Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1841
- Issue
- Heft 25 (18.6.1841)
- Date
- 1841-06-18
- Page
- Seite 195 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3133765-3133874-3133900--1193-3135415- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
195 den, solche Schritte zu thun, als am geeignetsten erscheinen, um den Juden in ihrem eigenen Lande vollen Schutz zu verschaffen; ihnen auch Beistand zu leisten, daß sie von ihrem eigenen Lande Besitz nehmen können, sei es durch Kauf oder andere Mittel, und allen denen, welche gern in ihr Erbland zurückkehren möchten, jeden Vorschub zu gewähren. Wir verharren rc. Diese Denkschrift ward von allen Protestanten, denen sie vorgelegt ward, gern und freudig unterzeichnet; viele Katholiken, Geistliche sowohl als Laien, fanden sich von selbst zur Unterschrcibung ein. Auf dieselbe ward dem genannten Vorsitzer folgende Antwort. Foreign-Office, March 8Ü11841. (Auswärtiges Ministerium 8. März 1841.) Mein Herr! — Im Aufträge des Viscount Palmerfton soll ich Sie ersuchen allen denen, so in Carlow und der Umgegend die aus Carlow unterm Lten d. M. dem Lord Pälmerston übersandte Denkschrift unterzeichnet haben, — in welcher Ihrer Maj. Regierung gebeten wird, zu Gunsten der Juden, welche sich in Palästina anzusiedeln oder dahin zurückzukchrcn wünschen, sich zu verwenden,--zu eröffnen, daß S. Gnaden die erwähnte Denkschrift richtig empfangen habe, und ihnen die Versicherung zu geben, daß dessen wichtiger Gegenstand der Aufmerksamkeit Ihrer Maj. Regierung nicht fremd geglieben, welche bereits Schritte gethan hat und noch thut, die, wie sie mit Zuversicht hofft, nicht ohne Erfolg sein werden, um denjenigen Juden, welche in Palästina sich niederzulassen beabsichtigen, volle Sicherheit der Personen und des Eigenthums zu erwirken. Ich bin rc. (gez.) I. Backhouse. Geschichte und Literatur der spanischen Juden. (Fortsetzung.) Hier folgt ein Auszug aus dem 16ten Capitel des Werkes, über die Literatur der Spanischen Juden. Das Zeitalter des Maimonidcs, Aben Esra und Kimchi (A. E. sollte zuerst stehen) ist bemerkcnswerth als ein Wendepunkt der jüdischen Gelehrsamkeit und der rabbinischen Religion, und dies scheint nun der angemessene Ort, um diese zwei Stücke vollständiger zu untersuchen, als im Laufe der Thatsachen-Erzählung geschehen kann. Das Volk besaß seit undenklichen Zeiten einen Stand von Gelehrten, mit einer Literarur, die dem Umfange nach nur von der aller Länder des Chriftenthums zusammengenommen überragt ward; und der Thalmud sagt: „Jeder zum Lernen Verpflichtete ist auch zum Lehren verpflichtet." Jede Zeitperiode muß demnach unter dem starken Einflüsse der eben verflossenen Zeit stehen (?); aber nach allgemeiner Erfahrung der Menschheit gehörte eine nationale Vorbereitung mehrerer Jahrhunderte dazu, um die größten Gelehrten hervorzubringen. (Diese Periode ist uns nicht recht verständlich.) Ein großer Theil ihrer Literatur besteht, wie man erwarten darf, in Commentaren zur h. Schrift, in Erläuterung des Thalmuds und gesetzlichen Entscheidungen. Bei einem unter der besonder« Führung, welcher es sich heimgegeben denkt, stehenden Volke, muß dies der wesentliche Theil ihrer Gelehrsamkeit sein. Die Jrrthümer ihrer Grundlehren (?) wurden stets weiter geführt, aber ihre religiösen Schriften zwischen dem 7ten und 13ten Jahrhundert, entwickelten einen Untersuchungsgeift und Scharfsinn, weit überlegen denen der christlichen Kirche aus derselben Zeit. Sie zeichnen sich besonders aus durch Beachtung der grammatischen Erkenntniß der Sprache, um ihrer selbst willen; kein Volk hat je die spanischen Juden in der genauen Bearbeitung der Sprachlehre, in der Sorgfalt der lexicalischen Forschungen, oder in den Vorzügen, die ihre Abschriften schätzenswerther Bücher darthun, übertroffen. Die hebräische Literatur hat von jeher einen strengen Ernst behauptet, gleichsam um zu zeigen, daß die Gabe der Sprache ein Geschenk des Himmels ist, das eine zu tiefe Verantwortlichkeit des Gebrauches in sich schließt, um irgend leichtsinnig gehandhabt zu werden; und daß das Alphabet selbst, dessen sich Gott in seiner Herablassung auf den steinernen Tafeln bediente, ein zu heiliges Gut (benefit) sei, als daß die Leichtfertigkeit sich daran wagen dürfte. Die meisten arabischen Nationen sind in ihren Reden bedachtsam, aber vorzugsweise sind es die Juden. Sie waren ein ernstes Volk in ihrer Heimaih, und noch ihre später« Schriftsteller haben sich stets solcher Themata enthalten, welche, ihrer 25*