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Israelitische Annalen · 1841-08-06 · Heft 32 (6.8.1841) · p. Seite 254

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1841
Issue
Heft 32 (6.8.1841)
Date
1841-08-06
Page
Seite 254 (sequence 6)
Language
German
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254 linge zu entziehen, und dem Rabbinate künftighin tüchtige § Männer zu verschaffen, besonders wenn die Prüfung selbst noch vervollständigt wird. Berlin. — Hier hat sich unter den jüdischen Studirenden ein Unterstützungs-Verein, unter der Benennung Adolph-Stift gebildet. Aus demselben werden alle unbemittelten und über ihre Fähigkeit sich genügend ausweisenden Studircnden jüdischer Religion unterstützt, unter Bedingung dereinstiger Rückzahlung. Die Statuten (welche gedruckt sind) enthalten sehr einfache Bestimmungen, die Beiträge sind sehr gering. Es ist zu wünschen, daß dieser Verein recht viele Mitglieder finde, damit die Unterstützungen vermehrt und erhöht werden können. Bernburg, im Juli. — Wenn es der Zweck der Israelitischen Annalen ist, ein Bild des israelitischen! Lebens der Gegenwart zu geben, so dürften sie um so mehr j auch über die israel. Zustände im Herzogthume Anhall- Bernburg berichten wollen, da diese, schon von Dr. Geiger in der Zeitschrift f. j. T. als mustergebend für andere Gemeinden und Regierungen bezeichnet, in der That im Vergleich mit dem anderwärts sich erst kampfvoll Gestaltenden sehr deachtenswerth sind. Vielleicht wären Sie Ihnen für diese Blätter schon früher mitgetheilt worden, wenn sie nicht bereits so fest geordnet wären, daß sie Niemand hier . mehr als etwas Neues und Mittheilenswerthes betrachtet. Jndeß sind alle diese bedeutsamen Gestaltungen unserer Verhältnisse erst seit einem Jahrzehnt, nämlich seit dem Hiersein unsres Herrn Landesradbiners Dr. Herrheimer, in's Leben getreten. Wie eifrig und besonnen derselbe nach allen Richtungen hin Gutes wirkt, dürfte schon die Thatsache beurkunden, daß, als er vor einigen Jahren einen Ruf in's Ausland erhielt, die'Staatsbehörde seine ohnehin schon zur Hälfte aus der Staatskasse fließende Besoldung durch eine namhafte Zulage erhöhete, und die Juden, selbst seine anfänglichen Gegner an der Spitze, eine freiwillige Subscription zur Erhöhung seines Gehalts veranstalteten, um also sein ferneres Hierbleiden zu veranlassen. Von großem Einfluß sehen wir aber auch die Wirksamkeit des hiesigen Rabdinats auf das nahe Ausland, indem in der ganzen Umgebung weit und breit, mit Ausnahme von Dresden, kein Rabbiner ist, und deswegen sowohl die Privaten des Auslandes mit casuistischen Fragen sich hiehcr wenden, als auch häufig die Gemeinden und Regierungen in Verbesserungs- und Resormangelegenhciten das Gutachten unsers Herrn Landesradbiners einholen, und überhaupt die hiesigen Einrichtungen und Bestrebungen denselben zum Maßftabe und Impulse dienen. Von diesen nenne ich zuerst das Schulwesen, wie dies auch das Erste war, was der Herr Landesrabbiner ordnete. Vor seiner Hierherkunft lag dasselbe in den Händen der Unwissenheit und Willkühr der Lehrer und Privaten. Hierselbst errichtete er daher unter höchster Genehmigung des Lectionsplans und der Schulordnung eine Schule, worin circa 60 Knaben und Mädchen in 3 Classen von 3 Lehrern, nämlich von dem Landesrabbiner selbst, als dem ersten Lehrer in der Religion, der isr. Geschichte und dem höhern Hebräischen, von den beiden übrigen Lehrern im Schreiben, Rechnen, Gesang, in der Geschichte, Geographie, hebräischen, deutschen und französischen Sprache unterrichtet werden. Kein Kind, vom zurückgelegten 6ten Lebensjahre bis zur Confirmation, die nach dem I4ten Jahre statt findet, kann vom Besuche dieser Schule befreit werden. Nur nach dem Illten Lebensjahre dürfen die schulpflichtigen Kinder in außerhedräischen und außerreligiösen Gegenständen die christlichen Schulen besuchen, und auch dann müssen sie das volle Schulgeld an die israelitische Schule entrichten. Eben so müssen die vollen Beträge an Schulgeld von denjenigen Kindern an die jüdische Schule bezahlt werden, welche etwa von Hauslehrern Unterricht erhalten, welche Privatschulen übrigens ganz unter der Genehmigung und Controle des Landesradbiners stehen. Der jährlichen öffentlichen Prüfung der jüdischen Schule wohnen jedesmal die Mitglieder des herzogüchen Constistoriums bei. DerLandesrabbiner steht zugleich der Schule als Direktor vor, und prüft auch die an derselben anzustellenden Lehrer gemeinschaftlich mit herzoglichem Consistorio, das auch die Justructionen, welche die Lehrer vom Landesrabbiner erhalten, approbirt. Der Landesrabbiner hat sich und den übrigen Lehrern der Schule die Pflicht aufgelegt, diejenigen Schüler, welche sich dem Schullehrerfache widmen wollen, noch besonder» dazu befähigenden Unterricht zu ertheilen, und sahen wir durch diese Art von Schullehrer-Seminar bereits einige Jünglinge so hinlänglich für jenes Fach gebildet, daß sie selbst als Ausländer im Preußischen Gemeindelehrersteüen zu bekleiden vom preußischen Ministerium die Erlaubnis erhalten haben. — Der steigenden Anerkennung der Leistungen dieser Schule und dem durch die doppelten Kosten erschwerten Besuch von Privat - und christlichen Schulen, ferner der Einrichtung, daß etwaiger Ausfall im Fond durch Zuschuß aus der Gemeindekasse gedeckt werben muß, so wie dem Umstande, daß vorsorglich die ganze Einrichtung höchsten Orts genehmigt ist, hat es die Schule gewiß zu verdanken, daß sie trotz ihres Mangels an irgend einem Vermächtnisse oder etwaiger Beihülfe, außer der freien Heizung, dre der durchlauchtigste Herzog jährlich der Schule bewilligt hat, sich dennoch seit einem Decennium erhalten, während in so vielen und weit bedeutendern Gemeinden solche vollständige Schulen, wenn ihnen nicht besondere Legate zu gute kamen, an dem Mangel an Fond, oder am gewöhnlichen jüdischen Vorurtheil für christliche Schulen scheiterten. Gegen dieses Vorurtheil kämpfte auch unser Landesrabbiner in dem Schulprogramme von 1832: „Ueber die Nothwendigkeit und die Erfordernisse der wirksamen Volksschule, besonders der israelitischen." Leipzig bei Nauk. Die Früchte der hiesigen israelitischen Schule zeigen sich schon darin, daß durch die in derselben vorbereiteten Confirmationen und regelmäßigen Chorgesänge unser Gottesdienst sehr gewonnen, daß überhaupt die Eltern allmälich mit den gediegener« Bestrebungen der Neuzeit sich befreun-

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