Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1841
- Issue
- Heft 24 (11.6.1841)
- Date
- 1841-06-11
- Page
- Seite 190 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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190 hatten diese dem Consistorium und allen jüdischen Behörden so viel Hindernisse bereitet, daß sämmtlichc Mitglieder der jüdischen Behörden im Januar c. ihre Dimission beim Minister des Cullus eingereicht haben, welche auch angenommen worden sei. (Uns ist nichts Näheres darüber bekannt. Wir bitten die Sachkundigen um genauere Nachricht; denn es scheint hier manches nicht nach innern Gründen dargestellt zu sein.) St. Nico lau in Ungarn. (Schluß.) Es ist Nr. 48 der Annalen vorigen Jahres der Wunsch ausgesprochen worden, daß dem verderblichen Chastdäismus von Seiten der Obrigkeit auf eine die Gewissensfreiheit nicht verletzende Weise entgcgengearbeiret würde. Dies dürfte Manchem wie jener Auftrag: „Zerbrich das Faß und laß den Wein nicht herauslaufen!" erschienen sein. Man soll eine fanatische Sekte durch obrigkeitliche Gewalt von ihrem Irrwahn abbringen, und dabei doch die Gewissensfreiheit nicht verletzen! Ich will daher die obrigkeitlichen Mittel zeigen, wodurch das Uebel an der Wurzel würde gepackt werden, ohne der Gewissensfreiheit im Geringsten zu nahe zu treten. — Man soll nämlich erstens den chasidischen Rabbi's ihre angeblich glück- und heilbringenden Segen und Mittel zu ertbeilen, zwar erlauben, aber nur unentgeltlich. Glauben sie anders an die Wundcrkraft ihrer Segen und Mittel, wozu die schweren'Gclderpressungen, die der Ertheilung vorhergehend Können sic doch meistens von ihren anderweitigen Revenuen reichlich leben! Aber nur durch jene Erpressungen wird cs ihnen möglich, ihr unseliges Spiel zu treiben! Sie werden dadurch in Stand gesetzt, eine Menge von Taugenichtsen und Trunkenbolden in ihr Interesse zu ziehen und sie darin zu erhalten, die dann durch allerlei Mittel die Prophetie und Wunderthatkrast ihrer Meister den Haufen weiß machen, bis er ihnen bethört nachströmt und zu ihrer Beute wird. Ist man einmal in ihre Klauen gefallen, so kann man sich nicht so leicht wieder von ihnen loswinden. — Unbeschreiblichen Unfug treibt in dieser Hinsicht ein gewisser R. Hirsch Romanow, der auch Oberungarn zu bereisen und vampirartig auszusaugen pflegt. Seine ganze Heiligkeit rührt nur daher, daß er das Pferd führte, welches den nunmehr verstorbenen heiligen R. Mendel fuhr. Wenn solche Heiligkeit dem Führer des Pferdes zu Theil ward, welche mußte erst dem Pferde selbst geworden sein! Aber ach, es ist nicht mehr, es ist zu seinen Vätern eingegangen! — Das andre Mittel liegt in der Errichtung zweckmäßiger Schulen in der Erklärung aller Kinder für schulpflichtig. Auch hier bedarf es nur des obrigkeitlichen Befehles. Dieses langsamere, aber desto sicherere Mittel würde die aufblühende Generation für das chasidische Gift unempfänglich machen, und auch auf die Erwachsenen wohlthätig wirken. Denn je tiefer die Sonne der Aufklärung sinkt, desto größere Dunkelheit und Schatten verbreiten natürlich die finstern, die Strahlen abwerfenden Wesen; ist aber einmal jene Sonne in ihrem Zenith, dann verschwinden die Schatten, und die finstern Wesen können selbst ihrer nächsten Umgebung nicht mehr das Licht entziehen. — Dieses sind die