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Israelitische Annalen · 1841-06-25 · Heft 26 (25.6.1841) · p. Seite 207

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1841
Issue
Heft 26 (25.6.1841)
Date
1841-06-25
Page
Seite 207 (sequence 7)
Language
German
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20? „So mögen denn alle Freunde der guten Sache auch > bei der diesjährigen Wahl die schöne Gesinnung bewäh- > ren, die sie bei den frübern kund gegeben, und abermals, j sowohl unfern hiesigen Mitbürgern aller Confessionen als > dem Auslande den Beweis liefern, daß unsere Gemeinde j ihren Ruf als eine der gebildetsten im deutschen Vaterj lande zu behaupten weiß." Das Andere, welches manche Veränderung zu Gunsten der streng-conservativen Parthei herbei wünscht, drückt sich also aus: „Schon wieder ist ein Jahr verflossen, ohne daß in unserer Gemeinde zur Verbesserung des Cultus auch nur Etwas geschehen sei. Richten wir unser Augenmerk auf so viele Gemeinden Deutschlands, die erglühet und begeistert für die Religion unserer Väter, alles aufbieten, ihr den geziemenden Glanz zu verschaffen, und durch Synagogal- und andere Einrichtungen den Gottesdienst würdig zu heben; — so muß es wahrlich das religiöse Gemürh auf's höchste betrüben, daß in unserer Gemeinde Alles stationär bleibt und kein Vorrücken mit dem Geiste der Zeit auch nur bemerkbar wird. Um so mehr ist dieser Stillstand zu bedauern, als Ein Hoher Senat in einem Hochverehrlichen Protokollauszug (d. d. 12. Fedr. 1839) die gnädige Zusicherung erlheilt, Alles „was für die-wahre und wesentliche relij fliöfc Bildung durch die Fortschritte der Zeit — 1 ohne Derlctzung der väterlichen Religion — geboten ist, an seinem Theil zu befördern." „Fragen wir nun, woher dieser bedauernswertheJndifferentismus, dem allein das täglich überhandnehmende Verflachen dessen, was dem Menschen am Heiligsten sein sollte, zugeschrieben werden muß: so können wir es nicht verhetzi len, daß alles an der Gemeinde-Repräsentation liegt, welche wegen ihrer Einseitigkeit das religiöse Leben zu wenig in's Auge faßt. „Die bevorstehende Wahl von neun Candidaten zur Ergänzung des Gemeinde-Ausschusses giebt aber allen verehrlichen Gemeindegliedern Gelegenheit, mittelbar dahin zu wirken, daß dem vorerwähnten Zustande ein Ende gemacht werde, dadurch, daß sie solche Männer wählen, welche hierzu die erforderliche Energie und Kraft entwickeln und, ihres Berufes eingedenk, die bisherigen Mißstände in hiesiger Gemeinde möglich beseitigen werben. „Wir erlauben uns daher, indem wir Sie auf's Dringendste bitten, Ihren Stimmzettel einzureichen. Ihnen zu diesem Behufe eine Liste von neun achtbaren Gcmeindegliedern beizufügen, welche, wie wir zu glauben berechtigt sind, jenen Erwartungen entsprechen. „Schließlich ersuchen wir Sie, um jede Zersplitterung der Stimmen zu verhindern, die Namen der neun Candidaten unverändert abschreiben zu wollen." Gegen letzteres erschien im Frankfurter Journal vom 14ten d. ein kurzer aber scharfer Artikel, welcher die Wähler auffordert, dem Geiste treu zu bleiben, der sie bisher leitete, und sich nicht durch die „schönklingenden und trügerischen Worte von religiösen Reformen" täuschen zu lassen, womit man von einer gewissen Seite her das Publikum irre zu leiten suche. Von welcher'Art diese Tendenzen seien, ergebe sich leider aus einem Berichte von Berlin her, wonach die sogenannte orthodoxe Parthei ein Circular umlaufen lasse, um die Gesetzgebung dahin zu bewegen, die, welche den Sabbath nicht streng feiern, für des Eides unfähig zu erklären. (Uns ist bis jetzt keine nähere Kunde von solchem Schritte geworben, welcher freilich eine große Verwirrung beurkunden, und wenn auch nur Hoffnung des Erfolges da wäre, ein betrübendes Zeichen der Zeit abgeben würde.) Für die, welche die Autorität des Thalmuds anerkennen, sei eine wahrhaft religiöse und sociale Form nach den Bedürfnissen unsrer Zeit und Bildung offenbar unmöglich. Wir haben dies so berichtet, wie wir es vorfinden. Das Ergebniß einer einzelnen Wahl ist an und für fich für das Ganze von keiner unmittelbaren Erheblichkeit, und nur der Stand der Gesinnungen ist aus diesen Schritten zu erkennen. (Eine starke Majorität entschied im Sinne des ersten Rundschreibens.) Uebrigens hat die bisherige Verwaltung, welcher das letztere Rundschreiben gänzliche Unthätigkeit vorwirft, durch den Beschluß, einen zweiten R a b b i n c n (welcher den Anforderungen des Regulativs entspreche) anzustellen, einen bedeutenden Schritt zur Befriedigung der allgemeinen Wünsche gethan, und wird die, wie wir vernehmen, demnächst aus der Zahl der eingegangenen sehr chrenwerthen Bewerbungen zu treffende Wahl am Unzweideutigsten darthun, daß die Besonnenheit in den öffentlichen Verfügungen nicht etwaiger Gleichgültigkeit beizumessen ist, sondern allen Vertretern der Gesamimheu das Gemeinwohl ernstlich am Herzen liegt. Liter atur. Israelitische Schulzeirung. Herausgcgeben von Moritz Block in Simmern. Die Regsamkeit unserer Zeit giebt fich besonders durch die Zeitschriften zu erkennen. Diejenigen, welche der Gesammtheit dienen wollen, fühlen immer mehr, daß ihre einzelnen Kräfte nicht ausreichen, um bedeutend auf das Allgemeine einzuwirken; Werke von etwas stärkerem Umfange bleiben unbeachtet oder werden nur höchst sparsam aufgesucht und gehörig gewürdigt, auch find m der Thar nur Wenige begabt genug, um dauerhafte Monumente aufzustellen, und unter diesen nur Wenige glücklich und standhaft genug, um einen großartigen Entwurf ohne Störung, Ermattung oder Verzweiflung vollständig durchzuführen. Leichter und in der Thal oft, selbst bei mancher Ungründlichkeit, nützlicher wirkt die flüchtige Anregung, welche denn auch theils durch die bunte Mannichfalugkeir, theils durch die. Beachtung dessen, was hier und dorr eben gerade von praktischem Interesse ist, im Volke eher Anklang findet. — So ist es denn nicht zu verwundern, daß mancherlei Versuche der Art in kurzer Zeit nach einander auftauchen, und es hängt nun von der Wirksamkeit der Zeitschriften selbst ab, wie lange und wie weit sie ihren Einfluß üben. Urtheile der einen über die andern wird man weder erwarten, noch, wenn solche abgegeben werden, für unbefangen halten dürfen. Aus diesem Grunde müssen wir, selbst da, wo wir von der Redaktion dazu beauftragt werden, es ablehnen, über die Haltung des Ganzen, so wie

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