Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1841
- Issue
- Heft 34 (20.8.1841)
- Date
- 1841-08-20
- Page
- Seite 272 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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nach der Vermählung seine Gattinn der Unkeuschheit beschuldiget, so hat sie, wenn die Wahrheit der Anklage sich bestätiget, den Tod verdient. War aber die Anklage eine bloße Verleumdung, so soll er nach dem Gesetze Lezüchtiget werden und in Geldstrafe verfallen, von seiner verleumdeten Gattinn sich aber niemals scheiden können, denn, wird mit einer gewissen Emphase hinzugesetzt, er hat einen bösen Ruf ausbringen wollen über eine Tochter Israels." D. 19. Die strengen Strafen bei einer wie das Gesetz sich ausdrückt, „in Israel begangenen Abscheulichkeit." 5. Mos. 22, 21, und welche, sehr im Vortheile gegen neuere sogenannte gebildete Ansichten, den Verführer wie die Verführte gleich trafen und brandmarkten, diese Strafen schützten und die oben erwähnten richterlichen Voraussetzungen, wie die Achtung, in der sie standen, bezeugen die sittliche Ehre und Bildung der alten israel. Frauen, so zwar, daß unsittliche Frauen, vor welchen die Männer — unter dringenden Ermahnungen zur ehelichen Treue — namentlich in den Spr. Sal. gewarnt werden, mit dem stehenden Ausdrucke: „das Weib der Fremde," die Ausländerinn bezeichnet sind. Und Gottlob! den wohlverdienten Ruhm der Keuschheit haben Israels Töchter sich noch immer und zu allen Zeiten zn bewahren gewußt. Noch immer ist dem Volke Unzucht eine seltene Abscheulichkeit, und die neuen Lehren von der „Emaneipation des Fleisches" konnten in seiner Mitte und in dem reinen Herzen seiner Frauen keinen Anklang finden. Nachrichten und Correspondenzen. Mainz. — Das Bedürfnis einer neuen Belebung des öffentlichen Gottesdienstes hat den Vorstand der hiesigen israelitischen Gemeinde bewogen, einen Mann von klassischer nnd academischer Bildung als zweiten Rabbiner anzustellen. Die Wahl fiel auf Herrn Frendsdorf, seitherigen öffentlichen Religionslehrer zu Hannover, und hat bereits die Genehmigung der hohen Regierung erhalten. Wir wünschen, daß es H. F. gelingen möge, die an ihn gestellte äußerst schwierige Aufgabe zur Zufriedenheit aller Gutgesinnten zu lösen, und so die von vielen Seiten hergelangten günstigen Beurteilungen seiner Persönlichkeit zu rechtfertigen, denen er seine Berufung zu verdanken hat, und die es auch nicht bezweifeln lassen, daß er auch die Prüfung zu Darmstadt, welche seiner definitiven Installation vorangchen muß, glücklich bestehen werde. Liter atur. Vermischte Aufsätze religiösen Inhalts, von M. B. Friedenthal. Breslau 1Ä1, bei A. Schulz und Compagnie. XII und 156 S. in 8. Diese Sammlung enthält: 1) Gelegenheits-Reden und Gebete bei feierlichen Veranlassungen. 2) Einige religiöse Forschungen. 3) Die Würde der Frauen (ein Fragment aus einem Werke des Vers). Sie ist von dem ungenannten Herausgeber beantwortet, welcher über den Bildungsgang und Beruf des Herrn Vf. zur literarischen Thätigkeit, so wie überhaupt über seine zahlreichen Schriften nähere Auskunft giebt. , Wenn derselbe die deutschen Journalisten und sogar den hebräisch schreibenden H. Chajes (nicht Chirad) anklagt, sie hätten des H. Fr. Werke ausgeplündert, so mag wohl manches Wahre daran sein, besonders da diese hebräischen Volumina nicht in jedermanns Händen sind. Indeß sind solche Plagiate oft auch nur scheinbar,- indem mehrere Forscher