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Israelitische Annalen · 1841-08-27 · Heft 35 (27.8.1841) · p. Seite 277

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1841
Issue
Heft 35 (27.8.1841)
Date
1841-08-27
Page
Seite 277 (sequence 5)
Language
German
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— 211 — nur am Schluffe derselben mir ihm Zusammentreffen, in so fern die von ihr selbstständig gefundene Wahrheit mit demselben identisch erscheint. Demzufolge ist die allgemeine wissenschaftliche Bildung der jetzigen Israeliten gewiß keine ausschließliche christliche zu nennen, natürlich eben so wenig eine ausschließlich „hebräische,^ sondern es ist die allgemein menschliche, in ihrem nothwendigen Fortschritt (an dem auch diese Israeliten selbst mitgearbeitet) auf einer reichen Grundlage, die vor und außer dem Christenthum sich darbot. Jndeß soll mit all dem Gesagten der vollen Anerkennung des göttlichen Segens nicht Abbruch geschehen, welche die christliche Lehre, wo sie wahrhaft waltet, auf die sittlich-religiöse Denkweise der Menschheit, auf die sittlich-religiöse Basis der Volker-Institutionen ausgeübt hat. Geläuterte, zu einem heiligen Streben begeisternde Erkenntnisse von dem Wesen Gottes / reinere sittliche Ansichten und Gefühle durchdringen, Dank sei es dem Chriftenthume! nach dem theilweisen Untergange des Heidenthums, die Nationen und Individuen, die sich zu seinen Lehren bekennen. Aber wenn wir Israeliten dieser göttlichen Anschauungen, dieses heiligen Segens auch selbst theilhafr befunden werden, so könnten wir, in so fern von einer Abwägung des schuldigen Dankes gesprochen werden sollte, zunächst fragen: Kann das jetzige Judenthum dem jetzigen Christenrhume mehr zu verdanken haben, als die entstehende christliche Religion, dem ihr vorhergegangenen und zur Basis dienenden Judenthume, das mitten in einer Welt von Heiden, durch zwei Jahrtausende, die jetzt christlich gewordenen Lehren bewahrt, sie oft im blutigen Märtyrerthume, mitMakkabäischem Geist und Schwerdte, für die Menschheit vertheidigt hat? Kann des Neuen, das wir aus dem neuen Testamente entnehmen sollen, in der That mehr sein, als dieses aus dem alten entnommen hat? Enthält das neue Testament, oder sollte es seiner Tendenz nach die Lehren der Religion und Moral v ollftändig enthalten? Muß nicht noch immer auf das alte zurückgegangen werden? Ja, ist nicht die Grundlage des christlichen Unterrichtes der alrtestamentliche Dekalog? — Aber nein! wir wollen nicht so strenge mit einander rechten! Was uns gegeben ist, das ist auch Euch gegeben, und es ist uns Seligkeit zu denken, daß Ihr es annahmt, die wir mit vollem Herzen als unsere Brüder, ja wie uns selbst lieben. Lasset uns vielmehr mit unserm gemeinschaftlichen Danke uns zu Dem erheben, der, nach der Lehre Mosis und der Propheten, alle Menschen und Völker gleich liebet und darum auch uns solche unbeschränkte Liebe, selbst gegen Heiden geboten hat. *) Denn auch das aus erwählte Volk nennen wir uns nur im historischen Sinne, als die zuerst zur Erkenntniß Eingegangenen, nicht in dem Sinne einer partheiischen Bevorrechtung**), und auch der Heide, der Aufmerksamkeit auf das Gesetz wendet, ist nach dem Thalmud „gleichwie der Hohepriester" (Tr. LZaoüedrm 59, 1), und „die Frommen aller Völker haben Antheil am seligen Leben" Sanhedrin 96, 1.) (Schluß folgt.) Aehrenlese. Bemerkungen zu verschiedenen Nummern dieser Annalen. Von L. Schott, Rabbiner zu Randegg. 1) Aberglauben. Es kann nur gut sein, wenn übereinstimmende Fortschritte verschiedener Gemeinden veröffentlicht werden. Gleich den Stimmen aus Baiern in Nr. 15 und 16 d. A. berichte ich daher: Auch in hiesiger Gemeinde ist sowohl die Furcht vor dem abnehmenden Monde (in Beziehung auf Trauungen) §) , als auch vor andern dergleichen Mysterien, z. B. vor der Tekufa, vor dem Wasser in der Nachbarschaft eines kaum Verstorbenen, vor dem Zusammentreffen beider Geschlechter bei Leichenzügen u. dgl. m. größrentheils schon lange einer ruhigen Belehrung über die Grundlosigkeit solches Aberglaubens gewichen. (Ueber Tekufa-Furcht möge man den vierten *) 5. Mos. 10,17-19. **) Zu Stolz und Hochmuth kann wohl die Lehre von der Erwählung der Hebräer nie führen, wenn sie biblischrichtig schon der Zugend vorgetragen wird. (Siehe: Grundlage zu Katechisationen über die israelitische Eotteslehre, S. 60.) Floß früher, in den Schriften finsterer Zeiten, so etwas ein, so war es der unchristliche, grausame Haß, mit dem man den Zsraeliten begegnete, und der geeignet war, ihnen Verachtung einzuflößen. §) Sowohl aus Berlin wie aus Rheinpreußen (Crefeld) wird uns gemeldet, daß dort solche Rücksichten längst nicht mehr gelten. D. H.

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