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Israelitische Annalen · 1841-08-20 · Heft 34 (20.8.1841) · p. Seite 266

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1841
Issue
Heft 34 (20.8.1841)
Date
1841-08-20
Page
Seite 266 (sequence 2)
Language
German
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266 beide waren ursprünglich Eins. Die Synagoge verdankt ihre Entstehung zur Zeit des zweiten Tempels dem Bedürfnisse der öffentlichen Belehrung, und aus dem Vorlesen der Thora har sich unser Gottesdienst entwikkelt; sie wurde aber auch nicht minder zum Unterricht der Jugend benutzt. Die Rabbinen sind und waren in keiner Beziehung Priester, wohl aber Lehrer in den verschiedensten Beziehungen. Die Schule wiederum hatte einzig und allein (und har noch immer als israelitische vorzugsweise) das confessionelle Bedürfniß, die religiöse Bildung im Auge, und Religion im weitern Sinne war der ausschließliche Lehrgegenstand. Norhwendig sollten daher beide von dem gleichen Geiste durchdrungen sein, nach dem gleichen Ziele streben, in ihrer Entwickelung gleichen Schritt' halten. Spaltung zwischen ihnen muß beiden gleich verderblich sein, einen Riß im Leben des Judenthums erzeugen. Und — dennoch bestehet diese Spaltung, mußte sie erfolgen, war der Fortschritt unserer Zeit, die Regeneration Israels dadurch bedingt. Vom Rabbinate, als dem zusammcnhaltenden Schlußstein des durch das Unglück der Zeiten entstellten Judenthums, von den, durch die Autorität des Herkommens gefesselten, und, ihrer Meinung nach, ste aufrecht zu erhalten berufenen, Rabbinen war kein Heil für die Zukunft, keine Erzeugung freier, geistiger Lebenstha'tigkeit zu erwarten. Es mußte ein neues Institut sich hervorth'un, das dem Lichte Bahn brechen, die Erstarrung lösen, die schlummernden Kräfte wecken, die Verbindung mit der Außenwelt und dem Leben wieder Herstellen sollte. Das war die Schule (wir fassen unter diese Benennung auch den Anfangs häufigern Privatunterricht), in wie fern sie die Bildung des jungen Menschen für die Welt, die Ertüchtigung zu den Zwecken der bürgerlichen Gesellschaft sich zur Aufgabe setzte. Diese Anstalt war eine von der Zeit geforderte Lebensbedingung, in manchen Staaten sogar von der Regierung (zuerst in Oesterreich von Kaiser Joseph II. glorr. And.) angeordnet, und die eifrigsten Zionswächter konnten ihr Aufblühen nicht Hintertreiben. Jndeß sahen sie mit mißtrauisch-besorgtem Blicke auf diese Neuerung, und nahmen der Schule, oder doch (wo ste diese nicht antasten durften,) den neuen Lehrern gegenüber eine feindselige Stellung, wohl ahnend, welche Gefahr ihnen und ihrem Systeme von daher drohe. Dadurch aber verwickelten sie sich in größere Jnconsequenzen, gaben, indem ste sich noch zu verschanzen suchten, neue Blößen, und wurden so mit der Zeitrichtung noch mehr entfremdet, ihres Einflusses noch mehr verlustig. Auf der andern Seite konnte es nicht fehlen, daß die neuen Jugendlehrer, meistens Halbgebildete mit oberflächlichen da und dort zusammengerafftcn Kenntnissen, die verschiedensten Wege einschlugen, und während einige mit ihrem bescheidenen Lämpchen die dunkeln Gänge des altchrwürdigen Gebäudes behutsam erleuchteten, andere es in Brand stecken zu müssen glaubten, damit das im Dunkeln wandelnde Volk großes Licht schaue. Ihrer negativen Aufklärung sich freuend, sparten sie es nicht, dieselbe, wo sie nur immer konnten, an den Mann zu bringen, und richteten zuerst in den Häusern reicher Idioten, wo sie als Autorität galten, ungemeine Zerstörungen an. Ihre Spötteleien und Witzeleien über den Thalmud und dessen Lehrer fielen, nach dem damaligen Stand der Dinge auf die ganze Religion zurück, ein hingeworfenes Wort, eine Expectoration wirkte weiter als sie dachten, und noch gefährlicher war ihr Beispiel, die leichtfertige Verwerfung sanctionirter Observanzen für Leute, die Erleichterung wünschten, und die Spreu vom Korn nicht zu sondern wußten. Es wurde den ohnehin Armen genommen, wenn gleich oft nur ein trostreicher Wahn, und nichts dafür gegeben, eingerissen, wenn gleich eben keine feste Felsenburg, und nicht dafür erbaut. Am rücksichtslosesten trieben sie ihr Werk, wo sie an der Staatsgewalt einen Rückhalt zu haben vermeinten, und in der That ist cs nicht zum Verwundern, wenn von mancher Seite Mißtrauen gehegt wurde gegen Lehrer, die keiner jüdischen Aufsicht unterworfen waren, und die Nichts verschmähetcn, um den Bezirksdechanr oder eine andere christliche Schulbehörde sich geneigt zu machen. *) Diese Schilderung bezeichnet zwar nur die Periode des ersten Ueberganges, wo die junge Aufklärung so zu sagen revolutionär auftreten mußte, während in unsern Tagen Alles mehr in's natürliche Gleis gekommen, Rabbinat und Schule einander *) Wir erinnern nur, um nicht der Oeffentlichkeit unwürdige Beispiele, die uns in Menge vorschweben, heranzubringen, an Herrmann Straus „Israelitenthum in seiner Würde und Bürde." Als schriftliches Denkmal stehet es allerdings einzig da, nicht so selten aber waren mündliche Insinuationen ähnlicher Art bei den Obern.

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