Zusammentreffen, oder auch unbewußte Reminiszenzen. In allem, was H. Fr. veröffentlicht hat, bekundet sich der religiöse Geist, dem es darum zu thun ist, mit der Form den Inhalt zu fassen, und demnach jene in ihrer Integrität zu erhalten, ohne die Fruchtbarkeit der Idee zu beengen. Seine Ausarbeitungen tragen größtenteils den Charakter von Dissertationen, deren Stoffe sich ihm gelegentlich durch philosophische und eregetische Studien oder durch Festlichkeiten wohlthätiger Vereine veranlaßt, darbieten. Sie haben dadurch eine bedeutende Mannigfaltigkeit des Inhaltes, dessen Einheit in der Idee der durchgreifenden praktischen Sittlichkeit als Ziel der geoffenbarten, durch die Tradition erhaltenen und nur mit ihr bestehenden Religion, zu erkennen ist. Die Art, wie der Vf. seinen Bildungsgang genommen, drückt seiner Combinationsweise ein eigentümliches Gepräge auf, und sehr oft hat man Ursache, die glückliche Benutzung antiquarischer, historischer und philosophischer Bemerkungen und der traditionellen Mythen und Legenden zur Beweisführung, zu bewundern, während andrerseits mitunter die Combinationen allzukühn oder gesucht erscheinen; wie das bei derartigen aphoristischen Bestrebungen nicht anders sein kann. Die Werke Friedenthals haben sehr viel materiellen Inhalt und dadurch sehr zur Erweckung der Wissenschaft in den Gegenden beigetragen, wo deutsche Werke wenig gelesen, oder systematisches Studium noch wenig getrieben worden. Er schreibt ein treffliches Hebräisch, und viele Stellen in seinen Werken sind theils ganz rein biblisch, theils für die G^lehrtensprache klassisch. Seine deutschen Reden durchweht derselbe Geist, bemüht an die Verhältnisse der Gegenwart kräftige Morallchren anzuknüpfen und sie mit aphoristisch gelehrten Erinnerungen zu unterstützen; sie sind daher minder durch Regelmäßigkeit und ruhige Entwickelung ansprechend, als vielmehr voll nützlicher Andeutungen, besonders aber in Hinsicht der Moralität die höchste Achtung gewinnend. Noch müssen wir ermähnen, daß Herr Friedenthal, obwohl der deutschen Sprache sehr wohl kundig, dennoch alles, was er deutsch herausgegcben, stets einer fremden Revision unterworfen hat; mehrere Uebrrsetzungen sind unter seinen Augen verfertigt worden. Die Mängel, welche sich nun hie und da im deutschen Style zeigen, sind denen beizumessen, die nicht sorgfältig genug zu Werke gegangen. Gewöhnlich ist der Styl des Autors selbst viel besser, als der seiner Uebersetzer und Bearbeiter. Häufig mischt sich der poetische, morgenländisch-phantasiereiche Schwung allzusehr mit gelehrter Prosa durcheinander, welche letztere öfters kleine Verstöße blicken läßt. Ungeachtet dieser Ausstellungen aber, die bei genauerer Durchsicht leicht vermieden werden konnten, wird man doch diese Sammlung, so wie die bereits anderweitig in deutscher Sprache erschienenen Schriften des H. Vf. immer als Erscheinungen begrüßen müssen, welche einen großen Fortschritt der Breslauer Gemeinde darthun, und besonders einen Sinn für gemeinsames Wohlthun daraus erkennen, welcher es um so weniger begreiflich macht, daß ihr durch feindseliges Entgegenwirken von Außen jede Entwickelung des Guten so sehr erschwert wird. Freunde religiöser Anregungen werden außerdem in diesen Schriften oft fruchtbare Bemerkungen finden. Auf den Inhalt cinzugchen, würde die Gränzen unserer Blätterüberschreiten, zumal derselbe beständig wechselt. Druck und Verlag von Johann David Sauerländer in Frankfurt am Main.