Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1841
- Issue
- Heft 28 (9.7.1841)
- Date
- 1841-07-09
- Page
- Seite 218 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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ersucht, und haben uns gern der Mühe unterzogen, eine wörtlich getreue Copie des sehr weitläufigen, uns zum Theil nicht recht verständlichen Briefes anzufertigen und einzusenden; wobei wir jedoch den Namen des Verfassers, wie billig, verschwiegen, indem dieser gar nichts zur Kenntniß der Sache beitragt. Anstatt unsere reine Absicht hierbei anzuerkennen, und auf den Inhalt näher einzugehcn, erwiederte man uns, daß alles schändliche Verläumdung sei, und drückte ein mißfälliges Befremden über unsere Namensverschweigung aus, fordernd, daß,wir den Namen des Schreibenden angeben sollten, damit man ihn selbst zur Rechenschaft ziehen könne. Dieses Anfinnen haben wir aus leicht begreiflichen Gründen nachdrücklichft zurückgcwiesen, und somit von dieser Seite die Wahrheit zu ermitteln aufgebcn müssen. Inzwischen haben wir die Sache nicht aus den Augen verloren, um so mehr, als man von Amsterdam aus bemüht ist, manchen derjenigen, welche Auskunft zu verschaffen im Stande find, im Voraus Len Zugang zu versperren, was nur dazu dienen konnte, die Forschung scharfer anzuregen. Endlich find wir im Besitze wichtiger und authentischer Documcnte, und somit können wir über einen Theil der Verhältnisse mit aller Zuverlässigkeit berichten. Im Allgemeinen ist zu wissen, nöthig, daß die israelitischen Pilger, welche, meiftentheils im höher» Alter stehend, sich zu der Wallfahrt nach Palästina anschickten, um ihr Haupt auf heiligen Boden niederzulegen, von den türkischen Beamten zu allen Zeiten schrecklich bedrückt wurden. Daß dieß die Zahl der Pilger nicht vermindert habe, ergiebt sich aus der seit drei Jahrhunderten immer vergrößerten Zahl der eingewanderten jüdischen Familien, sowohl Sephardim als Aschkenafim (spanischen als polnischen Ritus), wenn gleich hie und da die Umstände so unerträglich wurden, daß ganze Massen wiederum den Wanderstab ergriffen. Alle diese Leute haben im Durchschnitt keinen Erwerb, und nur wenige erwerben sich ihr Brot durch Handel oder irgend ein Fabrikgeschäft, während die längere Zeit in Dörfern und Städten einheimisch gewordenen Sephardim stehenden Gewerben, mitunter auch dem Ackerbau und der Viehzucht obliegen. Die meisten eigentlichen Pilger widmen sich dem Gebete und den religiösen Studien, und beziehen ihren höchst kärglichen Unterhalt, so wie das zur Abtragung der durch unerhörte Erpressungen entstandenen Schulden (mit Ausnahme derer, welche in den sephardischen sehr zahlreichen, fundirten milden Stiftungen Aufnahme finden) von der Mildthatigkeir auswärtiger Brüder, welche es für eine fromme Pflicht erachten, die armen Bewohner Palästinas zu unterstützen. Zur Erreichung dieses Zweckes senden sie Abgeordnete aus, welche fromme Spenden sammeln. Wie sehr die Leichtgläubigkeit europäischer Menschenfreunde, als noch die Communicationsmittel so schwierig waren, durch die Turbane berückt wurde, ist hinlänglich bekannt. In den neuern Zeiten sann man daher auf Maßregeln. um jeder Täuschung vorzubeugen, und sich der Wahrhaftigkeit der Vollmachten eben so sehr, wie der richtigen Abgabe und Vcrtheilung der Gelder zu versichern, und es bildeten sich verschiedene Commissionen in den Hauptgemeinden, welche eine Beisteuer gaben, und dann wieder Centralpunkte, wohin die Summen geschickt wurden. Als solche Mittelpunkte har man in jüngster Zeit, namentlich in den zwei letzten Deccnnien*) Amsterdam und Will na zu bezeichnen. Alle Spenden, so man in deutschen Gemeinden (der verschiedenen Länder) aufbrachre, wurden der Regel nach von den betreffenden Commissionen an Herrn H. L. in Amsterdam abgeführt, und man verständigte sich dahin, daß das Ganze in 28 Theile getheilt wurde, von denen auf Jerusalem 11, auf Hebron 6, auf Saphet 7 und auf Tabaria 4 Theile kamen, deren Special-Commissionen man die weitere Vcrtheilung auf Köpfe überließ. Von den II THeilen für Jerusalem jedoch sandle Herr H. L. nur die Hälfte, also 5'/, Theile direcr dorthin an die Sephardim, die andere Hälfte hingegen sandte er nach Will na, wo man die dortigen Sammlungen hinzufügte und die ganze Summe sofort auf die in Jerusalem befindlichen deutschen Familien nach deren Kopfzahl, worüber die Abgeordneten ein genaues Verzeichniß führten, vertheilte, und dahin abschickte. Dies war die Ordnung der Dinge bis vor wenigen Jahren, als plötzlich von Amsterdam aus eine andere Verfügung getroffen wurde. (Fortsetzung folgt.) *) Die im Jahre 1822 in dieser, Hinsicht zu Amsterdam geschlossenen Vorträge zur Regulirung der Verhältnisse zwischen den Sephardim und Aschkenasim liegen gedruckt vor.