Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1841
- Issue
- Heft 26 (25.6.1841)
- Date
- 1841-06-25
- Page
- Seite 206 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Ansicht den Sachkundigen vorzulegen. — Vor Allem darf die Nothwendigkeit dieses Lchrgegenstandes in der israel. Volksschule als ausgemacht betrachtet werden, und wäre nach Hrn. Rabb. Grünebaums trefflicher Exposition jedes weitere Wort überflüssig. Die Frage ist nur, ob bei dem jetzt üblichen Verfahren der beabsichtigte Zweck wirklich erreicht werbe, und die Jugend in den meisten Schulen eine hinlängliche Vertrautheit mit der Sprache der Bibel und der gottesdienstlichen Gebete erlange oder erlangen könne; was billig bezweifelt wird. (In dem übrigens meisterhaften Schulplane des Herrn vr. Ebrenbcrg wird über den hebräischen Unterricht in «peei« nichts Neues vorgebracht.) Daß Herr Rabb. A. es für nöthig erachtet, die neuere Methode gegen diejenigen in Schutz zu nehmen, die beim altern Verfahren einen bessern Erfolg zu gewahren glaubten, finde ich wohl begreiflich; aber die entgegnende Bemerkung, daß die Schulzeit heutigen Tages unter mehrere Gegenstände vertheilt werden müsse, scheint mir nicht zu treffen, da es eben Sache der Methode wäre, Zeit zu ersparen, und was dem Unterrichte an Extensität abgehet, durch Planmäßigkeit und Intensität zu ersetzen. Statt dessen hat es häufig das Ansehen, als werde der hebräische Unterricht nur als ein norhwendiges Uebel geduldet, und hat sich meines Wissens noch nicht die Methodik dessen angenommen, um ihn gleich den andern Schulgegenständen naturgemäß anziehend und bildend zu machen. Die neuere Lehrwcise ist überhaupt zu formell, als daß sie der zarten Jugend zusagen und bei ihr feste Wurzel fassen,könnte. Wie soll diese das hebräische Verbum schulgerecht conjugiren lernen, che sie einen Begriff vom Bau der Muttersprache hat? wie einem so trockenen Studium Geschmack abgcwinnen? Und hat der Zögling diese Schwierigkeiten glücklich überwunden, so ist er do.ch bei'm Austritt aus der Schule des Sprachmaterials, des hebräischen Ausdrucks, zu wenig mächtig, um mit Lust und Eifer das Erlernte zu wiederholen, oder gar das Nicht-Erlernte durch Selbststudium nachzuhelen. Das ältere, rein praktische Verfahren har doch endlich (freilich mit großem Zeitaufwand) zur Bekanntschaft mit der Sprache und (obwohl indirekt und bewußtlos) den Gesetzen derselben geführt, so daß eine Wiedcrbolung und Fortsetzung der begonnenen Studien leichter möglich war. Jedenfalls konnte dann die Grammatik mit weniger Mühe und größerm Nutzen erlernt werden. Und,—ist etwa aus der gewöhnlichen Methode der alte, im Schneckcngange sich bewegende Schlendrian ganz beseitigt? Wie viel Zeit wird noch immer mit dem Unterricht im Hebräisch-Lesen verschwendet? Welchen Nutzen gewährt aber die Fertigkeit darin demjenigen, der keine Sylbe verstehet? Welche Methodik kann es billigen, daß der Schüler zum Lesen von Stücken angehalten werde, deren Sinn er nicht begreift? Der Geistreichere muß dem Gegenstände, der seinem Geiste gar keine Nahrung bietet, und der Minderbegabte durch eine solche mechanische Lippenübung noch mehr an Gedankenlosigkeit gewöhnt werden, und gewiß ist diese Iugendgewohiiheu eine Hauptursache, warum iw der Regel hebräische Gebere selbst von Kundigen gedankenloser hergcsprochen werben als deutsche. (Schluß folgt.) ^/Frankfurt am Main. — Zn voriger Woche ward ' hier die Wahl von neun Männern zur Ergänzung des Gemeindeausschusses vollzogen. Dieser Akt verfehlt seit der Einführung des neuen Regulativs von 1839, nicht, die Aufmerksamkeit der Stimmführenden in hohem Grade anzusprechen, und darf auch mit Recht als sehr einflußreich betrachtet werden, nachdem die Ansichten über das, was der Gemeinde von wesentlichem Interesse sein dürfte, in zwei divergirende Richtungen sich theilen. Es wird auswärtigen Freunden der guten Sache, sie mögen diese nun in einer oder der andern Richtung verfolgen , nicht ohne Interesse sein, zu wissen, was in dieser Beziehung geschehen ist, und wie beide Partheien die Wahlbei den Stimmgebern zu lenken sich bestrebten. Selbst diese Bemühung wirb den Beweis liefern, wie weit man hier in der Bildung vorgerückt sei, und wie sehr selbst der stationäre Theil die Forderungen der Zeit anerkennt. Zwei Rundschreiben mit beigefügten Wahlvorschlägen sind in Circulation gesetzt worden, beide gleich interessant für den unpartheiischen 'Beobachter. Das Eine, dem jetzt bestehenden Gange der öffentlichen Leitung zugethane, lautet: „Die Wahl von neun Männern zur Ergänzung des Gemeindeausschusses, wozu der Ruf an die Gemeindeglieder ergangen ist, bleibt stets eine folgenreiche Handlung, am welche nicht nur das Wohl und die Ehre unserer Gemeinde geknüpft ist, sondern deren Wirkung sich, vermöge der Stellung, die Frankfurt einnimmt, heilsam oder verderblich, auch nach Außen erstrecket. Wenn wir aber mit unbefangenem Geiste die Verhältnisse unserer Glaubensgenossen im Allgemeinen und die obwaltenden Umstände in's Besondere in's Auge fassen, so wird sich uns noch stärker die Ueberzeugung aufdringen, von welcher unberechenbaren Wichtigkeit es ist, die Angelegenheiten der Gemeinde in den Händen von Männern zu wissen, die auf die Stimme des Jahrhunderts achten, und mit ruhiger Besonnenheit das in's Werk setzen, was das Wohl unserer Glaubensgenossen fordert, was uns in Stand setzt, immer rascher fortzujchreiten auf der Bahn des bürgerlichen, industriellen und wissenschaftlichen Lebens, auf der Bahn der sittlichen und geistigen Veredlung, in die wir mit so schönem Erfolge eingetrcten sind, um uns immer mehr unfern deutschen Mitbürgern anzuschließen, ohne aufzuhören, Israeliten zu sein. „Die Männer, welche wir vorzuschlagen uns die Freiheit nehmen, werden — wir glauben es mit Zuversicht hoffen zu dürfen — die Stimmen aller derer vereinigen, welche von dem Wunsche beseelt sind, daß die Leitung der Gemeindeangelegenheiten Männern anvertraut werde, die Bildung, J Einsicht und zeitgemäße Denkweise mit redlichem Willen! und Unabhängigkeit des Charakters verbinden. Diejenigen aber, deren Ansicht einer oder der andere der Vorgeschlagenicht ganz entsprechen sollte, werden erwägen, daß durch \ Zersplitterung viele Stimmen verloren gehen,! und um den beabsichtigten guten Zweck zu erreichen, zum jj allgemeinen Besten gerne ihrer abweichenden Meinung entsagen."