Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1841
- Issue
- Heft 24 (11.6.1841)
- Date
- 1841-06-11
- Page
- Seite 187 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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187 Geschichte und Literatur der spanischen Juden. Ein literarischer Bericht, aus dem Englischen (Jewish Intelligence, April 1841) mit einigen Anmerkungen vom Herausgeber. Es ist eine recht erfreuliche Thatsache, daß die Berichte der englischen Missions- und Converstons-Gesellschaften sich nicht mehr auf trockene Tagebücher beschranken, die oft ganze Bogen hindurch einander ähnlich sahen und durchaus! nichts Anziehendes darboten, als höchstens die Angabe des täglichen Wirkens mit seinen Freuden und Leiden, — sondern öfters auf die geistigen Thätigkeiten, welche innerhalb und außerhalb Israels ein gewisses Leben beurkunden, sei es einen beifälligen oder mißbilligenden Blick werfen; die Redaktoren des Jewish Intelligence namentlich geben dadurch zu erkennen, daß sie nicht mit ängstlicher Steifheit, wie früher häufig geschah, lediglich das Conversionsziel verfolgen, sondern daß sie zugleich die geistige Bewegung > beobachten und nach ihrem Werthe würdigen wollen. Bleibt! nun ihr Urtheil stets nur ein individuelles und von einem Standpunkte aus gleichsam schon vorher bestimmtes, so sind sie doch andrerseits nicht ungerecht gegen bessere Bestrebungen, und erkennen das Gute, da wo es ihnen dem Hauptzweck nicht zu widerstreben scheint, an. Wir wünschen, daß die Gesellschaft ihre reichen Mittel und verbreiteten Verbindungen zur Erweiterung der historischen, literarischen und statistischen Kenntnisse betreffend die Israeliten benutzen möge; wir hegen die Ueberzeugung, daß die Beitragenden mit lebhafter Thcilnahme dergleichen Berichte lesen, welche dem Jewish Intelligence auch auf dem Festlandc einen noch pöhcrn Werth verleihen würden. — Der Bericht, den wir hier mittheilen, ist in einem humanen Geiste geschrieben. Wir geben ihn mit Auslassung des ganz Unwesentlichen, getreu nach dem Originale, uns vorbehaltend, über das darin besprochene Werk, sobald wir solches empfangen, unsrerseits nähere Auskunft zu geben. — „Jeder Freund Israels, welcher „trauert über die Trübsale Josephs," muß tiefen Schmerz empfinden über die unter Dienern Christi (und warum nicht auch unter den Juden, welche neben vielen Studien, gerade die Geschichte ihrer Väter und ihrer kirchlichen Entwickelung auf eine wahrhaft schmachvolle Weise vernachlässigen?) Herrschende Unwissenheit betreffend die wahre Beschaffenheit und Lage dieses wundersamen Volkes. Wir (nämlich die Christen) sprechen über Abraham, Jsaac und Jakob, wir erwähnen oft die Namen Petrus, Paulus und Johannes; wir erkennen gern an, daß unser „Herr von Judah abftammt," aber sehr viele, die dem nachahmen möchten, der über Jerusalem weinte, haben kaum sich einmal gefragt: „Sind •v wohl noch Ueberreste" aus dem berühmten Hause, welchen ich „Güte erzeigen" könnte, um des geliebten Meisters willen? Oder, wenn auch die Frage aufraucht, so wird sie beantwortet und beseitigt mir einem verächtlichen Lächeln oder mit einer unfreundlichen Anspielung auf etwas Unwürdiges oder Widriges, das man etwa im Betragen oder in der Gesinnung eines unglücklichen Individuums dieser Nation bemerkt hat. Inzwischen ist das nicht überall der Fall; manche giebt es auch, die im Vorübergehen wohl die Worte in's Herz nehmen: „Schau und sieh', ob cs einen Gram giebt gleich meinem Grame?" Wir hatten jüngst viele Beweise, daß „die Diener Gottes noch deren Steine gern sehen, und den Staub derselben noch lieben." Staatsmänner haben sich herbeigclassen, an Juda's ungerechtes Leiden und Israels Noth in der Gefangenschaft zu denken; Männer von Wissenschaft haben mitunter in der Geschichte dieses Wunder-Volkes geforscht, und einige der edelsten und hochgestellten unter uns finden sich, welche ihre Kraft vereinen, dessen geistigen Bedürfnisse herbeizuschaffen. Viel Forschung, Untersuchung und Nachdenken ist nöthig, um die wahre Beschaffenheit und Lage dieser unsrer Brüder in's Klare zu bringen. Sie sind von uns als Fremdlinge behandelt worden, und daher in einem Zustande düsterer Dunkelheit geblieben.-Um so mehr erfreuen wir uns jedes Schrittes, der gethan wird, und jeder Mühe, die man sich giebt, um auf die frühere und gegenwärtige Geschichte des Samens Jakob Licht zu werfen.-Die Juden werden gewöhnlich in zwei große Klassen (Massen) I eingetheilt; die eine bestehend aus denen, die seit j vielen Jahrhunderten vornehmlich in Polen und den j benachbarten Ländern wohnten; und die andere, gemeinhin Spanische genannt, die große Zahl derer, welche auf jener Halbinsel ihren Sitz hatte. Die Ersteren heißen bei den Juden Aschkenasim (Deutsche), die Anderen Sephardim (Portugiesen). Jüngst ist ein Werk erschienen unter dem Titel Sephardim, or the History of the Jews in Spain and Portugal, by James Finn (das ist: Sephardim, oder Geschichte der Juden in Spanien und Portugal, von James Finn) auf welches wir alle Freunde aufmerksam machen wollen, indem es über viele Seiten dieses sehr interessanten Theiles des jüdischen Volkes höchst nützliche Belehrung darbietet. Wir 04*