Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1841
- Issue
- Heft 29 (16.7.1841)
- Date
- 1841-07-16
- Page
- Seite 225 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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16. Juli. Nro 29. 1841. Israelitische Annalen. E i n Centralblatt für Geschichte, Literatur und Cultur der Israeliten aller Zeiten und Länder. Herausgegeben von Dr. I. M. Jost. Don diesen Annalen erscheint jeden Freitag ein ganzer Bogen; Preis des Jahrganges Rthlr. 3 —fl. 5; man subscribirt bei allen löbl. Postämtern und in allen Buchhandlungen des Zn- und Auslandes. Aktenmäßige Darstellung, bcrreffcnb die frommen Spenden. (Fortsetzung.) — Geschichte und Literatur der spanischen Juden. (Schluß.) — Die Muttersprache in jüdischen Schulen. — Nachrichten und Correspondcnzcn: London; Hannover (Schluß); Brüssel; St. Nicolau. — Literatur. Aktenmäßige Darstellung, betreffend die frommen Spenden für die vier heiligen Städte. (Fortsetzung.) Das numerische Eintheilungsverhaltniß hatte ohne Zweifel seinen Grund in der frühern Bewohnerzahl der verschiedenen Orte (s. w. unten); uns interessirt hier vornehmlich Jerusalem, wo sich die Verhältnisse in der erwähnten Zeit neu gestaltet hatten. Um alles gehörig zu verstehen, muß man in die ältere Geschichte zurückschauen. Die Israeliten waren in den Kreuzzügen bekanntlich ganz aus Palästina verdrängt worden. Erft mit dem Vordringen der Türken eröffnete sich ihnen wieder die Aussicht, dort ungehindert wohnen zu dürfen. Seit dem Sturze des byzantinischen Reiches war diese freier, und es zogen öfter einzelne Pilger, mitunter auch Familien dorthin. Bei der großen Einwanderung der spanischen Israeliten in's türkische Reich begaben sich sehr viele Familien nach Palästina, und siedelten sich vornehmlich in den 4 genannten Städten an. Ein Thcil dieser Spanischen Familien (auch Porrugefes, gewöhnlich aber Sephardim genannt) war wohlhabend, die übrigen wurden von ihren bemittelter» Brüdern in der Türkei, Griechenland und Kleinasien unterstützt. Vorzügliche Sorgfalt verwendeten sie auf milde Stiftungen, deren Zahl durch Schenkungen und Vermächtnisse sehr zunahm. In Jerusalem bestehen, einem Aktenstücke zufolge, 18 Stiftungen. Seit dem 16. Jahrhundert wohnen die Sephardim in ziemlichem Frieden in Palästina, und bilden verschiedene Gemeinden. Durch die in den Stiftungen begünstigten Studien, und die gastfreie Behandlung reisender Gelehrten fanden sich viele gelehrtere Israeliten aus der Berberei, aus Griechenland, Aegypten und der Türkei überhaupt oft bewogen, nach Jerusalem zu wandern, wo seitdem eine beständige Fluktuation von derartigen Pilgern herrschend geworden, so daß selbst die Stiftungen zur Bestreitung aller Kosten nicht ausreichten, und man sich genöthigt sah, Schulden zu machen, und dann wieder zu deren Tilgung auswärtige Hülfe in Anspruch zu nehmen, die wiederum häufig auf die hohen Zinsen und zur Beschwichtigung türkischer Erpressungen verwendet werden mußte, und deren kleinster Theil eigentlich zur Unterstützung der Armen diente. Inzwischen fanden sich auch deutsche (polnische) Einwanderer ein. Zu Ende des 17ten Jahrhunderts hatte sich bereits in Jerusalem eine Gemeinde gebildet, und für ihre gemeinsamen Angelegenheiten Grundstücke erworben. Wir wissen die Zeit ihrer Conftituirung nicht anzugeben, aber so viel ist gewiß, daß sie nicht sehr lange von diesen Grundstükken Besitz genommen hatten, als sie schon tief ver-