Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1841
- Issue
- Heft 26 (25.6.1841)
- Date
- 1841-06-25
- Page
- Seite 208 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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208 über dessen etwaige Leistung, uns auszusprechen. Wohl aber können wir uns nicht versagen, einzelne Momente hervorzubeben, um unsere Theilnahme für dieselben auszudrücken. Die Israelitische Schulzeitung sucht vorzugsweise dem Zahlreichen, oft in der Thar von aller Anleitung entblößten Lchrerstande, der auch mancherlei Eigcnthümliches zu berücksichtigen hat, ja häufig zu mehreren Functionen zugleich greifen muß, um eine Familie nur kärglich zu erhalten, mit Rath und Anweisung beizustehen. Wir haben hier Nr. 1 dis 22 vor uns. Mancherlei nützliche Winke sind darin enthalten, alle in einfacher Einkleidung, niitunter sehr lehrreich. Außer der recht wohlgemeinten Ermahnung des nunmehr Heimgegangenen, um die Schule sehr verdienten l)r. Büdinger in Cassel, (Nr. 1) welcher die Lehrer auf die Wichtigkeit ihres Berufes, den so mancher nicht recht würdigt, wenn er sich demselben widmet, mit vieler Wahrheit binweist, beginnt Herr Moses Heß aus Trier eine fortlaufende Vergleichung der neuern Bibelübersetzungen; ein recht fruchtbares Thema, welches aber leider den Beweis liefert, wie wenig Einheit noch in der ersten und wichtigsten Kenntniß gefunden wird, oder mindestens wie weit noch die Ansichten über die Bibelerläuterung im Ganzen oder Einzelnen von einander abweichen, und das ungeachrcl der strengen Beibehaltung der Massora. Eine vollständige Bibelübersetzung, welche in Betreff der Kenntniß des Textes und der Durchschauung des Inhaltes und Zusammenhanges eine volle Reife beurkunde, und den deutschen Ausdruck sowohl in seinem Werthe als in geschmacklicher Beziehung überall sorgfältig abwäge, wie man dies der Lutherischen und noch weit mehr der englischen Bibel nachrühmev muß, ist noch immer eine Aufgabe für gelehrte Israeliten. Aber sie erfordert viel Zeit unv Ausdauer, und die setzt man jetzt nicht gern daran. Herr Heß fügt meistens ein kritisches Urtheil bei, das indeß natürlich nur individuelle Meinung bleibt, indem jede abweichende Uebertragung auch wieder ihre Gründe, hat. — Jedenfalls aber ist solche Vergleichung verdienstlich. — Die Einrichtung der Religionsbücher wird (Nr.2) besprochen, und vorzüglich daraufhingewiesen, baß man den Kindern mehr den Geist einhauchen als bloße Worte geben solle, und daher der zusammenhängende Vortrag geeigneter sei, um nachher katechetisch repctirt, zur Entwickelung des Sclbstdenkens der Jugend und der lebendigeren Theilnahme benutzt zu werden; während die katechetische Form das Wort zu sehr gelten lasse. Wir sind gewiß ebenfalls allem starren Formcnwesen abgeneigt, halten aber gleichwohl für besser, in Betreff der ReUgionslchre der Jugend bestimmte klare Worte zu geben, deren Festhaltung vor einem gedankenlosen Hcrumirren schütze, als frühzeitig ihnen den Ausdruck frei zu geben, ehe sie selbst noch die ganze Bedeutung ihrer eigenen Worte fassen kann. Wären nur unsre bisherigen sehr zahlreichen Katechismen so bestimmt in ihrem Ausdrucke! Das wäre ein großer Vorzug! Noch aber fehlt er den meisten, wo nicht allen! Ja viele ringen gar nicht darum, und betrachten die Frage und Antwort nur eben als äußere Form der Popularität oder der Lehrmethode. Das soll streng genommen der Katechismus nicht sein. Er soll vielmehr nur darstellen, was die wesentlichsten Fragen seien? Wie diese ausgedrückt werden müssen, um eben genau ihren Gehalt auszusprechen? und wie die