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Israelitische Annalen · 1841-08-13 · Heft 33 (13.8.1841) · p. Seite 262

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1841
Issue
Heft 33 (13.8.1841)
Date
1841-08-13
Page
Seite 262 (sequence 6)
Language
German
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262 schichte auftreten, die Frauen der Patriarchen, sind gewiß n nicht die heutigen orientalischen Sklavinnen des Harems. Sarah ist Herrin in ihrem Hause und wird von Abraham mit aller Achtung und Aufmerksamkeit behandelt. Nachdem sie selbst die Hagar ihrem Manne, damaliger Sitte gemäß, zum Kebsweibe gegeben, dann aber sich von ihr geringschätzig behandelt glaubt, spricht sie zu Abraham: „Du bist Schuld an meinem Aerger; ich habe meine Magd dir zugeführt, und da sie sich nun schwanger sieht, so bin ich gering in ihren Augen; möge der Ewige richten zwischen mir und dir." Auf diese leidenschaftliche und offenbar ungerechte Anrede begnügt Abraham sich, sanft zu erwiedern: „Sieh' deine Magd ist in deiner Gewalt, verfahre mit ihr, wie cs dir! gut scheint." An einer andern Stelle sagt Gott selbst zu! Abraham, in Bezug auf Hagar: „Zn Allem, was dir Sarah j sagt, gehorche ihrer Stimme." Der Hebräer dachte sich also s Las Weib nicht als wie im heutigen Orient, willenlos dem j Gebote des Mannes erzitternd. Dies spricht sich auch in j der Art und Weise aus, in der Abraham dem Abimelcch j eine mit Sarah getroffene Verabredung erzählt: „Da mich z Gott von meines Vaters Hause hinweg gehen hieß, sprach! ich zu ihr: Dies ist deine Liebe, die du mir erweisen sollst: an jedem Orte, nach dem wir kommen, sage von mir: er ist mein Bruder." 20, 13. Isaak findet in der Liebe zu Rebekka den Trost für den Verlust der Mutter. 24, 67. I Jakobs zärtliche Liebe für Rahel, die auch auf deren zwei! Söhne überging, ist bekannt. Um so bemerkenswerlher ist cs, daß die ihm wider Willen aufgebrungene häßliche Leah gleichfalls von seiner Seite durchaus keine Vernachlässigung erfährt. Da Zakob den Entschluß faßt, aus Labans Hause forrzugehen, unterläßt er es auch nicht, seine beiden Frauen rufen zu lassen, ihnen seine Gründe weitläufig auscinandcrzusetzcn und sein Vorhaben mit ihnen in Ueberlegung zu ziehen. 31, 4 ff. Bei der Befreiung der Israeliten aus Aegypten — von der übrigens die Rabbiner unverhohlen sagen, daß namentlich die Frauen diese Gnade Gottes verdient hätten —sehen wir Miriam, die Schwester Mosis, als Prophetinn bezeichnet und an der Spitze der Frauen, welche die Begeisterung der Männer theilten, in die Dänkhymne dieser letztern einstimmen, so daß sie zu einem Wechselgesange zwischen Männer - und Frauenchören warb, 2. Mose 15, 20. Konnte doch Miriam sogar in einer augenblicklichen Verirrung sich herausnehmen, mit Aharon zu sprechen: „Redet der Ewige etwa nur mit Moses? redet er nicht auch mit uns?" 4. Mos. 12,2. Zwar wird sie dafür bestraft, aber baß Gott öicie Strafe als eine väterliche Beschämung bezeichnet (V. 14), daß in dem göttlichen Verweise zwischen Miriam und dem Hohenpriester Aharon in Bezug auf prophetische Eingebungen kein Unterschied gemacht (V. 6) und ihnen beiden nur Mosis höhere Erleuchtung in's Auge gerückt wird; daß ferner das ganze Lager nicht aufbricht, bis Miriam