Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1841
- Issue
- Heft 30 (23.7.1841)
- Date
- 1841-07-23
- Page
- Seite 239 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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239 Nachrichten und Correspondenzen. Literatur. London. — Aufruf des Herrn I. L. Goldsmid an die Wähler. (Da mehrere unserer Leser diesen Aufsatz gern in den Annalen zu haben wünschen, so geben wir ihn hier nachträglich in getreuer Uebersetzung.) An die jüdischen Wähler der City von London. Nachdem ich seit mehr denn eilf Jahren stets vorangetreten bin, um bci'm Parliament eine Maßregel, betreffend die gänzliche Befreiung der Juden, zu fördern, welche denn auch im Hause der Gemeinen mit großer Majorität durchgegangen ist, so hege ich das Vertrauen, das; ich entschuldigt bin, wenn ich jetzt Ihre Aufmerksamkeit auf einen wichtigen Dienst hinlenke, den Sie jetzt der Sache der bürgerlichen und religiösen Freiheit leisten können, wenn Sie dem cdeln Lord, welcher jetzt Sie im Parliament für die City von London vertreten soll, Ihre Stimme geben. Sie werden ohne Zweifel den ausdauernden und immer gleichmäßigen Beistand, welchen er dieser Sache leistete, wahrgcnommen haben; Sie werden stch erinnern, daß er erst vor kurzem zu Gunsten eines Gesetzantrages sprach, welcher nur bezweckte, die Juden von den gesetzlichen Hindernissen gegen die Erwählung zu Corporations-Aemtern, zu welchen Mancher von Ihnen in dieser City gewählt zu werden die Aussicht hatte, (wie denn mehrere unserer Glaubensgenossen solche Aemter in einigen Provinzialstädtcn nicht aus Begünstigung bekleiden), offen erklärte, er sei nicht nur bereit, diese Bill zu unterstützen, sondern jede Maßregel, welche zum Zweck hätte, bürgerliche Unterschiede wegen Religion aufzuheben. Sie werden sich erinnern, daß er als Minister der Krone Sie und die Dissenters im Allgemeinen durch die Einrichtung der Londoner Universität unterstützt hat, an welcher Sie für Ihre Kinder die höchsten Ehren erlangen können, welche der höhere Bildungsgrad ansprechcn kann, und deren Wohlthaten sicherlich viele von Ihnen bereits in vollem Maße empfunden haben. Sie werden ferner gewiß nicht vergessen, daß der edle Lord uns doppelt schätzbar ist, in diesem Augenblick, nachdem die Hand des Todes uns in so kurzer^Zeit zwei unserer mächtigen und thäligen Freunde, Lord Holland und Sir Robert Grant, geraubt hat, deren beständige Bemühungen dabin gerichtet waren, für ihre jüdischen Landsleute Gerechtigkeit zu erlangen. Ich frage also, ist jetzt nicht eine herrliche Gelegenheit, durch einen Akt unsrerseits zwei große und wichtige Zwecke zugleich zu erreichen? Nämlich dem Lord John Rüssel unsere Dankbarkeit für seine frühern Leistungen darzulegen; und zugleich einen Vertreter in's Parliament zu senden, welcher aus Grundsatz so geneigt und durch hohe Eeistcsgaben wie durch seine Stellung so geeignet ist, zu unfern Gunsten nicht bloß partielle Maßregeln, sondern ein Gesetz in's Werk zu richten, welches uns von dem verhaßten Zeichen der Ausschließung befreie und uns befähige unsre Kräfte frei und unbehindert zur Beförderung des Wohles unseres Vaterlandes zu entwickeln. Ick, habe die Ehre zu sein, M. H. Ihr ergebener Diener Isaac L. Goldsmid. 8 t. Jolm's Lodge, Regeuts Park. Die Fürther Schule und ihr neuestes Produkt. 