Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1841
- Issue
- Heft 34 (20.8.1841)
- Date
- 1841-08-20
- Page
- Seite 271 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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271 fundenen Gesetzbuches zu befragen. Und sie spricht im Namen Gottes strenge prophetische Worte, und verkündet, was die nächste Zukunft bringen sollte. Diese kleine Gallerie ausgezeichneter israelitischer Frauen, welche großentheils nur zufällig und beiläufig erwähnt werben, läßt, weil Erscheinungen solcher Art wohl nie so vereinzelt dastehen, auf ein weit häufigeres und allgemeineres Vorkommen derselben schließen. Vielleicht konnten nur in einem Volke, in welchem die Frauen eine so vorzügliche Achtung genossen, in welchem sie sich nicht nur durch äußere Schönheit, sondern auch, nach den Forderungen der damaligen Zeit, durch geistige Bildung auszeichnelen (was wohl bei denen unläugbar der Fall sein mußte, welche als Prophetinnen auftraten, da, wo die Propheten so hochgebildete Männer waren) — vielleicht konnten nur in diesem alten Volke Salomo's hohe Lieder der Liebe entstehen, da wahre Liebe und ihr sprechender, begeisterter Ausdruck nur aus Achtung für das andere Geschlecht hervorgehen kann. Dort konnte auch nur von wirklicher ehelicher Zärtlichkeit im schönern geistigen Sinne des Wortes die Rede sein, wie sie in jener ersten Stelle 1. Mos. 2, nach welcher der Mann, Vater und Mutter verlassend, an seinem Weibe hanget, vorausgesetzt wird, und sowohl in dem Verhältnisse der Patriarchen Abrahams zu Sarah, Isaaks zu Rebecca, Jakobs zu Rahel (deren er noch auf seinem Todtbette mit einem wchmüthigen Rücktlicke gedenkt*), als auch sonst in ehelichen Verhältnissen, deren die Schrift erwähnt, hervortritt. Rührend ist es z. B. wie Paltiel, dem Saul David's Gattinn, Michal, gab, da jener entflohen war, wie er derselben, da David sie zurückfordert, eine weite Strecke weinend nachfolgt', bis Abner ihn zwingt, zurück zu gehe». Das Betragen des Mannes gegen die Frau kann nicht anders als einen sehr bedeutenden Einfluß auf das der Kinder und namentlich der Söhne gegen die Mutter haben. Dies kann gewiß da nicht sehr befriedigend sein, wo die Gattinn verächtlich und als Sklavinn behandelt wird, oder wo sie, wie bei den Persern, dem Manne eine Art von göttlicher Verehrung zu erweisen und mit Gebeten und gewissen Formen der Unterwürfigkeit vor ihm zu erscheinen gezwungen ist. Unmöglich können dort die Kinder lernen, ihre Mutter wahrhaft ehren, sei es auch, daß sie nicht, wie bei den Neuseeländern, systematisch gelehrt werden, dieselbe von Jugend auf zu verachten. In dieser Beziehung ist es nun für unsere flüchtige Zusammenstellung nicht zu übersehen, daß nicht nur in dem Gesetze Mosis, sondern in allen Büchern der Schrift, namentlich in den Sprüchen Salomonis, Ehrfurcht und Gehorsam gegen die Mutter mit der Ausübung derselben Pflichten gegen den Vater stets zusammen gestellt, und in durchaus zusammenhängender und gleicher Weise gefordert wirb. „Ehre deinen Varer und deine Mutter," befiehlt Gott vom Sinai: „Jeder ehrfürchte *) Bezeichnend ist es gleichfalls für jene alten häuslichen Beziehungen, daß die Eiche, unter welcher die Amme der Rahel begraben worden, von Jakob den Namen Thränen-Eiche erhielt. 1. Mos. 35, 7. seine Mutter und seinen Vater," 3. Mos. 19. 3, wo die Voransetzung der Mutter.bemerkenswerth ist. Wer seinen Vater oder seine Mutter schlägt oder fluchet soll sterben, 2. Mos. 21, 15 und 17. 3. Mos. 20 9. — Ps. 35, 14 wird als Bild und Zeugniß des wahren- Schmerzes vorzüglich das Leidtragen um die Mutter bezeichnet. Achtung gegen das weibliche Geschlecht kann sich aber überall nur auf der Basis, wie seiner Achtungswürdigkeit überhaupt, so namentlich der Reinheit seiner Sitten erhalten. Man hat also wohl Ursache in Bezug auf diese letztern eine sehr gute Meinung von den Hebräerinnen zu fassen, welche sich auch durch manche andere Betrachtungen unterstützen ließe. Eine merkwürdige Thatsache, die von dem strengen Sinn des Volkes in dieser Hinsicht zeugt, ist, daß wegen der an einem Kebsweibe verübten Schandthat, sich einst in den Zeiten der Richter ein blutiger Kampf, an welchem das ganze Volk Theil nahm, entspann, und durch welchen fast der ganze Stamm Benjamin ausgerottet worden wäre, der die Schuldigen aus seiner Mitte nicht hatte ausliefern wollen. Es wird jene That eine Abscheulichkeit genannt, die in Israel geschehen sei. „Das ganze Volk, heißt es, stand auf, wie ein Mann, sprechend: Wir wollen Keiner nach unserm Zelte gehen, Keiner zu unserm Hause zurückkehren." „Denn Jeder sprach: Solches ist noch nicht geschehen und nicht gesehen worden, seitdem Israel aus Aegypten zog, bis auf diesen Tag." „Und es sandten die Stämme Israels Männer zu ganz Benjamin und sprachen: Was ist dies für ein Frevel, der unter euch geschehen. So gebet die Männer, jene Nichtswürdigen, heraus, daß wir sie tödten und so den Frevel tilgen aus Israel. Richter 19, 29. Vorzüglich merkwürdig und interessant ist die Gegenüberstellung der verschiedenen in Bezug auf die Keuschheit der Frauen sich darbietenden Bestimmungen des mosaischen Gesetzes. Während nämlich einerserts ttnkeuschheit einer verlobten Jungfrau mit dem Tode bestraft wird, und zwar sowohl an ihr als an ihren Verführer, so spricht sie doch andrerseits das Gesetz von jeder Schuld frei, wenn das Verbrechen außerhalb der Stadt, fern von Menschen geschah, die ihr hätten auf ihren Ruf zu Hülfe eilen können. Das Gesetz nimmt in diesem Falle als ein Bestimmtes an, sie habe um Hülse gerufen, man habe keinen Grund (den doch häufige Unkeuschheit der Frauen hätte an die Hand geben müssen) und kein Recht, ihre Einwilligung zu dem Verbrechen anzunehmen. In der That mußte übrigens auch in dieser Beziehung wenig Besorgniß walten, wenn man, wie es doch hier vorausgesetzt wird, Jungfrauen gestattete, allein und ohne Schutz so weil sich zu entfernen. Ja was wirklich bezeichnend ist, das Gesetz betrachtet es ordentlich als seine Aufgabe, die sittliche Ehre eines solchen Mädchens umständlich gegen den Argwohn zu schützen und als unbefleckt zu bezeichnen, während es den Verführer zum Tode verurtheilt. 5. Mos. 22, 25. Noch bei einer andern Gelegenheit, deren dasselbe Kapitel erwähnt, findet das Gesetz Veranlassung, die Ehre israelitischer Frauen zu schützen. Wenn ein Mann sogleich