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Israelitische Annalen · 1841-07-16 · Heft 29 (16.7.1841) · p. Seite 228

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1841
Issue
Heft 29 (16.7.1841)
Date
1841-07-16
Page
Seite 228 (sequence 4)
Language
German
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228 störte Ruhe eine Literatur erzeugen, warum haben die Bewohner der Inseln des stillen Oceans keine? Eben so wenig erscheint sie als nothwendige Folge des merkantilischen Treibens, da sich keine solche Wirkung aus dem Handelsgeist von Tyrus und Karthago entwickelte. Friede kann Gelehrsamkeit nähren und Reichthum sie begünstigen, wie in Florenz und Holland; aber sie können sie nicht schaffen; der Sonnenschein belebt und fördert nur die Lebenselemente, welche durch andere Keime bereits vorhanden sind. Mit den Juden ward die Gelehrsamkeit sogar verpflanzt, wie die asiatische Palme; und in Spanien wurden jüdische und arabische Schriften zahlreich, verschiedenartig und wichtig. Der ursprüngliche, den Juden durch das Bewußtsein, daß sie das erste geschriebene Gesetz besaßen, gegebene Impuls, war so tief, daß dieser Lebenskeim sie unter den härtesten Entbehrungen nicht wieder verließ. Bei allen Fehlern des Rabbinismus achten sie doch die Bibel höher als alle weltlichen Schatze, und obgleich lange Zeit die christlichen Gelehrten, welche mehr in lateinischen Decr.etalien oder in den heidnischen Schriften der Griechen und Römer, als in der Sprache Mosis und der Propheten bewandert waren, die rabbinische Literatur, die sie nicht kannten, verachteten, oder höchstens einige Stellen heraussuchten, um ihre Controversen zu unterstützen, so erkennen doch diejenigen, welche diese Literatur als 'solche zu beurtheilen verstehen, unumwunden an, daß dieselbe um überaus viel zu gering veranschlagt worden. Der große Einfluß, den die Juden, trotz der allgemeinen Eifersucht, erlangten, giebt einen bessern Beweis von der Höhe ihrer Bücher-Gelehrsamkeit, als alle Deklamationen vom Gegenthcil überzeugen könnten. Nach diesen sehr wahren Bemerkungen über die Literatur werden auch Auszüge aus der politischen Geschichte mitgetheilt, entsetzliche Bilder schauderhafter Verfolgungen, unter denen die Vertreibung vom Jahr 1492 den ersten Rang cinnimmt. Wir wollen hier diesen Auszug nicht wiederholen, da die wichtigsten Thatsachen aus der Geschichte der Israeliten bekannt sind. Zum Schluß noch eine Probe von der pragmatischen Ansicht des Verfassers, die ihre innere Wahrheit beurkundet, wenn gleich der Gesichtspunkt nicht frei genug ist, und der Verfasser einzig und allein die Vergeltung einer schändlichen That erkennt, da wo eigentlich diese selbst nur eine Aeußerung des im Ganzen ausgearteten Geistes ist, der natürlicher Weise, nach allgemeinem göttlichen Gesetz seine eigene Bestrafung sich bereitet. „Es wäre Anmaßung, sagt er, vom sterblichen Menschen, wollte er mit seiner beschränkten Erkenntniß die Verfügungen der allmächtigen Gottheit in einzelnen Fällen beurtheilen, zumal manche Unebenheiten dieser Welt oft der Ausgleichung durch zukünftige Vergeltung anheimgeftellt bleiben; aber Nationen als solche haben kein zukünftigs Dasein, und an ihnen erkennt man wohl eher die Wege Gottes. — Bald nach der Verjagung der Juden aus ihrem Geburtslande, und während der schärfsten Herrschaft der Inquisition, erlosch die königliche Linie sowohl in Spanien als in Portugal, und im erster» Lande hat eine Reihe toller oder geistloser Herrscher die Monarchie selbst dem Gespött der Ungläubigen und der Republikaner bloß gestellt. Unfälle, welche in regelrechter Folge sich auseinander entwickelten, zeigten wie hohl jenes Reich sei, in welchem die Sonne nicht unterging. Eine Colonie nach der andern löste sich ab; Neapel und die Niederlande gingen verloren; die Bevölkerung der Halbinsel, welche im 9ten Jahrhundert 40 Millionen betrug, ist jetzt auf 10 — 11 Millionen herabgesunken, die von Toledo früher 200,000, jetzt nur noch 20,000; die nationalen Staatsmänner theilen sich in Demokratie, mit deren schrecklichen Tragala, und die Bigotterie der mittelalterlichen Camarillas, beide Partheien noch jüngst einander mit kaltem Blute zerfleischend; das Reich bankrott, ohne Marine, und nackt dem Feinde preisgegeben; ein Gegenstand des Tadels jür jeden, der vorbeifährt. „Aber die National-Gerichre sind eben so sichtbar in den Leiden der Juden, und das Exil von Spanien war nur eine Wiederholung dessen aus Palästina: „Weinet nicht um den Todten, und betrauert ihn nicht; aber weinet um den, der weggeht, denn er kehrt nicht wieder und sicht nimmer sein Geburtsland." Dieser Schlußsatz ist leider ein trauriger Beweis von der tadelnswerthen Befangenheit des Verfassers. Was will er mit diesen Worten andeuten? Daß die spanischen Juden, die Opfer eines Frevels, der auch nicht mit dem geringsten Schein einer gerechten Veranlassung beschönigt werden kann, in Folge derselben Fehler, welche einst den kleinen jüdischen Staat, wie so viel andere weit mächtigere

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