2 Bände in 4t0 von Wolf Hamburg. (Schluß.) Noch ein Beispiel von des Verfassers Naturwissenschaft muß zum Schlüsse angeführt werden. Bekanntlich werden artesische Brunnen da gebohrt, wo in der Nähe Berge sich befinden, und vermöge des lwdrostatischen Druckes steigt das in dieselben eiudringende Wasser oft bis oben heraus. Der Verfasser, dem dieses Naturgesetz unbekannt war, begutachtet 153 a folgendermaßen die Frage': „ob das aus artesischen Brunnen geleitete Wasser zum Rcinigungsbad verwendet werden dürfe? In Betreff der artesischen Brunnen schrieb ich bereits meine Zweifel über ibre Anwendung zum Reinigungsbad dem sehr gelehrten^R. Abr. Bing, indem das Wasser vermöge seiner natürlichen schwere sich unmöglich ohne Menschenhand oder Kunst bis' zu jener Höhe erheben kann, das Gesetz der Wasserräder daher auch auf die artesischen Brunnen anzuwenden ist. Die stelle im Joma 31 a kann als Argument hierzu dienen; denn daselbst wird von der Höbe des Wasserlhors, auf dem sich das Bad des Hohenpriesters befindet, auf die Höbe der Quelle Etam, aus der das Wasser hmgeleitet ist, geschlossen. Wenn daher artesische Brunnen zum Bad angewendet werden dürften, so ließe sich gegen diesen Schluß einwenden, daß die Quelle Etam niedriger liegen könne, und dennoch das Wasser im Tempel, mit Hülfe eines artesischen Brunnens, auf die erforderliche Höhe getrieben werden könnte. Unwahrscheinlich ist es aber, daß dem weisen Salomon und den Königen der zweiten Tempelperiode diese Erfindung cntgan-! gen wäre (!) Möglich ist es jedoch, daß die gebirgige Umge-! gend Jerusalems zum Bohren eines artesischen Brunnens! nicht geeignet war. Es kann aber auch möglich sein, da doch die Erde rund, und nach Beckoroth 55 die unterirdischen Gewässer unter einander in Verblndung stehen, daß das Wasser in einem artesischen Brunnen von einer höher liegenden Quelle herkomme, daher nach Hinwegräumung i des äußern Hindernisses der Druck allein vermag das Walser, ohne sonstige Menschenhülfe, zu einer beträchtlichen Höhe zu treiben. Ist dieses der Fall, so wären die artesischen Brunnen zum Reinigstngsbad anwendbar." Mit derselben Weitschweifigkeit und denselben Skrutationen werden auch vom Verfasser obscöne Dinge verhandelt, die mit einer ähnlichen Deutlichkeit in keinem andern RGA. zu finden sind, so daß der Genius der hebräischen Sorachc! (die, nach einer Meinung, deshalb die Heilige genannt wird, weil sie für gewige Gegenstände keine Worte hat) erröthen muß, daß sie hier zu solchen alles Gefühl empö-! renden Gedanken benutzt wird.! O , ihr Rabbinen Deutschlands! wenn ihr wahrhaft für I das Heil und Wohl Israels erglüht, so vergeudet eure edlen! Kräfte nicht an so unnütze Grübeleien und Kleinlichkeits-! skrurationcn, die jedes wissenschaftliche Bestreben nur hemmen, Cultur und Kunst nickt fördern und unserer heiligen j ehrwürdigen Religion nur Hohn und Svorr zuziehen. Für! den treuen Pfianzcr im Garten des Herrn sind ganz andere > Felder urbar zu machen, die gedeihlichere Früchte verspre-! chen, andere Zäune auszurichten, die längere Dauer veri heißen; aber jene Auswüchse eurer irre geleiteten Vernunft l sind nur heilloses Unkraut und entziehen deu edlen Pflanzen >i Kraft und Nahrung. Die Lehre Gottes ist kein Resultat menschlicher Spekwi lation, kein Ergebniß des Verstandes und der bloßen For-! schung, aber auch keine Mumie, die sich von Generation zu Generation vererbt, die ohne Geist und von den Sonnenstrahlen des Jahrhunderts nicht erwärmt, nur mit heiliger Scheu erfüllt, nicht Liebe erregt. „Die Lehre Gottes ist gerade, erfreut das Herz; Gebote Gottes klar, geben Licht dem Auge." Arbeitet dahin, daß auch Schwachköpfige jenes Licht erkennen und in ihm wandeln; mit den eindrucksvollen Worten der Ueberzeugung, mit der Sprache sanftem Ton, daß Haß und Zwietracht der brüderlichen Eintracht