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Israelitische Annalen · 1841-07-02 · Heft 27 (2.7.1841) · p. Seite 212

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1841
Issue
Heft 27 (2.7.1841)
Date
1841-07-02
Page
Seite 212 (sequence 4)
Language
German
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212 scheu Dichter und Geschichtschreiber lasen. Der Genius eines Homer, eines Thukydides, eines Xenophon findet in der orientalischen Gemüthsart oder Denkweise über Staatsleitung, keinen Anklang. Reine Wissenschaft ist zu allen Zeiten unter Despoten gut aufgekommen, aber nicht der Gesang aufHarmodius oder der Rückzug der 10,000. — (Etwas wahres mag hieran sein, ja die Grundidee ist sicherlich wahr. Allein in Betreff dieser Studien widerstrebte nicht sowohl der Geist, als der Inhalt. Der Orientale hat für die Geschichte fremder selbst der asiatischen Nationen kein Interesse, selbst für seine eigenen nur in Beziehung auf Genealogie und merkwürdige Vorfälle und wunderbare Sagen. Er beschränkt daher das Geschichtliche meist auf den Ruhm seines eigenen Stammes, und auf dessen Berührungen mir freundlichen oder feindlichen Nachbaren. Selbst die Geographie ist ihm nur ein Vehikel zu Wundergeschichten über unbekannte Nationen. Als Wissenschaft treibt er sie nur zur Ergänzung der Astronomie. Das alles beweist sich auch aus der jüdischen Literatur jener Zeiten. Da konnten also die griechischen, eine genaue Kenntniß des Bodens, der Verfassungen, der Verhältnisse voraussetzenden Historiker, zumal sie nur sehr Specielles berichten und auf kurze Zeiträume sich erstrecken, bei ihnen kein Interesse finden. Betreffend die Dichter, so waren sie ja zu voll von heidnischen Gottheit e n, um den Monotheisten Freude zu machen; diese hielten es auch wahrscheinlich für sündlich, sie zu lesen. I.) In der Mathematik hatten die Juden die vorzüglichsten Lehrstühle in den Muhamedanischen Hochschulen zu Cordova und Sevilla; aber sie unterschieden sich darin von den Mauren, daß sie auch mit Christen in Berührung traten, und in den verschiedenen Ländern zerstreut, Geometrie, Algebra, Logik und Chemie, nach spanischer Art, auch auf den Universitäten zu Oxford und Paris lehrten, während andrerseits christliche Studirende aus allen Gegenden Europa's nach Andalusien gingen, um diese Wissenschaften zu studiren. Betreffend die Astronomie, die chaldäische Wissenschaft, so waren die Juden darin die Lehrer der Mauren. Als die Gaonim den Euphrat verließen, um sich an den Guadalquivir zu begeben, oder als Moses ben Maimon von hier sich nach Kahira begab, hatte bereits jeder dieser Juden ein eben so herrliches Firmament „mit seinen gezählten Sternen" klar erkannt, wie einst ihr Prophet Daniel zu Babylon, wo er Meister der Magier und Chaldäer gewesen war, und der den Thurm des Nimrod als Observatorium hatte. (Woher weiß man das alles?) — Daß in solchen Climaten, wo die Planeten in ihrem herrlichsten Glanze strahlend starker einher zu wandeln scheinen (where the plane(s, brimful of brilliance, seem running over with excess,— sehr unklar ausgedrückt) die Juden deren Gang vernachlässigen konnten, ist eine unglaubliche Voraussetzung, und thatsächlich unwahr. „Gott sprach: sie sollen sein zu Zeichen und Zeiteintheilungen// so steht schon auf der erster Seite der heil. Schrift; und sie selbst geben die Versicherung, daß sie zu keiner Zeit diese Anweisung verabsäumt haben. Von jeher die Astronomie pflegend, behaupten sie traditionelle Geheimlehren zu haben, welche Abraham aus Haran mitgebracht harte, und berufen sich auf die hebräischen Namen der Gestirne im Buche Hiob und in Amos, um das Alterthum ihrer Beobachtungen zu beweisen. (Wir mögen dies gelten lassen. Inzwischen ist die Benennung einiger Gestirne kein Beweis für eine sorgfältiger ausgcbildete Wissenschaft; von welcher, die Wahrheit zu sagen, sich, auch in dem beschränktesten Sinne, nicht eine Spur zeigt. Sogar die Mondberechnung war noch zur Zeit der Römerin Palästina sehr mangelhaft. Einige Gestirne (Fixsterne) hatten hebräische Namen, wie überall auch die Landleure gewisse Gestirne zu nennen wissen, ja selbst deren Stand sich nach Verschiedenheit der Zeiten merken; aber die Planeren hatten unsers Wissens niemals alt-hebräische Namen, und Astronomie als Wissenschaft tritt erst zu einer Zeit hervor, da Ptolemäus längst bei den Arabern bekannt war. Arabische Astronomen gab es bald nach der Verbreitung der Muhamedanischen Religion, sowohl am Tigris als am Guadalquivir. Der Verf. setzt hinzu: die Juden hätten den Vorzug, daß sie alle astronomische Kenntniß nur mir der Gottheit in Verbindung denken, also von Atheismus und Pantheismus sich frei halten, und belegt dies mit der Vorrede aus Abraham ben Chajims: Sphaera Mundi. Wir lassen das Citat weg, da es nichts beweist, übrigens aber durchaus im Geiste aller arabischen Einleitungen verfaßt ist. I.) (Schluß folgt.)

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