Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1841
- Issue
- Heft 22 (28.5.1841)
- Date
- 1841-05-28
- Page
- Seite 174 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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174 eine schwere Versündigung an den Manen eines Mannes, der über Prahlsucht und Großthuerei weit erhaben ist, und aus dessen Munde man, wie Salomon Maimon sagt, die Ehrfurcht einflößende Stimme der Wahrheit selbst zu hören glaubt! Irren konnte sich Maimonides, aber sein moralischer Charakter ist makellos, und es ist unredlich, diesen beflecken zu wollen; noch unredlicher, wenn die Schmähung durch eine Hypothese mvtivirt ist, von der man selbst eingesteht, daß sie nicht erwiesen, und eine noch zu entscheidende Frage sei. Und nicht blos unredlich, sondern auch unvernünftig. M. betrachtet allerdings den More Nebuchim als das erste Werk dieser Art, und sagt ausdrücklich in seiner Vorrede, daß ein solches seit dem Untergange des jüdischen Staates nicht unter unsern Glaubensgenossen verfaßt wurde. Allein die Originalität des More Nebuchim besteht keinesweges in der Neuheit der philosophischen Speculationen. M. will uns nirgendwo seine Philosophie für eine von ihm selbst producirte ausgeben, und bekennt sich an unzähligen Stellen als Schüler der aristotel'schen Philosophen. Die Originalität dieses genialen Werkes besteht vielmehr in dem umfassenden und nach den Hauptseiten ausgeführten Streben der Nachwcisung, daß eine völlige Pebereinstimmung statt finde zwischen den Lehren der Philosophie und den geoffenbarten Lehren der heiligen Schriften. Was konnte also M. bewegen, die philosophischen Forschungen der per- I fischen Juden zu ignoriren? Wenn sie auch unabhängig i von den Arabern die philosophischen Studien pflegten, sind I darum die Leistungen des Maimonides weniger bahnbrechend? Was die Hypothese selbst betrifft, so möchte ich, da dergleichen selbstständige Produktionen der persischen Juden! schon zur Zeit des Maimonides, der nach der Benutzung j aller in das Fach seines Unternehmens einschlagenden Hülfsmittel und Vorarbeiten eifrigst *) strebte, sich nicht fan-! den, gerade die entgegengesetzte Meinung des F. D. als j entschieden gewiß annehmen. (Cf. Lb. d. Orients 1840. S. 699. Anm. 4.) (Schluß folgt.) Nachrichten und Correspondenzen. London, Mai. — Mr. Raphall, durch mehrere literarische Sammlungen, neuerdings durch seine Theilnabme an der Englischen Bibel-Bearbeitung bekannt, hat bei der Gemeinde zu Birmingham eine Anstellung als Lehrer, Prediger und Secretär erhalten, welchen Fächern er in jeder Beziehung gewachsen ist, und es steht zu hoffen, daß er dort viel Gutes wirken werde. Die neue, in unsrer Mitte entstandene Gemeinde hat sich constituirt, und vorläufig einen ziemlich fähigen Mann als Director angestellt, während sie noch einen tüchtigern Geistlichen sucht, welcher mit ausgezeichneten Kenntnissen die Fähigkeit Englisch zu predigen verbindet. Sie wird aber *) Cf. More 1. Cap. 71. P. 54b. L. 5 u. 111. Cap. 49. P. 179» L. 11. edit Venet. allem Anscheine nach sehr sorgfältig wählen, und dieß dürfte der Grund sein, baß man vorläufig der Sache keine weitere Publicität giebt, dis erst noch manche Schwierigkeiten gehoben sind. Zn diesem Augenblicke druckt sie das Gebetbuch, sowohl das tägliche, wie das für die Festtage, nach dem spanisch-portugiesischen Ritus, jedoch mit Auslassung vieler Rabbinischen Nebendinge. Manche Einzelnheiten sind abgeändert; das Kaddisch ist rein hebräisch; in der Kedlisch ah hat man alle kabbalistischen Ideen verworfen. Man beabsichtigt auch bei dem täglichen Gottesdienste ein Stück aus der heiligen Schrift vorzulesen. Das Wichtigste, was sie reformirt hat, ist die gänzliche Abschaffung des zweiten Festtages. Ueber den zweiten Neujahrstag haben große Debatten statt gefunden, endlich haben sie, wiewohl ungern, sich doch zu dessen Beibehaltung bequemt. Nächstens ausführlicher darüber. Frankreich. — (DieSchulen zu Kahira und Alexandrien.) Auszug aus einem Schreiben des Herrn C l o t B e y an Herrn Cremieur; aus Kahira vom 24. März.— Die von Ihnen gegründeten Schulen gedeihen vortrefflich und es gehen dahin jetzt fast alle Knaben und Mädchen der jüdischen Bevölkerung zu Kahira. Ich gestehe, ich hätte nie geglaubt, daß Vorurtheile und Widerstände so leicht zu besiegen wären. Die Verwaltung ist noch ein wenig unerfahren, und alle Mitglieder kennen vielleicht noch nicht die Wichtigkeit ihres Berufes; aber einige Erinnerungen Ihrerseits und die Einführung von 3 oder 4 Europäern in dies Comite, würde meines Erachtens genügen, sie auf ein gutes Verfahren hinzuleiten. » Der wackere Herr Luzzato wirkt Wunder; er hat die ersten Monate dahin gearbeitet, Monitoren zu bilden, und sobald das Lokal fertig war, haben die Lectivnen regelmäßig ihren Cursus begonnen. Auch Madame Rossi erfüllt ihre Pflichten sehr treu; sichtlich ist in ihrer beider Bestrebungen Eintracht zu erkennen. Die Zöglinge schreiben und radebrechen schon etwas Französisch; ich bin, so oft ich zu Arteludi gehe, erstaunt, diese Kinder, welche vor kurzem noch wie ein junges Wild, bei'm Anblick eines Fremden die Flucht ergriffen, jetzt so zahm zu sehen, daß sie keinen Franken vorbeipassiren lassen, ohne ihn auf französisch zu.grüßen. Ihre Schulen nützen nicht den Israeliten allein; Ihr Beispiel hat die Nacheiferung der Christen geweckt, die eben so unwissend sind wie jene, und sie wollen nun eine eben solche Schule gründen. — Ihre Schule zu Alexandrien soll ebenfalls die glücklichsten Erfolge gewähren. Obgleich das von Ihnen zu Kahira gewählte Lokal gut eingerichtet worden, so wäre es doch besser, sobald Mittel dazu vorhanden sind, ein neues zu suchen, bei welchen ein Garten oder wenigstens ein großer Hof wäre. Ein solches wäre in demselben Viertel wohlfeil zu haben. — Ich hoffe noch immer. Sie wieder Herkommen zu sehen, damit Sie Ihrem höchst menschenfreundlichen, die Civilisation fördernden Werke die Vollendung geben.