Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1841
- Issue
- Heft 34 (20.8.1841)
- Date
- 1841-08-20
- Page
- Seite 270 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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- Joab 1× ep/1005321
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270 Meines Königes, in's Heiligthum. Vor geh'n die Sänger, darnach die Saitenspieler, Unter den Jungfrau'«, die Adupfen schlagen. Auch für sich selber feierten die israelitischen Jungfrauen, weit entfernt, ängstlich, wie im heutigen Orient, bewacht zu werden, gemeinschaftliche Festlichkeiten. So erwähnt das Buch der Richter eines Festes, das jährlich in Silo Statt fand, zu welchem die Jungfrauen zusammen kamen, um sich durch Tänze zu vergnügen, und welches zu einem Ereigniß Anlaß gab, das auffallend an den bekannten sabinischen Mädchenraub erinnert. Nicht. 21/19 ff. Einer gemeinschaftlichen Trauerfeierlichkeit, welche gleichfalls die Töchter Israels jährlich, als ein rührendes Denkmal der früh hingeopferten Tochter Jephtas begingen, wird Richter II, 19 ff. gedacht. Unter den einzelnen Frauen - Charakteren, die zur Zeit des David auftreten, kann namentlich Abigail unsere Aufmerksamkeit in Anspruch nehmen. David hatte den N abal, einen reichen Heerdenbesitzer im judäischen Gebirge, bei Gelegenheit einer Schaafschur, die derselbe festlich beging, um ein Geschenk bitten lassen. Die gesandten Boten aber wurden von Nabal mit empörender Grobheit abgewiesen, so daß David, auf das Heftigste aufgebracht, seine Schaar zu den Waffen greifen ließ. Abigail, die Frau des Mannes, der noch zu rechter Zeit von ihren Dienern der Vorfall berichtet wird, zieht dem David entgegen und weiß ihn, indem sie ihm eine reiche Gabe darbietet, durch eine, wie die Schrift sie uns mittheilt, in der Tbat sehr wohlgesetzte Rede vollkommen zu besänftigen, so daß er sie mit den Worten entläßt: „Gepriesen sei der Ewige, der Gott Israels, der dich mir heut entgegensandte, und gesegnet sei dein kluger Sinn, ja gesegnet seiest du, daß du mich heut verhindert, in Blutschuld zu gerathen, und mir eigenhändig Recht zu schaffen." Abigail wartet, bis Nabal seinen Rausch verschlafen und dann erzählt sie ihm zu seinem größten Entsetzen, was ihm devorstand, und wie sie sich dabei benommen.*) Ihre Schönheit und Klugheit aber, welche Eigenschaften die Schrift ausdrücklich erwähnt, hatten auf David einen so lebhaften Eindruck gemacht, daß er, da Nabal nach einiger Zeit stirbt, sie zur Gattin nimmt. Michal, die Tochter Sauls, die David zum Lohne seines Heldenmuths — wie auch einst Othniel die Tochter Kalebs (Jos. 15,15 ff.) — zur Frau erhalten hatte, nimmt sich bei einer Gelegenheit sogar heraus, den König tüchtig auszuschelten und sein Betragen bei einem feierlichen Zuge als unpassend und unschicklich zu bezeichnen, was David sich begnügt, mit einigen ernsten, zurechtweisenden Worten zu erwiedern. Da Joab den Absalon, dem David zürnte, mit dem Vater zu versöhnen bemüht ist, so weiß er kein besseres Mittel, als eine kluge Frau aus Thekoa zu wählen, die dem David durch geschickten Vortrag eines ersonnenen Ereignis¬ *) Wiederum ein Beispiel von der unumschränkten Stellung der hebräischen Frauen. ses, das Versprechen einer Begnadigung entlockt, welche er denn, da sie ihm zu Herzen redet, nicht umhin kann, auch seinem Sohn zuzugeben. Bei der Empörung des Seba, den Joab in Adel beth Maacha belagert, ist es wiederum eine kluge Frau, die die Stadt rettet, und David von einem gefährlichen Feinde befreit. Sie bringt es zuerst durch geschickte Worte dahin, daß Joab, mit dem sie allein von der Mauer herab unterhandelt, Nichts als die Auslieferung des Empörers verlangt. Und dann weiß sie in der Volksversammlung es durchzusetzen, daß man dem Joab den Kopf des Empörers zusendet. In Sunem lebte eine angesehene Frau, die Mit Bewilligung ihres Mannes, dem Elisa eine kleine Wohnung hergerichtet halte, so daß er, wenn er durch die Stadt kam, in ihrem Hause einkehrte. Es ist dieselbe, deren Kind der Prophet, als es plötzlich erkrankt war, in's Leben zurückrief. Indem sie sich bei der Gelegenheit anschickt, den Propheten aufzusuchen, sagt sie ihrem Manne, wahrscheinlich, um ihn nicht zu betrüben, die Ursache ihrer kleinen Reise nicht, sondern sie spricht zu ihm nur: „Schicke mir einen der Knaben und eine Eselin, ich will zum göttlichen Manne hinreiten und sogleich wiederkchren. Der Mann, hierüber verwundert, spricht zwar: warum gehest du heute hin, da doch nicht Neumond oder Sabbath ist; sie aber antwortet Nichts als: Friede! d. i. wie wir vielleicht sagen würden: laß es nur gut sein. Der Mann sendet ihr das Gewünschte und sie eilt, ohne weitern Aufschluß zu geben, hinweg. Es läßt sich nicht leugnen, daß aus diesem scheinbar unbedeutenden Umstande, so wie aus den Einrichtungen, die aus eigenem Antriebe die Sunammitinn für den Propheten in ihrem Hause machen läßt, ein edles, freies, vertrauensvolles Verhältniß zwischen der Frau und ihrem Manne hervorleuchtet. Ferner ersehen wir aus der kurzen Erzählung beiläufig, daß diese Frau, vielleicht auch andere, an Neumonden und Sabbathen zu Propheten zu gehen pflegten, um Belehrungen über göttliche Dinge zu vernehmen, wobei man sich erinnert, wie das Gesetz selbst vorschrieb, daß bei den in gewissen Zeiträumen wiederkehrenden, öffentlichen Erklärungen der Bücher Mosis, auch die Frauen gegenwärtig sein sollten. Daß es nichts Ungewöhnliches war, Frauen selbst im Heiligthume erscheinen und beten zu sehen, kann man auch wohl aus der Erzählung von Hanna, Samuels Mutter, entnehmen. Deuten nun diese geistigen Bedürfnisse schon auf eine Stufe höherer Bildung hin, so muß man überhaupt gestehen, daß das Auftreten der Sunammitinn und der Abigail — der Miriam und Deborah nicht einmal zu gedenken — überhaupt das sich frei bewegender, tüchtiger und gebildeter Frauen ist, was in einer Sklaverei des Harems nicht zu erwarten wäre, wie denn offenbar beide genannte Frauen die einzigen ihrer doch vornehmen und reichen Männer sind. Zu den Zeiten des Königs Josia haben wir wiederum die Erscheinung einer Prophetinn. Es ist Hulda, zu welcher der Hohepriester sammt den ersten Beamten sich hinverfügen, um, auf Befehl des Königs, Gott wegen des aufge-