Religion diese Fragen nach dem Texte der Schrift zu beantworten habe? — Eine Anleitung zum weitern Unterricht hört auf in diesem Sinne ein Katechismus zu sein. Dennoch ist auch bei größern Schulbüchern die Form der Katechesis von Nutzen, und eine starke Sorgfalt im Ausdruck nicht minder wünschenswert. Die Jugend muß sich gewöhnen, die Worte so zu nehmen, wie sie verstanden sein sollen, und erst dann vei reiferen Fortschritten selbst über deren Inhalt denken lernen. — Die Schulzeitung liefert die Uebersetzung des in Frankreich eingeführten pr«ci8 «lementuii-e U'instructioll reiigieuse (3 und ff.), welches jetzt in Liverpool auch in's Englische übertragen worden. Wir bedauern, daß man in Frankreich noch so wenig von dem Wesen eines guten Elementarunterrichts weiß, und daß selbst die dritte Auflage noch keinen Fortschritt blicken läßt. Die erstere Hälfte ist ziemlich streng gehalten, die sogenannte Morallehre aber fällt in eine Seichtheit, die man kaum begreifen kann. Wie paßt überhaupt die Feier französischer Nationalfeste in die israelitische Religionslehre? — Recht zweckmäßig ist der Aufsatz über häusliche religiöse Erziehung (Nr. 11 u. ff.). — Außer manchen andern schönen Bemerkungen des Redacteurs finden wir es noch rühmenswerth, daß er sich des Turnens, oder richtiger: der geregelten Leibesübungen (Nr. 20) annimmt. Wenn irgend unsre Iugendbildung einer Reform bedarf, so ist es hauptsächlich von Seiten der körperlichen Erziehung der Fall; dem Geiste wird genug, fast zu viel Nahrung geboten, aber wie wenig für die Pflege, Stärkung und Haltung des Körpers gethan wird, braucht wohl nicht erst bewiesen zu werden. Auch in diesem Punkte geht die Frankfurter Isr. Bürge r - u n d R e a l s ch u l e mit gutem Beispiele voran, und die Lehrer auf dem Lande und in kleinern Städten sollten sich beeifern, so bald wie möglich, eine Uebung von so heilsamem Erfolge einzuführen. Nöthige Berichtigungen. Nr. 20. S. 135 Anm. soll lauten: einer herzoglichen Behörde schon; und am Schluffe: siche Annalen 1839, Nr. 30. Nr. 21. S. 161. Sp. 2 statt der lies denn; und 18 st. dürfte l. durfte. Z. 3 von unten l. □£*. Nr. 22. S? 112. Sp. 1. Z. 18 konnte. D. 119 unten Verpflichtungs- (promissorischen) Eide. Anzeigen. So eben ist erschienen: 1) Festgebete 3r und letzter Band CmyiDBO mit einer neuen eigenthümlichen Uebersetzung für Frauen. Preis aller 3 Bde. Rthlr. 4., auf Schreibp. Rthlr. 5., Velin Rthlr. 6'/^. — 2) vollständig Rthlr. 2l/2, die Schulausgabe 20 Sgr. 3) Religions- Lehren der Israeliten m m~nn als Leitfaden beim Unterricht und zum Gebrauch bei Einsegnungen. Dritte erweiterte Auslage 10 Sgr. — 4) Deutsches Andachtsbuch für Israeliten, in Gesängen und Gebeten (mjnn)* Sechste sehr vermehrte Ausgabe. Eingebunden 25 Sgr. Dr. I. Hernemann, Vorsteher einer Erziehungs-Anstalt'für Söhne und Töchter, in Berlin. Von dem der No. 10 des Zion beizugebenden lithographirten Tertblatte aus Ies. 49. 2 Octav-Seiten, welches wegen der eigenthümlichen Form der Lettern, vorzüglich aber wegen der uns durchaus unerklärlichen Lokalisation und Accentuation des Textes und des eingerückten Th arg ums, die Aufmerksamkeit aller Forscher der hebräischen Sprache und des Bibeltextes in hohem Grade in Anspruch nimmt, und über welches wir sachkundigen Erklärungen entgegensehen, lassen wir auf Verlangen mehrerer Forscher einige Abzüge auf schönem Papier besonders anfMigen, welche zu dem Nettopreise von fl. 1. 24 kr. zu haben sind. Die Redaktion dev hebräischen Monatschrift Zion in Frankfurt am Main. Druck und Verlag von Johann David Sauerländer in Frankfurt am Main.