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Israelitische Annalen · 1841-08-27 · Heft 35 (27.8.1841) · p. Seite 275

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1841
Issue
Heft 35 (27.8.1841)
Date
1841-08-27
Page
Seite 275 (sequence 3)
Language
German
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275 wurzeln, keines eigenen Landes und irdischen Reiches; es ist nur das Geifteseigenthum gemeinsamer Erinnerungen, es ist nur ein Gotteswort (mit seinen harmlosen Symbolen), das auch Andern heilig ist. Es hemmr uns dies Alles nicht im geistigen Streben, es hindert uns nicht in bürgerlicher Pflicht und Begeisterung, es stellt uns nicht fremder (vergl. S. 152) der Gesammtheit gegenüber, mit der wir Wohl und Wehe theilen. Es giebt noch andere Gemeinschaften im Staate, die ihren geistigen Mittelpunkt im Bereiche eigener Ideen oder Erinnerungen finden, und von denen man doch nicht sagt, daß sie dadurch dem Staate entfremdet würden. Dies ist z. B. der Adel eines fremd hinzugekommenen Landes, die Republik der Gelehrten, die Zünfte , der Clerus, oder auch die ganze Volksmasse einer jeden j andern, nicht herrschenden Confession. Ja, man betrachte uns als eine Art von Freimaurerrhum, mir seinen besonder» Symbolen und Lehren. Kann diese Alle etwas hindern, treue Mitglieder des Staates zu sein, zu halten, was sie als redliche Männer gelobren? Man nehme auch uns dies Gelöbniß ab! und wo man uns Waffen gab, uns Aemter anvertrauete, da wird man sehen, ob wir als Söldner kämpfen, ob wir als „Fremdlinge" dienen werden. Ja, es wird die Zeit kommen, da man allgemein erkennen wird, wie wenig unser Jsraelitenthum mit unserm Bürgerthume collidirt, wie wenig es uns zurückhält, in Kunst und Wissen, in Rath und Thar dem Vaterlande zu nützen und ihm auf seinen geistigen Höhen zu folgen; man wird sich überzeugen, daß selbst, je wahrer wir Israeliten sind, d. h. je mehr wir, was den Menschen immer erhebt, es lernen, uns an eine Idee hinzugeben (die doch an - und für sich eine edle, eine sittliche ist), daß wir in desto ideellerm, in desto reinerm, höherm Sinne die Pflichten üben werden, für die man uns auf's! Strengste prüfen möge. Und hat sich dies nicht I schon bewährt, als das Vaterland uns zu seiner! Verthcidigung aufrief? Gab es irgend ein großes, gemeinnütziges Unternehmen im Staate, oder den Städten, zu welchem Israeliten nicht bereitwillig die Hände boten? Unterstützen sie nicht selbst solche Schulen und Armenanftalten, an deren Wohlthaten! ihre Kinder und Armen keinen Theil haben? (Hat doch selbst in neuerer Zeit ein Israelit seinen protestantischen Mitbürgern eine Kirche erbauet!) Und wo man begonnen har, den Israeliten Gemeinde- Aemrer im Rathe der Städte anzuvertrauen, haben sie sich da in ihren Arbeiten, in ihrer Theilnahme als „Fremdlinge" gezeigt? Ging wohl hier irgendwo hervor, daß ihre sogenannte Stammestreue sie hindert, dem Staate, der ganzen Nation „eigen zu sein," daß beide ihnen nicht schon „eigen seien" (S. 152)? Ja, wir sind Deutsche, wir sind Preußen im wahrsten, vollsten Sinne des Wortes, wir sind es durch unsere Lebensstellung und unsere Geistesbildung. Aber, um hier gerecht zu bleiben, was ist die deutsche Geistesbildung in ihrem allgemeinen Inhalte Anderes, als die Bildung der Menschheit? Ist die Bildung des Franzosen, des Engländers und des Israeliten, der in Frankreich, in England erzogen ward, eine so ganz andere? Nur jedes Volk bemächtiget sich jener Bildungselemente nach seinen besonder» Interessen und geistigen Anlagen, nach seiner Betriebsamkeit und seinen Institutionen. Des Deutschen edler Forschungstrieb, des Engländers großer Sinn für mechanische Kunst und Erfindung, wie seine staatsrechtliche Rhetorik, des Franzosen Streben nach Waffenruhm und Glanz — sie rechnen alle gleichsam mir denselben Größen, sie bedienen sich alle desselben geistigen Gemeinguts, nur geben sie ihm, indem sie es sich zu eigen machen, ihre besondere Färbung. Und wir geben es gern zu, man wird es aber auch uns zugeben, daß der Israelit unter den Nationen überall an diesen besonder» Bestrebungen mit ganzer Seele Theil nehme, daß er sich in dieser Beziehung ganz mit denen, unter welchen er lebt, amalgamire. Auch ist es der Staat allerdings, der, durch seine Anstalten und Schulen, uns die Theilnahme an jener allgemeinen Bildung möglich macht, und so glühend als unsere Begeisterung für Wissenschaft ist, so heilig der Dank, auf den er nnsrerseits rechnen kann. Aber wir gelten uns als Kinder dieses Staates, wir haben Ansprüche an seine Liebe, an seine Bildungsmittel, wir tragen auch freudig seine Lasten, und gehören ihm an mit Gut und Blut. So werden wir denn von dieser Seite sagen: diese Bildungselemente sind nicht ein ausschließliches Eigenthum unserer deutschen nichrisraelirischen Brüder, sondern so-wie sich ursprünglich in ihrem Besitze alle Völker theilen, so sind sie auch, in der Art und Weise wie sie zur deutschen Bildung geworden sind, nicht nur denen angehörig, die von deutscher Abkunft, sondern Allen, die in 35*

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