Mittel, durch welche der höchst verderbliche Chasidäismus mit der Zeit ausgerottet werden könnte. Vom Schriftenthum läßt sich wenig erwarten, höchstens ein Verwahrungsmittel für die Nicht-Chasidim, die Chasidim verketzern nicht nur alle im entferntesten gegen ihre Secte und Oberhäupter gerichteten, sondern auch alle von einem Ver- , faffcr herrührenden Schriften, der ihrer Seele nicht zugethan ist. In mündlicher Unterredung ist ihnen gar nicht! beizukommen, denn sie führen die schlagendsten Beweise jj mit der Faust! — B. M—sch. j Gallizien, März. *) — Wir sind der Herablangung eines neuen Iudensysteins gewärtig, woran schon seit > einigen Decennicn gearbeitet wird, und steht zu besorgen,! daß manche Verordnung bei jetziger Zeilrichtung als unstatthaft erscheinen möchte. — Man meldet daraus folgende j Punkte als zuverlässig: Wer sich deutsch kleidet, moralisch gut führt, die drei deutschen Schulen absolvirt hat, kann; in Lemberg überall wohnen, so auch auf dem flachen Lande. Es wird gewiß gestattet werden, Mühlen zu pachten; wegen Landgüter will die hohe Regierung sich noch Vorbehalten, im Einzelnen zu bestimmen. Wo keine Schulen sind, sollen solche aus dem Schulfonds angelegt werden. Zum Hcirathen wird das Alter von 22 Jahren (wahrscheinlich nur männlicher seits) erfordert. — Bald wird noch mehr darüber bekannt werden. Man schreibt aus Mailand: Die Verhältnisse in den italienischen Ländern sind zum Theil besser als man sie! dargestcllt findet. Zu Modena ist es den Juden gestattet, j überall offene Läden zu halten; wohnen aber müssen sie in! den ihnen eigenen Ghetti, worin kein Christ wohnen darf. : — In Parma, Piacenza und Guastalla haben die Juden I (etwa 500 Seelen) volles Bürgerrecht, bis auf den Ju-! beneid, welcher nach dem österreichischen geregelt ist. Bei! der Municipalität von Parma ist ein Jude als Secretär, : bei der Köuigl. Druckerei einer als Jnspeelor, und in Gua-! stalla auch einer in einem öffentlichen Amte angestellt. Viele! Jünglinge widmen sich den schönen Künsten. In Mantua! wird eine Schule mit Chor eingerichtet; die Opposition ist i; durch das Gutachten des Leo di Modena zu R. Salomo dei!! Rossi's Musikalien (vgl. Annalen 1840. S. 430) beschwichj; tigt worden. In Verona ist man schon damit weiter fort-! geschritten. Hier in Mailand wohnen etwa 509 Juden,! welche sich sehr gut befinden. — j — Wie verlautet, protestirt der Ziolkower Rabbiner gegen i die Andeutung in den Annalen Nr. 0, als hätte er in seij nen Schriften sich mit fremden Federn geschmückt, und naj mcutlich soll Herr vr. Geiger erklärt haben, daß er in i den Werken C Hajes keinerlei Plagiat aus seinen Schriften! gefunden. **) | Ansbach, 25. Mai. — Gestern fand hier die Radbi-! Neuwahl statt. Es waren 140 Stimmberechtigte größten- > theils persönlich anwesend, einzelne durch gerichtlich Bevollj mächtigre vertreten. Von diesen erhielt der sechs Jahre die i _ (i j! *) Von unfcrm gewöhnlichen Eorrcspondenten, was wir besonders bemerken, um anzudeuten, daß bas Nr. 17 aus Gallizien mitgetheilte Schreiben von einem andern, übrigens ebenfalls sehr zuverlässigen Correspondenten herrührt. (In der Folge werden wir des letztern Briefe durch eine Chiffer bezeichnen.) **) Wir finden dies um so begreiflicher, als bei zwei verschiedenen Sprachen ohnehin von wörtlichem Ausschrei-