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Israelitische Annalen · 1841-07-16 · Heft 29 (16.7.1841) · p. Seite 231

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1841
Issue
Heft 29 (16.7.1841)
Date
1841-07-16
Page
Seite 231 (sequence 7)
Language
German
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231 In den englischen Zeitungen und besonders in der Times (und aus dieser in sehr vielen deutschen Blättern) beschuldigte man wiederholentlich die Juden, daß sie die Christen zu verfolgen suchten. An und für sich war die Sache kaum glaublich, und die Verwendungen der resp. Consulen enthielten auch keine solche Anklage. Nunmehr ist aber ein ausführliches sehr interessantes Schreiben von Raphael Farchi, welcher jetzt Magistratsmitglied zu Damask ist, an Sir Moses Montefiore angekommen, welches die-merkwürdigsten Aufschlüsse giebt, wie sehr alle solche Artikel ungegründet waren. Der Inhalt desselben wird demnächst im Druck erscheinen. Hannover. (Schluß.) — Obwohl nun für den Augenblick durch die obwaltenden- Verhältnisse auch die beabsichtigten Veränderungen in Hinsicht der gesetzlichen Stellung der Juden noch einige Zeit auf sich beruhend bleiben, so bleibt es doch historisch merkwürdig, daß die Staatsregierunz selbst in dieser Sache die Initiative angreift und eine Verbesserung als unerläßlich ansieht. Auch ist die Art, wie sich das den Gesetzentwurf begleitende Schreiben über den Gegenstand ausdrückt, ein Beweis der humansten Gesinnung, und der wohlwollendsten Absicht. — Freilich muß die gewünschte Uebertragung der bisherigen Iudensteuer in eine allgemeine Landessteuer Anstand finden, obgleich die Summe selbst kaum der Discussion werth erscheint. Es möchte immerhin dem Volke schwer fallen, eine an und für sich durch alte Unbilligkeit bestehende Steuer (deren erste Einführung sich nur durch ehemalige Verhältnisse, Exemtionen von Kriegesdiensten und Schutz überhaupt, gewissermaßen als geforderte Gegenleistung rechtfertigt) zu übernehmen und somit gleichsam für die den Juden zu ertheilendcn Rechte alljährlich eine Quote zu entrichten. Es würde dadurch die Iudensteuer als solche nicht abgeschafft, sondern nur dieselbe von allen Christen mit bezahlt. Dieses Bedenken wird ohne Zweifel in den höheren Verfügungen späterhin noch eine Abänderung erzeugen. Inzwischen darf man sich der Hoffnung hingeben, daß die möglichen Verbesserungen so bald als thunlich eintreten, und nicht auf den so sehr behinderten Gang der Gesetzgebung werden verschoben werden. Brüssel. — Von der Chrestomathie des Dr. Beelen in Loewen ist jüngst das zweite Bändchen erschienen. Dies Werk verdient allgemein verbreitet zu werden. Es führt den Titel Chrestomathia Rabbinica & chaldaica cum notis grammaticis, historicis^ theologicis, glossario & lexico abbreviaturarum, &c. auctore J. Theod. Beelen, can. hon. d*c. Vol. I. (IV. 322 p.) Selecta Rabbinica & chaldaica, pars prior, selecta rabbinica, Vol. II. (326 p.) »otar. miscell. pars prior, Notae in sei. rab. Lovanii 1841. gr. 8. (Subscriptions-Preis 7 Frcs., jedoch ist man auch für die nachfolgenden 4 Theile gebunden.) So weit ich bis jetzt das Ganze zu durchlaufen im Stande war, hat es entschiedenen Werth; die Auswahl ist größtcntheils sehr zweckmäßig, und die Noten im zweiten Bande sehr lehrreich und zugleich Beweise von der tüchtigen Sachkenntnis' des- Verfassers, die nicht