Mannheim
Compact Memory

Israelitische Annalen · 1841-08-13 · Heft 33 (13.8.1841) · p. Seite 261

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitische Annalen
Volume
1841
Issue
Heft 33 (13.8.1841)
Date
1841-08-13
Page
Seite 261 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3133765-3133874-3133908--1267-3135497
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

261 Männin, M Gesellschafterin», Gehülfinn des Mannes,,als wahre „Frau" im etymologischen Sinne des Wortes (=ftreiinn) in den Haushalt des Menschengeschlechts ein. Während auch selbst, bei den Griechen, den gebildetsten der alten Volker, „der Frauenzustand beklagenswerth" ihr „Glück enggebunden"*) war, die Sphäre, in die sie gebannt blieben (und aus welcher sie sich nur auf Kosten ihrer reinen Weiblichkeit, gleich den Aspasien, Leontien, emancipiren konnten) sie geistig und im häuslichen Verhältniß wenig mehr als Sklavinnen sein ließ — wie erfreulich ist es da, die zerstreueten Data in einen Ueberblick zusammen zu fassen, welche die würdigere Stellung der hebräischen Frauen bezeichnen. Nur die Spartaner machten in dieser Beziehung unter den griechischen Völkerschaften eine rühmliche Ausnahme, und man kann hiebei kaum umhin, > sich jener aus alten Zeiten uns erhaltenen Nachricht zu erinnern : * ** * * §§)) daß die Hebräer und Spartaner ftammesverwandt wären, eine Nachricht, in der vielleicht nur so viel historische Wahrheit liegt, daß die Spartaner, mehr als andere Griechen, sich ihrer orientalischen Abkunft bewußt blieben, welche Ansicht auch in dem Umstände einen Rückhalt findet, daß Kadmus, der Orientale (worauf wir schon an einem andern Orte hingewiesen) tz) bei ihnen wie nicht einmal zu Theben — einen Tempel hatte und daß ihr Name auffallend an des Kadmus „gesäete Männer" (Sparten) erinnert. Dann war aber auch ihr Verdienst, gegen die Frauen gerecht geblieben zu sein, ein Erbtheil edlerer orientalischer Sitte, die im Orient, erst im Verlaufe der Zeiten, wie so viele Wahrheiten und Tugenden, meist verloren ging. Denn die Hebräer selbst nehmen jenes Verdienst auch nicht für sich allein in Anspruch, sondern sie geben diese Ehre der ältesten, > ihrem göttlichen Ursprung nähern, Auffassung der menschlij chen Verhältnisse. i Die biblische Geschichte der Schöpfung und der frühei sten Institutionen des Menschengeschlechts ruft bei der Erzäh-! lung von der Vereinigung des ersten Menschenpaares aus: „Der Mann wird Vater und Mutter verlassen und an seinem Weibe hangen und sie werden nur ein Leib sein. §§) Offenbar deutet diese Stelle auf ein inniges gleichgestelltes, und nicht auf ein-sklavisch untergeordnetes Verhältnis' hin. Das Weib ist hier die Repräsentantinn der Häuslichkeit, die Bewahrerinn einer heimisch-unwandelbaren Zufluchtsstätte, die der aufwachsende Iüngling früher in dem Hause der Eltern fand, und die ihm nun in der eignen Hütte noch lockender geboten wird, daß er jenes verläßt und in diese einzieht und inniger „an seinem Weibe hanget," wobei zugleich Mono¬ *) Göthe's Iphigenie. **) Josephus, Aut. XIII, 5. 1. Makk. 12. §) Forschungen im Gebiete der hebräisch-ägyptischen Archäologie, I. S. 15. §§) Vergl. die Anrede des persischen Priesters an den Vater der Braut: „Du giebst sie für die Erde und für den Himmel, zu sein ein Leib und eine Seele. Du giebst sie als Schülerin» des Gesetzes, zur wohlgeordneten Gehülfinn (vergl. yiaß -lty) dem Manne." Iescht Zade XXXI. gamie als das Ursprüngliche und Natürliche vorausgesetzt zu sein scheint. Diese edlere Grundansicht von dem ehelichen Verhältnisse findet durch die ganze Bibel ihren Wiederhall. Das Auffinden einer passenden Gefährtin» des Lebens wird überall als ein hohes Lcbensbedürfniß des Mannes bezeichnet; als ein Glück, als eine wahre Gnade Gottes gepriesen. „Wer ein Weib gefunden, hat ein wahrhaft Gut gefunden und macht sich theilhaft der Gnade Gottes," Spr. 18,13. „Ein biederes Weib ist die Krone ihres Mannes," Spr. 12, 4. „Haus und Gut kann man von Vätern erben, aber Gott giebt ein verständiges Weib." Spr. 19,14. Und wie könnte das Bild der fleißigen, frommen, von Allen geehrten Hausfrau schöner gezeichnet werden, als dies im Listen Kapitel der Spr. S. geschieht: „Wer ein biederes Weib gefunden, deren Werth gehet weit über den Perlen. Es vertraut ihr das Herz ihres Mannes; sie thut ihm Gutes und kein Leid durch alle Tage ihres Lebens." Nachdem nun ihr fleißiges, ordnungsvolles und Nutzen bringendes Walten im Hause geschildert worden, heißt es weiter: „Ihre Hand öffnet sie dem Armen und ihre Habe reicht sie dem Dürftigen entgegen. Gekannt ist in den Thoren ihr Mann, da er sitzet mit den Aeltesten des Landes, Kraft und Würbe umwaltet sie und sie sieht freudig dem kommenden Tag entgegen. Ihren Mund öffnet sie mit Weisheit und das Gesetz der Liebe herrscht in ihren Reden. Sie hat wobt Acht auf den Wandel ihres Hauses und isset nicht das Brod der Trägheit. Ihre Söhne stehen da, sie hochzupreisen; ihr Mann, um sie zu loben. Viele Töchter bewähreten sich als trefflich, aber du erhebest dich über sie alle. Trügerisch ist äußere Anmuth und flüchtig ist die Schönheit, doch ein Weib mit Gottesfurcht, die mag man rühmen. Lasset sie genießen, was sie sich wohl erworben und rühmen mögen sie in den Thoren ihre Werke." Die Hausfrau also, die eine Hausfrau — denn an eine solche ist hier überall offenbar nur gedacht, (vergl. auch Ps. 128) — giebt dem Hause seinen Glanz, daß auch der Mann selbst an den Thoren geachteter erscheint (V. 23), und begründet das wahre Glück der Ihrigen. Fassen wir nun die wichtiger» Data über faetische Verhältnisse von Frauen in der chronologischen Folge, wie sie sie sich uns in der Schrift darbieten, in's Auge, so ist es zunächst bemerkenswerth, daß wie die erste Versündigung von dem Weibe ausgehend dessen Gewalt über des Mannes Herz bekundet, so auch das erste Gedicht, das aus den Iahrtausenden der Vergangenheit uns erhalten ward, an zwei Frauen, Adah und Zillah, gerichtet ist, 1. Mos. 4, 23. Was auch immer sein dunkler Inhalt sagen wolle, so ist die Erhaltung desselben, gleichwie die Nennung der Frauen und die Unterscheidung, welche von ihnen den und welche den andern Sohn geboren habe, in dem sonst so gedrängten biblischen Berichte eine nicht ganz zu übersehende Thatsache, aus welcher hervorgeht, daß man die Frauen nicht gleichgültig als Sache betrachtet, sondern sie persönlich gewürdigt hat. Die ersten israelitischen Frauen, die in der Volksge-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.