Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1841
- Issue
- Heft 29 (16.7.1841)
- Date
- 1841-07-16
- Page
- Seite 226 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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226 schuldet waren. *) Besonders heilig galt ihnen ein großer Platz mit Wohnungen Schule und Bethaus, welche zusammen den Namen eines uns nicht weiter bekannten R. Jehuda hachasid führten. Die Schulden wuchsen indeß, wahrscheinlich durch die übermäßigen Zinsen, und die Zuflüsse ließen nach; die ganze Unternehmung mußte wieder aufgegeben werden. Die Gemeinde der Aschkenasim löste sich im ersten Viertel des 18ten Jahrhunderts allmählich auf, ihre Mitglieder entfeMen sich aus der heiligen Stadt, oder starben ohne Vermögen daselbst; die Gebäude waren nicht hypothecirt, konnten also von den Gläubigern nicht eigentlich in Besitz genommen werden, und so blieb die Schuld als eine Wechselforderung unerledigt. Kaum aber begannen in unserm Jahrhundert, insbesondere seit 1810, die Einwanderungen deutscher (polnischer) Pilger wieder zahlreicher zu werden, und hatten sich hinlänglich viele zusammengefunden, welche beschlossen, in Jerusalem zu bleiben, wo sie als Franken unter fremden Schutz gestellt wurden, und ziemlich abgabenfrei, ihr stilles Leben fristen konnten, — als sie wiederum den Entschluß faßten, eine Aschkenasim-Gemeinde zu bilden, und sich wirklich von neuem constituirten. An der Spitze der Gemeinde stand damals R. Mendel, ein sehr geachteter Rabbiner, welcher im Jahre 1818—9, nachdem er selbst durch einen Ferman des Sultans in seinem Amte bestätigt war (wie denn jeder Oberrabbiner mit solcher Urkunde versehen sein muß, um gegen die Türken geschützt zu sein) sich in Conftantinopel cifrigft dahin verwendete, daß die von der ältern Aschkenasim-Gemeinde verlassenen, ziemlich weitläufigen, aber rheils gänzlich zerstörten, theils unter einem hohen Berge von Schutt völlig vergrabenen Gebäulichkeiten, der neuen Gemeinde zur Errichtung von Schulhäusern, Armenhospicen und einer Synagoge wieder überlassen werden möchten, da niemand den Raum benutzte, (der noch immer den Namen ver-^seülrenasiw, d. h. Quartier der A., führte) mit Ausnahme einiger Krambuden, *) Wahrscheinlich waren viele Familien, die aus dem Blutbade in Polen 1648 und den nachmaligen bittern Verfolgungen entkommen waren, von denen ein Thcil sich nach Hamburg, Amsterdam und London wendeten, nach Palästina gegangen, also zwischen 1666—8«. welche die Türken darauf errichtet hatten. Diesem Verlangen stellten sich die Nachkommen derjenigen Türken entgegen, welche ehemals zum Bau dieser Häuser Geld hergeschossen hatten, indem sie forderten, daß die Fortsetzer des Baues auch die Schulden mit übernehmen müßten. Ja, sie droheten, wofern die Israeliten sich nicht mit ihnen auf angemessene Weise abfänden, den Platz zu einer Moschee zu verwenden. Die Entscheidung des Prozesses fiel dahin aus, *) daß die neue Gemeinde von jeder Verbindlichkeit die Schulden der ältern zu übernehmen , freigesprochen, und ihr gestattet ward, nach einer billigen Entschädigung der Türken, für das, was sie besaßen, obwohl ihnen übrigens jedes Eigenthumsrecht an den Platz selbst abgesprochen wurde, diesen ohne Weiteres in Besitz zu nehmen. Indessen machten die faktischen Besitzer, welche wohl den moralischen Werth dieses Platzes kannten, auf eine bedeutende Ablösungssumme Anspruch, und die Erneuung des Processes würde keinen großen Erfolg gehabt haben. Die Gemeinde, selbst nicht bemittelt, mußte sich entschließen, die Sache auf dem Wege der Unterhandlung abzumachen, versprach eine Ablösungssumme herbeizuschaffen, bis zu deren Abtragung keiner von beiden Theilcn, dem Ferman zufolge, an die Gebäude Hand anlegen durfte. Sofort sandten die Aschkenasim einen ihrer achtbarsten Männer, Abraham Salomo Salmon, mir Vollmachten, Beiträge zu sammeln, nach Deutschland (Polen mit einbegriffen), Frankreich, Holland und England. Dies gab Gelegenheit zu einer Collision, welche in Amsterdam einige Verhandlungen nöthig machte. Dort befand sich zur Zeit (1821) ein Bevollmächtigter der Sephardim aus Jerusalem, Namens Joseph David Ajasch, welcher bereits in den Gebieten, wohin Salmon beordert war, Sammlungen ausgenommen hatte, und noch aufzunchmen beabsichtigte. Es entstand die natürliche Frage, welcher Gemeinde die Spenden zuzuwenden seien? Der Spanische glaubte nicht berechtigt zu sein, diejenigen", welche er einnahm, andern als seinen Sendern übergeben zu dürfen, während der Deutsche darauf hinwies, daß die Beitragenden augenscheinlich, wenn sie die Noth der deutschen Gemeinde in Jerusalem kennen, eher diese bedenken, als die ohnehin mit 16 wisli Expositor. 1823.