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Israelitische Annalen · 1841-06-25 · Heft 26 (25.6.1841) · p. Seite 203

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1841
Issue
Heft 26 (25.6.1841)
Date
1841-06-25
Page
Seite 203 (sequence 3)
Language
German
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203 nicht beachtete, welche aber bald in eine« acuten Gelenke-Rheumatismus überging und ihn auf's Krankenlager warf. Schon führte die sorgfältigste ärztliche Behandlung und Pflege nach einigen Wochen einige Besserung des Nebels herbei, und gab zur baldigen völligen Genesung des Kranken erfreuliche Hoffnung, als in der Nacht vom 17ren auf den 18ren April die Krankheit sich plötzlich auf das Gehirn warf, und ungeachtet aller angewandten Hülfe schon in der Mittagsstunde des 18ten Aprils seinem, nur den Wohlthaten geweihten Leben leider!' ein zu frühes Ende machte. Die allgemeine Theilnahme, die das ungeahnere Hinscheiden des würdigen Mannes erregte, sprach sich am deutlichsten bei dem LeÄenbegangniß aus; denn außer dem zahlreichsten Geleite, das dem Sarge folgte und in welchem sich fast das sämmtliche militärärztliche Personal der. Residenz befand, sah man auf den Straßen, durch die sich der Zug bewegte, Schaaren von Trauernden, die der Hülle des edeln Entschlafenen auf dem Wege zur letzten Ruhestätte noch einmal nachblicken, und ihm eine Thräne des Schmerz- und des Dankgefühles nachweinen wollten. Auf dem Friedhöfe angelangt würdigte der Landrabbincr Dr. R^ruann, dessen Arzt Fiorino ebenfalls gewesen, in rührenden und erhebenden Worten das segensreiche Leben und Wirken des Verewigten nach Anleitung des Textes: „Süß ist der Schlaf des Arbeiters" (Cohel. 5,11). In dem Charakter des Vollendeten strahlten die lauterste Pietät und der edelste HAdhlthatigkeitssinn, die seine Handlungen beseelten^' als Grundzüge, so daß Fiorino von.Seiten, des Herzens besonders achtungswürdig erschien.^Von dem Zeitpunkte an, wo er angeftellt wurde und ein anfänglich kärgliches Gehalt bezog, war es für ihn der süßeste Genuß, sich an seinen Eltern als den zärtlichsten, besten der Söhne durch die That zu erweisen, sich Entbehrungen aufzulegcn, um jenen unter die Arme greifen und sie erfreuen zu können. Aehnlicher Züge der Pietät gegen Verwandte rc. könnten wir mehrere herzählen, wenn uns nicht der Scharten des Geschiedenen abmahnre. — Das ungemein Liebreiche, Offene und Herzliche seines ganzen Wesens, das sich in seinen schönen und freundlichen Gesichtszügen spiegelte, fesselte seine Freunde und Bekannten unwiderstehlich an ihn.— Er hintcrläßt von seiner, wenige Jahre vorher ihm vorangegangenen Gattin zwei unmündige Töchter, die seine Freude und sein Stolz waren, und aus der innigsten Liebe zu denen er, von seinen Vaterpflichten tief erfüllt, sich nicht entschließen konnte, eine zweite, für jene vielleicht ungünstig ausfallende Verbindung einzugehen. — Wenn seine Geschicklichkeit als Arzt von Allen, die sie erprobten, geehrt und geschätzt wurde, so ertönte ihm ein noch schöneres Lob aus dem Munde der Dürftigen, denen er so gern als stiller Wohlthäter in der Noth erschien. — Seine Religion war die Religion des Herzens, und wenn edle Gesinnung in edlen Handlungen sich offenbarend als der Prüfstein der Religiosität eines Menschen gelten darf, so war der Heimgegangene einer der religiösesten Bekenner des Judenthums. Aber er hing diesem auch mit Treue und Wärme an, bewies es durch die lebhafteste Theilnahme an allen Fortschritten desselben zum Bessern, und gab seine Freude über alles Gure, das irgendwo in Israel gedieh, auf das Unzweideutigste in der Unterhaltung zu erkennen. Ucberblicken wir den Lebenslauf des Seligen, so dringt sich uns von selbst der wehmüthige Gedanke auf: „Viel, sehr viel herrliche Früchte hätte sich, die Menschheit noch von solcher Thatkraft, von solchem Edelsinn versprechen können! und schmerzlich ist darum der Verlust, den sie erlitten hat!" Durum! sed levius fit patientia, Quidquid corrigere est nefas. Hefter die apokrypftischen Stücke im Buche Gsther. In Nr. 1? der Annalen wird die Anfrage gestellt, warum ich in meiner Uebersetzung der Apokryphen die Stücke in Esther ausgelassen habe, obgleich ich das dritte Buch Esra und die Makkabäer ausgenommen hätte, was um so bemerkenswerther wäre, als der Inhalt jener Stücke in den verschiedenen Midraschim wieder auftauchte? Auf diese Anfrage erwiedere ich, daß ich die fraglichen Stücke aus dem einzigen Grunde nicht ausgenommen habe, weil dieselben bloße Erweiterungen und Ausschmückungen des rezipirten Tertes sind, und durchaus keinen seltststäni digcn Charakter haben, wie aus der hier folgenden kurzen j Inhaltsangabe leicht zu ersehen ist. > 1) Am Anfänge des Buches vor dem Beginne der geschichtlichen Erzählung wird in der alerandrinischen Ueber- | setzung ein Traumgestcht des Mordechai berichtet, in welchem! ihm die den Israeliten drohende Gefahr und bevorstehende! Errettung sinnbildlich angedeutet wird. Durch eine Pro-! lepsis wird die durch Mordechai entdeckte Verschwörung der! zwei Kämmerer, welche aber hier andere Namen haben, 26*

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