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Israelitische Annalen · 1841-07-23 · Heft 30 (23.7.1841) · p. Seite 240

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1841
Issue
Heft 30 (23.7.1841)
Date
1841-07-23
Page
Seite 240 (sequence 8)
Language
German
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240 weiche, und Cultur, Wissenschaft und Kunst mit ächt-religiösem Sinne sich einige. Hiermit sind Bürgerkronen und Lorbeeren zu erwerben, aber nicht mit Tändeleien und Sophismen, die sich mit dem Ernst der Zeiten nicht vertragen. Denn ein großes Ziel hat die Zeit euch vorgesteckt, es zu erreichen sei euer Streben, hohe Klivpen sind zu umschiffen, ergreift das Steuer mit käftiger Hand. Fürchtet nicht des Sturmes brausen, die andringende Fluth der Zeit; fest stehen des Glaubens Säulen, unerschütterlich die Zedern Libanons! "iDDK rblQ nnco Prolegomenon in Librum Esther, auctore Is. Reggio. Wien 1841, bei Franz Ed. v. Schmid und I. I. Busch. 59 S. 8. ganz hebräisch. Dieses Erzeugniß der italienischen kritischen Schule verdient sowohl wegen des schönen Styles, als wegen der vielen trefflichen Bemerkungen die Aufmerksamkeit aller Bibelforscher. Es ist eine Art Einleitung zum Buche Esther, jedoch mehr um den innern Zusammenhang der Geschichte verständlich zu machen, und mit der externen Geschichte in Einklang zu bringen, als um den kritischen Apparat zu beurtheilen und zu sichten, und dem Buche seine Zeit anzuweisen und dessen innern Werth zu bestimmen. Herr Reggio abstrahirt von allen nachzeitigen Hülfsmitteln und untersucht nur das Innere des Buches selbst, und wo eine Beziehung zur Geschichte sich zeigt, auch diese, und kommt zuletzt auf die Conjectur, daß der darin handelnde König kein anderer sei, als Darius Hystaspis, mit dessen Denkart und Verhältnissen er so vieles übereinstimmend findet, daß er sich veranlaßt sieht, alles etwa noch Unverständliche durch Hypothesen zu ergänzen, welche er selbst für sehr problematisch ausgiebt, und nur eben hinstellt, um andern Denkern das zu geben, was ihm mit der Geschichte verträglich scheint, und so vielleicht andere Untersuchungen und näher liegende Hypothesen hervorzurufen. Und welcher Bibelfreund hat sich nicht schon am Buche Esther versucht? Und wie viele dürfen sich rühmen, auch nur einigermaßen Befriedigendes entdeckt zu haben? darum ist uns jeder neue, mit Geist und Wahrheitsliebe gemachte Versuch willkommen, wie verschieden auch die Ergebnisse ausfallen mögen; besonders aber die rvhige klare und besonnene Forschung eines Reggio, welchem es gar nicht darum zu thun ist, seine Gelehrsamkeit herauszustellen, sondern der einzig und allein an die Quelle geht, und mit einfacher Prüfung alle die Bestandtheile untersucht, aus welcher sic zusammengesetzt ist. Haben wir nun keinesweges, dieser ganzen recht interessanten Untersuchung folgend, die Ucberzeugung gewinnen können, daß die Thatsache, wie schon viele Chronologen behauptet haben, in die Regierungszeit des Darius fällt, sind wir vielmehr auch nach Lesung dieser Einleitung und abermaliger Würdigung der Gründe, die uns bestimmt haben, der Ansicht des Des-Vignoles beizuflichten, wiederum in der Meinung bestätigt worden, daß sie in die Zeit des ersten Kyaxares fällt, welcher mit Astybares und Ahasverus identisch sei, so müssen wir doch die Art, wie Herr Reggio zu jenem Ziele gelangt, immerhin interessant finden, zumal viele einzelne Merkwürdigkeiten seiner For-' schung bisher den Kritikern entgangen sind. Wir wollen daher zunächst eine Skizze des Ganzen geben, und dann diejenigen Einwendungen hinzufügen, welche dem Hauptresultate zu widersprechen scheinen. Zugleich machen wir darauf aufmerksam, daß wir bei dieser Gelegenheit über die Gräber Mordechai's und Esthers zu Ekbatana (worüber wir in Nr. 1b einiges Bedenken äußerten) einen genügenden Aufschluß ermittelt haben. Das Buch Esther muß lange nach der Geschichte selbst verfaßt sein, wie der Ausdruck 1. 