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Israelitische Annalen · 1841-08-20 · Heft 34 (20.8.1841) · p. Seite 267

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1841
Issue
Heft 34 (20.8.1841)
Date
1841-08-20
Page
Seite 267 (sequence 3)
Language
German
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267 naher gerückt, jenes mehr wissenschaftliches, diese mehr wahrhaft religiöses Element in sich ausgenommen, hie und da sogar Rabbiner und Schullehrer ihre Rollen gewissermaßen vertauscht zu haben scheinen; aber dessenungeachtet ist im Ganzen ihr gegenseitiges Verhaltniß noch immer nichts weniger als ein freundliches geworden, finden sich noch immer nicht wenig Rabbiner, die der Schule und den Arbeitern an derselben die gebührende Achtung und Anerkennung vorenthalten, so wie Lehrer, die von einem Beaufsichligungsrechte des jüdischen Geistlichen nichts wissen wollen, und entwickeln sich, wo dieses Recht geübt wird, nicht selten Reibungen und gegenseitige Anklagen, wie sie bei keiner andern Confession Vorkommen. Muß dies aber nicht von höchst nachtheiligen Folgen für die Bildung der Jugend und das religiöse Leben der Gemeinden sein? Muß dies nicht selbst nach außen unserem Ansehen schaden, unsere Bestrebungen in ein falsches Licht setzen, und häufig Einschreitungcn veranlassen bei Fragen, deren Entscheidung der innern Entwickelung überlassen bleiben sollte? Welcher wohlgesinnte Israelit muß daher nicht wünschen, daß die Spaltung zwischen Kirche und Schule bald ein Ende nehme, daß wenigstens die Vertreter derselben, mögen immerhin die auf der ersten Seite das conservative, die auf der letzten das forschreitende Prinzip repräsentiren, doch einander nicht anfeinden, nicht verachten, nicht herabsetzen? Dazu dürfte, unseres Erachtens, ein einfaches Mittel wesentlich beitragen: Die Rabbiner sollen durchaus an der Schule Mitarbeiten, wenigstens den eigentlichen, systematischen Religionsunterricht selbst ertheilen. Thun dies ja in den meisten Gegenden selbst höhergestellte christliche Geistliche; warum sollte es also den Rabbinern erlassen werden, die doch keinen andern Beruf haben, als den zu lehren? warum sollte die israelitische Schule, wo der Religionsunterricht wie in keiner andern vorherrschend und schwierig ist, dieser Hülfe entbehren? Eine vollständige Erledigung dieser Angelegenheit ist allerdings nur von der Gesetzgebung zu erwarten; indeß ist nicht abzusehen, warum nicht überall eine leise Anregung bei der Regierung hinreichen sollte, die Erlassung eines solchen Gesetzes zu bewirken. Allein auch wo es bestehet (z. B. in Böhmen) wird mit Nichten überall von den Gemeinden auf die Vollziehung desselben gehalten, und könnten diese, wo es nicht bestehet, eben so gut ihre Rabbiner bei der Aufnahme dazu verpflichten. Ein eifriger Seelenhirt sollte aber freiwillig sich einstellen und diesem segenreichsten Theile seines Wirkungskreises seine Pflege nicht entziehen. Dann erst werden Rabbiner und Lehrer einander zutraulich und freundschaftlich die Hand bieten können, jener wird, der Jugend mehr befreundet, mit dem geistigen Leben und den Bedürfnissen derselben besser vertraut, seine Forderungen und Ansprüche an den Lehrer zu bemessen wissen, und dieser, in jenem nicht einen müßigen und anmaßenden Aufseher, sondern einen gelehrten Mitarbeiter erblickend, sich ihm, ohne der eigenen Würde etwas zu vergeben, gern unterordnen. Die Schule wird an Achtung und Zutrauen gewinnen, aber nicht minder das Rabbinat an wahrem Ansehen und Einfluß. Wie ganz anders muß z. B. der Akt der Confirmation sich gestalten, wie viel ergreifender und nachhaltiger wirken, wenn der dabei funktiomrende Geistliche die Confirmanden nicht blos einige Stunden vorbereitet, sondern selbst das Bewußtsein Hähern geistigen Lebens ihnen erschlossen, den himmlischen Funken der Gottesfurcht und Gottesliebe in ihrem Innern angefacht, mit ihrer Bestimmung und ihren Pflichten sie bekannt gemacht hat, wenn er als Lehrer und Freund, der ihnen den Weg des Heils gezeigt, als ein liebevoller und besorgter Vater das Wort an sie richten kann!*) Die besprochene re8p. gewünschte Einrichtung *) So wie die Rabbinen noch heutiges Tages der Mehrheit nach beschaffen sind, welche sogar auf die Tüchtigern und Gebildetern einen unverkennbaren Einfluß übt, so daß sie es nicht wagen gleich den freier und unabhängiger dastehenden Lehrern klar und sicher die Wabrheit auszusprechen, vielmehr in einem zweideutigen Helldunkel sich bewegen, kann ihnen nicht überall, besonders in großen Städten, wo Männer von Wissenschaft an den Schulen arbeiten, ein so entschiedener Wirkungskreis überwiesen werden, wofern man nicht arge Rückschritte und neue Begriffsverwirrungen anrichten will. Die oben berührten Leistungen sind von theologisch gebildeten Lehrern, wie das durch vieljährige Erfahrung sich bewährt hat, vollständig zu erzielen. Der Name des Amtes thut es nicht, sondern die Begeisterung für die Wahrheit verbunden mit gehöriger Sachkenntniß und anerkannter Lehrfähigkeit, die oft den besten Rabbinen abgeht. D. H. 34*

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