Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1841
- Issue
- Heft 26 (25.6.1841)
- Date
- 1841-06-25
- Page
- Seite 202 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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202 Jünglingsalter nach Cassel zurück, und begab sich nun auf den Rarh und durch die Vermittelung eines Verwandten, der denselben Beruf ergriffen hatte, zum damaligen General-Staabsarzt vr. Kirchmeyer in die Lehre, um unter dessen Anleitung einen präparatorischen chirurgischen und mcdicinischen Cursus zu machen. Durch regen Fleiß und unermüdliche Thätigkeit erwarb er sich schon hier gute ärztliche Kenntnisse, sowie er sich durch sein einnehmendes und zuvorkommendes Betragen die Zuneignung und das Wohlwollen seines genannten Lehrers und Vorgesetzten, der ihm schon während dieser Lehrzeit die selbstständige Besorgung vieler seiner Patienten, besonders chirurgische Fälle, übertragen konnte, in hohem Grade gewann. So Hane cs Fiorino nach einer kaum dreijährigen Lehrzeit, dahin gebracht, daß er bereits im Jahr 1818;, nach vorgängiger Prüfung bei'm Ober-Medicinal-Collegium in Cassel, durch eine allerhöchste Entschließung Kurfürst Wilhelms 1. als Compagnie-Wundarzt angeftellt wurde, und zum damaligen Grenadier-Bataillon von Loßberg nach Ziegenhayn in Garnison kam. Nicht volle drei Jahre versah er diese Stelle, als er durch eine andere Gnade seines Fürsten, nach einer damals bestandenen Einrichtung, vermöge deren die Militärärzte, unter Fortbeziehung ihres Gehaltes, zu ihrer weitern Ausbildung die Landesunivcrsität besuchen konnten, vor mehreren Andern auf eine ihm höchst erfreuliche Weise ausgezeichnet und zur Vollendung seiner ärztlichen Studien nach Marburg geschickt wurde. Fast gleichzeitig trat im I. 1821 mit dem Regierungsantritt Kurfürst Wilhelms II. eine Reorganisation des kurhessischen Armeecorps ein, durch die Fiorino dem dritten Linieninfanterie-Regiment, Landgraf Carl, zugeführt, und ihm eine Gehaltserhöhung zu Theil wurde. In Marburg absolvirte er nun den vollständigen Cursus der Medicin und Chirurgie, und da er auch später hier in Garnison blieb, so kam ihm besonders der vertraute und lehrreiche Umgang des als Anatom und Operateur ausgezeichneten Geheimen Medicinalraths Professor vr. Bünger trefflichen Statten; denn dieser zog ihn zu allen wichtigeWvperationcn, die er vornahm, hinzu, und bediente sich seiner bald als Assistenten, so daß Fiorino auf diese Weise Gelegenheit erhielt, die seltensten chirurgischen Fälle zu beobachten und mitzubehandeln, und sich so auch selbst zu einem vorzüglichen Operateur zu bilden, als welchen er sich späterhin durch zahlreiche, mit glücklichem Erfolg ausgeführte, selbstständige Euren bewährt hat. Denn sowohl in Marburg als in Ziegenbayn und Hanau, in welchen Städten er zu verschiedenen Zeiten in Garnison lag, genoß er wegen seiner schönen, auf Erfahrung gegründeten Kenntnisse und seiner unermüdlichen Thätigkeit, zu denen sich ein äusserft liebevolles und humanes Wesen gesellte, den wohlverdienten Ruf eines tüchtigen praktischen Arztes, und erfreuete er sich, neben seiner militärischen, einer ausgezeichneten Civilpraxis. Mehr noch als seine ärztliche Tüchtigkeit trug hierzu seine seltene Güte bei, durch die er dem Hülfcruf der Armen und Niedern mit gleicher Bereitwilligkeit, wie dem der Reichen und Vornehmen folgte, und jenen nicht bloß die unverdrossenste ärztliche Sorgfalt angcdcihen ließ, sondern sie auch durch lindernden Trost und milde Unterstützung aufrichtete. Im I. 1835 ward Fiorino, nachdem er bereits mehrere Jahre zuvor das höhere ärztliche Staatsexamen gemacht und als Baiaillons-Arzt functionirt hatte, durch die Gnade Sr. Hoheit des Kurprinzen und Mitregenten zum wirklichen Bataillons-Arzt im Jägerbataillon befördert, und kehrte dadurch aus der Garnisonsstadr Hanau in seine Vaterstadt zurück, wohin er sich, besonders aus Rücksichten der edelsten Pietät, lange gesehnt hatte. Bald sah er sich auch hier wegen scines rastlosen Eifers in Erfülluug des ärztlichen Berufes von einer bedeutenden Anzahl Patienten aus allen Ständen in'Anspruch genommen, so wie durch die seltenen Vorzüge seines Herzens allgemein geachtet. Da er einzig und allein in seinem Berufe lebte und webte, und in demselben seine Lebensfreude fand, so wies er niemals einen Leidenden zurück, vergaß vielmehr über der Hülfe, die er Andern so gern brachte, der Pflege der eigenen Gesundheit, und ließ sich oft, besonders in der letzten Zeit, bewegen, mehrere Nächte hintereinander bei Kranken, die sich seiner als Arzt bedienten, oder ihn auch nur als Freund berathend hinzugezogen hatten, wachend zuzubringen, worauf er dann am Morgen, sich selbst Erholung und Stärkung seiner Kräfte versagend, nichts desto weniger seine gewöhnlichen Krankenbesuche machte. So zog sich der menschenfreundliche Mann, kein Ungestüm der rauhsten Witterung während des letzten Winters beachtend, eine Erkältung zu, die er bei seinem übrigens kräftigen und abgehärteten Körper anfangs