Mannheim
Compact Memory

Israelitische Annalen · 1841-07-30 · Heft 31 (30.7.1841) · p. Seite 246

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitische Annalen
Volume
1841
Issue
Heft 31 (30.7.1841)
Date
1841-07-30
Page
Seite 246 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3133765-3133874-3133906--1250-3135478
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

246 wohin man nach etwaiger Abwesenheit zurückkehrt, wie im Deutschen die Ultramontaner, die Jenseitigen, nicht aber angewendet werden zur Bezeichnung der ursprünglichen Herkunft aus einem Orre, den die Väter längst auf immer verlassen haben. Wer hätte in den Worten Josephs in Aegypten: „Ich bin aus dem Lande der Hebräer" (6u. 40,15), in der angeblichen Bedeutung „der Jenseitigen" verstehen sollen, daß er aus Ke na an sei, das diesseit des Euphrat gelegen? vr. Herr heim er. Nachrichten und Correfpondenzen. Odessa, 28. Juni. — Am I0ten dieses hatten wir eine höchst imposante Feierlichkeit, welche gewiß auch einen bleibenden Eindruck gemacht hat, indem mit ihr ein Fortschritt gethan ist, der weiter führt. — Bekanntlich kamen seit mehr denn 20 Jahren Kaufleute aus Brody hieher, und siedelten sich immer mehre Hieselbst an, da der Commerz in dieser Gegend erfreulich blüht. Diese Kaufleute bringen einen Grad von Bildung mit, den man bisher hier nicht gesehen hatte. Ihrer Liebe zu Kenntnissen und Geistesentwickelung verdankt man die Errichtung einer Schule, wozu ihnen die hohen Behörden wohlwollend jeden möglichen Vorschub leisteten. Jetzt haben sie auch eine gemeinsame Berathung gehalten, um den Gottesdienst zu ordnen. Sie beschlossen, eine neue Synagoge für die Brodyer Gemeinde zu bauen, und errichteten wohldurchdachte Statuten, um dies neue Heiligthum vor den mannichfachen Profanationen zu schützen, über welche man in andern Synagogen mit Recht Klage führt. Auch dies Werk ist nun vollendet. Die Einweihung dieses herrlichen Gebäudes fand am lOten bei'm Abendgoltesdienste statt. Als Vorsänger fungirt Herr Nissan Blumenthal, ein Mann von guter musikalischer Bildung aus Jassy, welcher von einem schönen Knabenchor, den Herr Simon Sänger einübt, unterstützt wird. Der ganze Chor zog an jenem Abend, nachdem der Dorhof sich mit Besuchern gefüllt hatte, als die Pforten des Tempels sich aufthaten, in das Innere ein, indem sie feierlich die Eintrittsverse: Ma tobu &c. sangen, und sich auf den Emporplatz begaben. Still und in andächtiger Ruhe nahm dann das Volk seine Plätze ein. Hierauf ward gesungen Ps. XXIV. 1 — 5. (Des Ewigen ist die Erde und was sie füllet, die Welt und ihre Bewohner re.) Da erschien der Zug mit den Gesetzrvllen an der Pforte. Jetzt stimmte der Chor den 6ten Vers an (Erhebet Pforten euer Haupt rc.) und sang bis zu Ende, worauf der Zug einlrat und die Träger der Gesetzrollen sich um den Emporplatz stellten. Hierauf sang man einen eigends gedichteten neuen Psalm. (Wir werden diesen im Zion mittheilen). Dann wurden unter Absingung des Ps. XXIX. die Rollen in die Lade gestellt. Hiermit war die sehr einfache, aber wohldurchdachte Feier geschlossen und der Abendgottesdienst begann. Das Ganze machte einen wahrhaft erbauenden Eindruck, nicht bloß auf die Israeliten, sondern auch auf die zahlreich anwesenden Christen. Als der Herr Graf W o r o n z o ff von der Einweihung dieses schönen Tempels Kunde erhielt, ließ er mehrere achtbare Mitglieder der Gemeinde zu sich einladen, und fragte, ob sie nichts dagegen hätten, wenn er diesen Tempel besuche? Sie waren darüber höchst erfreut, und erbaten sich die Ehre seiner Gegenwart zum Sabbath den 26ten, zur Zeit, wenn für Sr. Majestät des Kaisers Wohl gebetet wird. Diese Feier fand gegen Abend Statt. Es erschienen der Herr Graf und seine Gemahlin und eine große Menge vornehmer Herren und Damen; erstere nahmen Platz im untern Tempelraum, letztere auf der Frauengallerie. Feierliche Gebete und Gesänge wurden abgehalten auf das Wohlergehen des Kaisers und Seines Hauses. Dies dauerte eine halbe Stunde. — Als der Graf wegging, trat er zum Vorsänger hin, und fragte ihn nach seinem Vaterlande und wo er seine Kenntnisse erworben habe? Er erklärte hierauf den Vorstehern des Tempels, daß er mit überaus großer Zufriedenheit diese neue Anstalt kennen gelernt und sich sehr erbaut habe; auch seine Gemahlin und die übrigen Damen äußerten sich sehr günstig. — Es leidet keinen Zweifel, daß wie die hiesige Schule die erste war, so man in Rußland gründete, und wirklich allen künftigen als Muster dienen kann, so auch unser Tempel allen andern durch Ordnung und Feierlichkeit vorleuchlen werde. Aus Baiern. — In Angelegenheit des vr. Loewi bleibt es bei dem ihm nicht günstigen Ministerial-Beschluß. Die Berufung des Fürther Cultus-Vorstandes in den Staatsrath ist ohne Erfolg geblieben, indem dieser sich in der Sache für incompetent erklärt hat. Dagegen wird wohl der Antrag auf Entlassung oder Quiescirung Loewi's schwerlich genehmigt werden. — In Oberfranken wird vr. Herrheimer's Religionsduch, das sich besonders auch durch seinen billigen Preis empfiehlt, immer mehr eingeführt. — Ein Auswanderer schreibt aus Ncw-Dork: Die wissenschaftliche Bildung unserer Glaubensbrüder in Amerika ist noch immer sehr zurück, die ganze Aufmerksamkeit wird auf das Geschäftslebcn gerichtet, und schon Kinder werden frühzeitig dem Handel gewidmet, so daß es noch starker Anfeuerung bedarf, um sie für eine bessere Bildung zu gewinnen. Der Jugendunterricht ist in den Händen der Vorsänger, die bekanntlich nur wenig leisten, und es fehlt au tüchtigen Männern. Inzwischen wird es doch hie und da schon etwas besser. Die deutsche Gemeinde in Philadelphia hat einen Rabbiner angestellt, welcher an Sabbathen und Festtagen predigt. Ob man auch hier eine ähnliche Einrichtung treffen werde, steht noch dahin, obwohl bereits sich viele Stimmen erheben, um solches in's Werk zu richten. — Ilebrigens ist die bürgerliche Freiheit Hierlandes im höchsten Grade wohlthuend und die Auswanderer sehnen sich gewiß nicht zurück. Nordheimer ist sogar als Lehrer am christlichen theologischen Seminar angestellt; gewiß ein Fall, der im Augenblick noch einzig dasteht. Bai reu th. — Das Princip, welches der Herr Rabbiner Fürst rücksichtlich der Reinigung unserer Gebete von Ausdrücken feindseligen Inhalts aufstellte, wurde hierorts

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.