vollkommen hergestellt ist und daß dies ausdrücklich angemerkt wird (V. 15), dies zeigt wohl genugsam, daß man bei Israeliten von Frauen nicht verächtlich dachte. Sprechend ist gleichfalls das kräftige Benehmen der Töchter Zelaphchads, die im edlen Gefühle ihres Rechts vor Moses und die ganze Fürsten- und Volksversammlung treten, und da ihr Vater ohne männliche Erben gestorben, für sich selbst, zur Erhaltung seines Namens, einen Länder-Antheil unter dessen Brüdern in Anspruch nehmen. Gott selbst entscheidet: „Die Töchter Zelaphchads haben recht gesprochen," und sie erhalten nicht nur für sich den angesprochenen Antheil am Grundbesitz, sondern haben zugleich die Aufnahme einer allgemeinen Bestimmung in das israelitische Erbrecht veranlaßt, zu Folge deren, wenn keine männliche Erben sind, die Töchter in Besitz des Grundeigenthums eintreten, 4. Mos. 27, 1 ff. (Vergl. 36, 1 ff.) Als eine der hervorragendsten Erscheinungen seiner Zeit führt uns das Buch der Richter wiederum eine Frau auf, Deborah, eine Prophetinn, Richterinn und Heldinn. Wie groß muß die Weisheit und Gerechtigkeit dieser Frau gewesen sein, wenn sie vor allen Männern der damaligen Zeit die Augen des Volkes auf sich zog, und allmählich durch dessen freie Gewohnheit und Wahl zur höchsten Würde und Macht im Lande cmporstieg. Aber wie sehr zeigt sich auch hierbei die vollkommene Vorurtheilslosigkeit der Hebräer in Bezug auf bas werbliche Geschlecht. Nachdem Deborah eine Zeitlang Recht im Lande gesprochen, erhob sie sich, um seine Befrcierinn von dem Drucke mächtiger und grausamer Feinde zu werden. Sie läßt den Barak zu sich rufen, unl befiehlt ihm, kraft seiner priesterlichen Würbe, 4. 16, am Tabor ein Lager von zehntausend Mann zu sammeln. Bara! nimmt den Auftrag nur unter der Bedingung an, daß De borah mit ihm ziehe, und die kraftvolle Frau, weit enlfernt, sich dessen als eines schmeichelhaften Umstandes zrfreuen, sagt ihm unverholen: „Nun wohl, so will ich mit dir gehen, jedoch soll bas Verdienst, dein Unternehmen glänzend zu vollenden, nicht dir selbst zu Theil werden, sondern einem Weibe (—der Iael 4, 17 ff. 5. 24) wird Gott den Sissera überliefern," 4, 9. Derselbe strenge Geist, verbunden mit' würdevollem Selbstgefühl und wahrhaft patriotischem Feuer, spricht sich in dem Siegesliede der Deborah aus, das die heiligen Schriften mit ihrem Namen verewigt haben. Es ist gewiß viel, daß eine Frau sich die Mutter Israels nennen konnte, während sie mit beißendem Spott ganze Stämme zu geißeln wagt, die minder bereit waren, an dem Befreiungskämpfe Theil zu nehmen. Die Hymne selbst, die älteste wohl, die den Namen einer weiblichen Verfasserinn trägt, wegen ihrer Erhabenheit und Schönheit berühmt, ist für die Charakteristik der Stellung und des Geistes der hebräischen Frauen ein zu wichtiges Dokument, s als daß sie nicht wenigstens zum Theil hieher gehörte: Da fremde Herren herrschten in Israel, Da willig sich bot das Volk. *) Preiset den Ewigen! Höret Könige, vernehmet Fürsten! Ich will dem Ewigen, ich will ihm singen Ein Lied darbringen dem Ewigen, Dem Gotte Israels! *) Offenbar sind diese Zeilen nur Ueberschrift, die, wie in so vielen Psalmen Zeit und Veranlassung bezeichnet.

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