2 „In jenen Tagen" beweist; auch bezeugt das Schlußkapitel, daß erst nach dem zweiten Rundschreiben das Fest wieder nach einiger Vergessenheit von neuem eingesetzt worden; V. 28 -yni -)y-j deutet sogar auf einen bereits verstrichenen langen Zeitraum bis zur Abfassung des Buches. — Daß es eine Uebersetzung aus dem Persischen sei, ist möglich, aber nicht gerade wahrscheinlich. Die Zeit selbst ist nicht zu ermitteln. Die Prüfung des Innern dagegen erscheint fruchtbarer. Zunächst über den Charakter der handelnden Personen. 1) Vom Mordechai fällt auf, daß er sich so^leicht von seinem Mündel schied, ohne ihr religiöse Warnungen zu ertheilen, ja selbst ohne sie zu ermahnen, wie sie sich in Betreff der Religionsgesetze zu verhalten habe, obwohl sie volle Freiheit hatte, (2.13), und ihm in allem folgte (2.20); daß er ihr vielmehr geradezu befahl, ihre Geburt und Religion zu verleugnen, was weder Zvna, noch Daniel u. a. für recht fanden. Die verschiedenen Rechtfertigungen, welche im Midraschim sich vorfinden, ermangeln alles Grundes. Es zeigt alles dies vielmehr den Ehrzeiz des M. an. — Dieser verweigert dem Haman die üblichen Zeichen der Ehrerbietung; man sieht keine Veranlassung dazu im Judenthume; die Religion hat nichts mit dieser Zeremonie zu thun, die oft genug in der Schrift zur Begrüßung bei Abraham, Jakob, Ruth, David u. s. w. vorkommt: ja 5. 9 heißt es, er sei selbst nach dem Bekanntwerden der Pläne Hamans nicht vor ihm aufgestanden, was gewiß niemand als Götzendienst deuten konnte. — Als die Gefahr so groß war, nahm er nicht, wie sonst überall, seine Zuflucht zum Gebete, sondern jammert, und denkt nicht einmal auf Mittel, dieselbe abzuwenden. Selbst seine Unterhandlungen mit Esther geben keine Beweise frommer Gesinnung, sondern sind ganz äusserlich, während Esther mindestens die Juden in Susa zum Fasten (und ohne Zweifel zum Gebete) anhält; auch zeigt sie späterhin sehr viel Gefühl. — M. läßt in seinem Befehle 8. 11 auch die Aufforderung, Frauen und Kinder zu tobten und Eigenthum zu plündern mit lüneinsetzen; was übrigens nicht vollzogen ward. Andrerseits thul er nichts für die Juden in Jerusalem. (Nehem. 9, 36.) — Bei Einsetzung des Purimfestes wird nichts von gottesdienstlichen Opfern oder von Danksagungen angeordnet. — Alle diese Gründe zusammen genommen geben der Vermuthung Raum, daß Mordechai, nicht, wie man bisher glaubte, ein angesehener Mann, sondern ein ganz gewöhnlicher Jüdäer war, wie dies auch der Anfang ■mrP zur Bezeichnung eines ganz obskuren Standes vermukhen läßt. (Bergt. Jud. 13.1; 1. Sam. 1. 1; 9. 1.) Auch wird ihm in der Thal keinerlei wichtige Stelle oder hoher Bildungsgrad zugesprochen, wonach also derartige Voraussetzungen, daß er etwa Mitglied eines Synedriums gewesen sei, und dergleichen, abzuweisen sind. _ (Fortsetzung folgt.) Bibliolheque des Ecoles Israelites, 2rae & 3me livraison. (Strasburg bei Schüler) von Mr. Cahun. Diese Lieferungen enthalten die Fortsetzung des Bibelauszugs, mit französischer Uebersetzung und grammatischen und andern Anmerkungen. Letztere sind gut gewählt und richtig. Ein Weiteres läßt sich bis jetzt nicht darüber sagen. Ueber die Art, die Betonung zu accentuiren, giebt der Vf. in dem Juni-Hefte der Archives Israelites Auskunft. Anzeige. Auf die Broschüre: Das Bekenntniß des Proselyren von Dr. W. B. Frankel, beabsichtige ich in einer besonder» Schrift binnen kurzem zu antworten. I. M. Jost. Druck und Verlag von Johann David Sauerländer in Frankfurt am Main.

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