Mannheim
Compact Memory

Israelitische Annalen · 1841-07-23 · Heft 30 (23.7.1841) · p. Seite 235

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitische Annalen
Volume
1841
Issue
Heft 30 (23.7.1841)
Date
1841-07-23
Page
Seite 235 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3133765-3133874-3133905--1238-3135465
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

235 jetzt andere Mittel hervor, um uns Unheil zu bereiten. Als der vom Sultan eingesetzte Gouverneur ankam, war große Freude unter allen Klassen der Einwohner, sowohl Israeliten als Moslemen, weil sie von einer Herrschaft befreit worden, welche sie erschrecklich gedrückt hatte? die niedern Klassen beider Religionen waren übermäßig erfreut, und. haben oft, seit des Sultans Viceregent seine Autorität angetreten hat, auf den Marktplatzen und in andern Theilen der Stadt und der Vorstädte laute Akklamationen erhoben. Die Christen zu Damast, früher gewohnt, bei der Ankunft eines Acgyptischcn Pascha'große Zufriedenheit zu bezeigen, weil sie sehr befreundet waren mit Kana Bakri, zeigten jetzt Niedergeschlagenheit, weil dieser den Ort verlassen hatte; und als sie sahen, daß der große Haufe sich freuete, waren sie unzufrieden, und um ihren Verdruß auszulassen, klagten sic die Israeliten fälschlich an, ihre Religion insultirt zu haben, erklärten dies auch Sr. Exc. dem Gouverneur Ali Pascha und den drei Consuln, damit diese Anklage in andere und entferntere Länder verbreitet würde, und sich ein allgemeiner Unwille gegen die Israeliten erheben möge. Allein unsre Feinde zu Damast, deren Augen vom Haß gegen uns geblendet sind, konnten nicht sehen, daß ihre Anklagen in Europa keinen Glauben finden würden, wo Menschen von tiefer Weisheit und Einsicht sind, indem diese Anklagen auch nicht den geringsten Grund in der Wahrheit haben. Als einen Beweis, daß die Israeliten des ihnen beigemessenen Vergehens ganz und gar nicht schuldig find, habe ich zu erwähnen, daß Se. Excellenz Ali Pascha eines Tags mich vorladen ließ, und nachdem er von mir die Versicherung empfangen hatte, daß eine solche That von allen unfern Religionsgenossen verabscheut werden würde, strenge Nachforschungen bei mehrern achtbaren und angesehenen Leuten über das, was von unfern Feinden ausgestrcut worden war, anftclltc; wovon das Ergebnis' war, daß er erklärte, er sei von der gänzlichen Grundlosigkeit des schändlichen Gerüchtes überzeugt. Er erwicdcrte demzufolge den Vorständen der Christen dieser Stadt, daß sie fernerhin uns anders zu behandeln hätten, als in der jüngsten Zeit, daß sie uns mit Gerechtigkeit und Billigkeit behandeln sollten. Und dann befahl er mir, daß ich es übernehmen sollte, darauf zu sehen, daß mein Volk sich geziemend betragen möge, welche Befehle ich ernstlich zu erfüllen trachte. Auch der österreichische Consul erklärte sich zufriedengestellt mit unsrer Unschuld und schrieb in diesem Sinne an den General-Consul, und an den Baron von Rothschild. Ich muß Sir Moses noch eröffnen, daß obwohl ich wieder in meinem vorigen Amte stehe, ich doch nicht Einfluß genug habe, um irgend einen meiner Glgubensbrüder in die amtlichen Stellungen wieder einzusctzen, welche sie vor der Ankunft der ägyptischen Pascha's bekleideten, und sie sind jetzt sehr arm und ganz entblößt von einer Beschäftigung, wodurch sie im Stande wären, ihre Familien zu ernähren; der englische Consul! verhindert mich, irgend etwas für sie zu tbun, denn j er wünscht durchaus, daß die erwähnten Aemrer mir j Christen besetzt werden, — und in dieser Hinsicht * ist sein Einfluß bei'm Pascha stärker als der Meij nige. Was sollen nun meine unglücklichen Brüder |i anfangcn? (Schluß folgt.) Aktemnästige Darstellung, betreffend die frommen Spenden für die vier heiligen Städte. (Fortsetzung.) Im Frühjahre 1836 kam nämlich^der österreichische General-Consul, Herr L a u r i n, von Alexandrien auf einer Reise nach Syrien durch Jerusalem. Der mehrcrwähnte Salmon, damals als Pakid, erster Vorsteher der deutschen Gemeinde, daselbst fungirend, übrigens ein Mann von Bildung und Einsicht, in jeder Beziehung geeignet,- die Gesammthcit zu vertreten, begab sich zum Consul, und bat ihn, sich bei Mchcmed Ali für die Sache der Ruinen zu verwenden. Herr Laurin besichtigte die Stelle, und ließ sich genau von dem Verhältniß unterrichten. Hierauf gab er die Versicherung, er zweifle nicht, daß Mehemed Ali ihrem Anträge will- I fahren werde. Noch schwankte man, ob in Abwe-! senheit des Gcncral-Consuls eine bloße Empfehlung! desselben, die er sogleich und. gern ertheilte, wirksam sein könnte, und verschob die Reise nach Alexandrien, als zum Osterfeste auch der russische Consul nach Jerusalem kam. Dieser hatte nicht sobald ebenfalls die Streitsache erfahren und die Oertlichkeit beschauet, als er sofort den Herrn Salmon 30*

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.