bloß in Belgien, sondern auch in den Ländern, wo solche Studien häufiger Vorkommen, gewiß als eine bedeutende Merkwürdigkeit erscheint. (Wir selbst haben die umfassende Bekanntschaft des Herrn Dr. Beelen mit der rabbinischen Literatur und seine überaus große Geläufigkeit in deren Verständnis bewundert; schwerlich steht ihm hierin ein deutscher Theologe unsrer Zeit zur Seite; und nur in England sind Einige Gelehrte, die diesem Fache eine solche Aufmerksamkeit zugewendet haben, und sich darin so einheimisch finden.) Die zehn Abschnitte enthalten laut der Ueberschriften: 1) deute & sapienter dicta. 2) Sentetiae & proverbia, 3) fabulae & parabolae, 4) epistolae familiäres, 5) Selecta historica, 6) Grammatica & bibliographia, 7) Scripturae interpretes, 8) philosophia & Theologia, 9) Thalmudica, 10) Poetae. Daß sich an dem Buche hie und da einzelne Ausstellungen finden, liegt schon in der Mannichfaltigkeit der Stoffe, wo leicht etwas übersehen oder verkannt wird. Die Kritik wird seiner Zeit sich daran machen. Schade, daß so viele Druckfehler sich eingeschlichen haben. — Carm oly's Revue orientale erscheint auch fort und liefert manches Interessante. S. St. Nicolau, 12. Juni 1841. *) — Mit inniger Freude berichte ich Ihnen, baß unser geehrter Präses, Herr I. Diner, am 10. d. eine außerordentliche dssipha (Versammlung) zusammenberufen ließ, und ihr die Schulangelegenheit zur Berathung vorlegte. Nach langen und heftigen Debatten kam endlich der Schluß zu Stande, zwei Gemeindeglieder zu ernennen, um Subscriptionen zu sammeln. *) Zugleich mit diesem erfreulichen Berichte empfingen wir aus demselben Orte eine scharfe Rüge gegen einen anderweitig abgedruckten Artikel ausZent-Miklos (.richtig: Szent-Miklos), welcher besonders-heftig gegen den angeblichen Fanatismus des (durch unsere Annalen bereits bekannten) Rabbiners sich ausläßt. Wir haben von Anfänge an jede Beziehung auf andere Blätter gemieden und wünschen diesem Grundsätze unsrer Redaktion, selbst da, wo es Pflicht scheinen möchte, der Wahrheit die Ehre zu geben, — zumal da nicht jeder Leser solche Conflicte aus dem richtigen Gesichtspunkte auffaßt, und die Zurechtweisung oft nur neue und widrigere Artikel hervorruft, — auch fernerhin treu bleiben zu können; und lassen demgemäß auch die berührte ^ache auf sich beruhen. Nur in wissenschaftlichen Fragen lassen wir Ausnahmen zu. So eben empfangen wir auch über Leipzig eine andere Berichtigung aus Gallizien, gezeichnet B., betreffend H. Eh. Sie ist voll des edelsten Eifers für die Wahrheit, und wünscht dem leider gar zu oft einlretenden Mißbrauch der Zeitschriften, welche bald der Eigennutz, bald der Ehrgeiz, bald sonstige unlautere Beweggründe mrt Berichten anfüllen, die alles Grundes ermangeln, und an Ort und Stelle nur Verwunderung über die Dreistheit der Correspondenten erregen, zu steuern. Allein so sehr wir die edele Absicht des geistreichen Correspondenten anerkennen, und so sehr es uns freuen würde, von ihm mit zuverlässigen Berichten oder lehrreichen Mitthetlungen geehrt zu werden, so müssen wir doch das Geschäft, fremde Unwahrheiten zu berichtigen, durchaus ablehnen, weil es der Beruf der Annalen nicht ist, sich mit anderweitig verbreiteten Nachrichten zu befassen, es sei denn, daß allgemeine wissenschaftliche Irrungen daraus entstehen könnten. D. H.

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