werden. Es kann für diesen keine größere Marter geben als in der Stunde, da ihn das Gesumme unheimlicher Gebete und noch unheimlicherer Gespräche zu betäuben droht, sich des Anblickes seiner Theuersten, die allein noch im Stande sind, sein erstarrendes Herz durch sanften Händedruck zu erquicken, plötzlich beraubt zu sehen! wie müßte es ihn doch trösten, das letzte ihn aus dem Munde seiner Liebsten zu vernehmen, und so die Beruhigung zu erhalten, daß sie dem Einzigen ergeben bleiben, der ihren Schmerz lindern, ihre Versorgung übernehmen, und sie einst wieder mit ihm vereinigen wird! Die Zurückbleibenden selbst, mit welchem Rechte darf man der Vorsehung vorgreifen, und jene von geliebten Eltern, Gatten oder Kindern trennen, während die Natur selbst mit der Auflösung zögert, um ihnen gleichsam noch eine Stunde des liebevollsten Umgangs zu gewährend — 2) Schulsachen. Die Bedenken eines baierischen Lehrers in Nr. 80 -er Annalen harmoniren meist mit den Ansichten, welche Schreiber dieses auch schon in diesen Blättern mitgetheilt hat. (S. Nr. 15,16 und 45 von 1810.) Hiermit erlaubt er sich nun auch eine Aeußerung über das sogenannte jüdisch-deutsche Schreiben. Der planmäßigen Lehrgegenftände in der Elementarschule sind gegenwärtig allzuviele, als daß man nicht mit den Stunden geizen müßte; ein Gegenstand, Der überflüssig ist, sollte daher füglich aus dem Stundenplan gestrichen werden, und ein solcher ist und wird genannte Schriftweise immer mehr, da nicht nur die Heranwachsende Generationdurchgehends, sondern auch die letztherangewachsene großtenrheils die allgemeine deutsche Schrift lesen kann. Doch noch eine Rücksicht kommt hiep in Erwägung. Man hört nicht selten selbst von höherstehenden Christen die Meinung äußern, die jüdisch-deutsche Schrift werde zur Miltheilung von Geheimnissen benutzt. So ungegründet und oberflächlich nun auch dieses ist, da doch das ganze Geheimniß von Jedermann in einer einzigen Stunde erlernt werden kann (indem die Sprache deutsch, und nur mit einem andern, jedoch vor niemand verborgenen Alphaberh geschrieben ist); so möchte dennoch, um einen so schändlichen Verdacht zu beseitigen, ein ganz überflüssiger Lehrgegenstand aufgegeben zu werden verdienen. Jedenfalls, wenn man auch weder mit der Zeit zu geizen, noch mit einem grundlosen Mißtrauen zu unterhandeln geneigt ist, dürfte es gerathencr sein, anstatt der jüdisch-deutschen, die hebräische Quadrat- oder die rabbinische Druckschrift schreiben zu lehren; freilich keineswegs für den alltäglichen Gebrauch, wohl aber, um dadurch schriftliche Uebungen im hebräischen Sprachunterricht zu erleichtern. Auch viele jetzige italienische Juden schreiben die letztgenannte Schrift sehr geläufig, aber nicht mehr mit italienischer Sprache. Ehemals muß wohl auch das stattgefunden haben. Ich habe eine alte gedruckte Bibel gesehen, auf deren Rande die italienische Uebersetzung mancher Wörter mit vokalisirter Raschischrift abgedruckt ist, z. B. 1. Römer 9, 13 h^2D pK nTO© rqTvlO, 15 ■>p?rnp_;pp u. ft. Und noch in neuerer Zeit werden in Sefardischen Ritualbüchern die gottesdienstlichen Anweisungen in spanischer Sprache mit Raschischrift abgedruckt. Das pn, Wiener Ausgabe von 1816, enthalt sogar eine 15 Octavseiten füllende spanische Vorrede in jener Schriftweise, und einige Motto's sogar in einer Art Currentschrift, die mir aber nicht ganz enträthselt ist, obschon sie den Unterschriften der genuesischen ")LQ-Briefe zudem etwas ähnlich ist. 3) Die Prager Frage (Nr. 20.) Zu Seite 159 möchte bemerkenswerrh sein, daß was aus Migdol Os hervorgehen soll, noch bestimmter in Hamamgid zu erkennen ist. Wer übrigens die Venezianer Ausgabe des Jad chasaka von d'-1550 benutzt, worin die Einwürfe des "dir nicht in den Text des Maimuni, sondern vollständig in die eben genannten Erklärer eingedruckt sind, kann über diesen Gegenstand gar nicht zweifelhaft sein. 4) Gebetänderungen. Die in Nr. 22 mitgetheilte anerkennenswerthe Erwiederung des Dvpqnn hat bereits einen Vorläufer in dem 1829 zu Wien mit italienischer Uebersetzung ged rucktenhebräischen Gebetbuche. Dort ist es von Anfang bis -M' ny mit der alten Formel »