Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1841
- Issue
- Heft 21 (21.5.1841)
- Date
- 1841-05-21
- Page
- Seite 165 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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nelle denkwürdige Ereignisse finden mehr oder minder Eingang in die Synagogen - Gebete. Und da die nationellen Ereignisse jener Zeiten nur dadurch hohe Seelenstärke in Israel hervorleuchken lassen, daß fie den trüben Geist der Religions-Unduldsamkeit und Verfolgung athmen, so lassen alle Gebete, in denen das Andenken der Märtyrer verewigt wird, die Ausflüsse der momentanen Aufregung des Gefühls, der hehren Darstellung der heldenmäßigen Seelenstärke einerseits, auf der andern Seite Worte der Unduldsamkeit, Haß und Rache gegen Andersgläubige folgen. Sollen nun diese Worte, Geburten jener mit Schmach bedeckten Zeitereig- J nissc, Worte, deren Entstehen Ströme von unschuldig vergossenem Blute hinlänglich entschuldigten, noch jetzt, nach so vielen Jahrhunderten fort und fort in unfern Synagogen ertönen? Worte, die so sehr dem Geiste unserer Religion, wie dem aus ihr entspringenden Geiste der Synagoge widerstreiten? Schon die ältern Zeiten arbeiteten hiergegen. So werden schon seit Jahrhunderten in dem die anstößigen Worte weggekassen. In der n2i"IN des Sabbaths vor yc fehlen in den meisten Ausgaben die Verse mit und 'D anfangend, weil fie Ausfälle gegen das Christenthum enthielten. In rpinitf ist in der ersten □p.’in L2VD immer der Vers, welcher von nicht israelitischen Glaubensgenossen handelt, ausgeworfen (in Muolisor der Gemeinde zu Worms zu finden); der zweite Q^n EVD fehlt ganz in den meisten Ausgaben. Besonders zeichnet fich der Ritus von Frankfurt durch Purificirung solcher Gebete aus. So wird daselbst auch der ganze erste LDV© und der E’PD DDiTC^E daselbst ausgelassen. Letzterer sonst sehr schön, bloß wegen der Schlußworte. Soll aber das Gedächtniß jener Glaubenshelden, die für die Religion ihrer Väter Blut und Leben ließen, nicht mehr bei den späten Enkeln gefeiert werden? Ich dächte, wer dieses verneinte, verletzte nicht nur die Pietät, sondern widerspräche zugleich dem obenangeführten Princip der Synagoge, neben der Verherrlichung Gottes, des Weltschöpfers und Regenten, Rationelles zur Erhebung des religiösen Gefühls einzuführen. Warum auch gerade einer Zeit, deren Sinn ohnedem dem Materiellen so sehr zugewendet ist, diese geistige Erhebung rauben? Der Haß ging unter, und soll nicht wieder heraufbeschworen werden. Die heldenmäßige Tugend aber soll die Feuerprobe der Zeit bestehen. (Schluß folgt.) Nachrichten und Correspondenzen. L o n d o n, 4. Mai 1841.—Vergangenen Sonntag überreichte Hr. F e i st aus Frankfurt a. M., in Gesellschaft einiger andern Herren in Park Lane dem Sir Moses Montefiore die Addresse Frankfurter Gemeinde-Mitglieder. Herr Feist hielt eine sehr angemessene Anrede und Sir Moses erwiederte in schönen und gewählten Worten seinen wärmsten Dank ausdrückend, indem er zugleich bemerkte, daß gewiß der Eifer eines jeden der mit Unterzeichneten Männer eben so viel für die Sache der Wahrheit und der Religion zu thun bereit wäre, wenn es eben die Gelegenheit forderte. — Man verweilte dann noch in traulichem Gespräche bei einigen Erfrischungen. Zugegen waren noch Lady Montefiore, Dr. Loewe, Herr Sampson Samuel (derSecretär des Comite). Dr. Loewe mußke dann die Englische Uebersetzung vorlesen, und gab hierauf manche interessante Notizen über einige Personalitäten der durch literarischen Ruf ausgezeichneten Gelehrten, deren Namen sich unter den Unterschriften fanden. — Von Syrien her giebt das Morning Chronicle eine Privatcorrespondenz, aus welcher die Beschreibung des glänzenden Empfanges des Oberst Churchill bei den Juden zu Damask einiges Interesse haben wird. „Das wichtigste Ereigniß, welches mit der Ankunft des Generals Iochmus in Damask in Verbindung steht, und sehr großes Aufsehen gemacht hat, war die glänzende Aufnahme, welche die Juden dem Oberst Churchill bereiteten, welcher dieser bisher unterdrückten Gemeinde den Hattischerif des Sultans überbrachte. Oberst Churchill hatte diesen Auftrag von S. Moses Montefiore empfangen, welcher diesem Landsmann noch mehrere wichtige Papiere und Dokumente für verschiedene Städte in Palästina mitgegeben hatte. Am Isten März ward dem Oberst Churchill ein prachtvolles Gastmahl gegeben im Hause des Herrn Farki, des ersten Banquiers zu Damask. Alle englischen und österreichischen Stabsofficiere des Generals Iochmus waren eingeladen. Die vornehmen Gäste wurden am Eingänge des großen Hofes von Herrn Farki und einer Deputation der vorzüglichsten jüdischen Kaufleute empfangen, und in das Staatszimmer, welches zu diesem Zweck offen stand, hinein geführt. Der große Hof bildet ein Quadrat von 50 Ellen, durchweg mit breiten Marmorplatten belegt, in der Mitte befindet fich ein prächtiger Wasserbehälter, mit einem Springbrunnen; einige Orangen, etwa 40 Fuß hoch, mit Früchten prangend, schmücken andere Theile dieser schönen Fläche. Wenn man in den großen Empfangssaal eintritt, wird das Auge geblendet von dem Reichthum der Verzierungen, welche an Wänden und Decke angebracht find, die letztere ist ganz und gar mit Arabesken, j in reichster Vergoldung mit Zeichnungen in allerlei andern! Farben gemischt, überwoben; die 23 Fuß hohen Wände bilj den von unten herauf rundum ein fortlaufendes kostbares | Mustvwerk. Sieben sehr große Kronleuchter hängen in der! Mitte mit regelmäßigen Zwischenräumen durch den Saal! hin. Dicht am Eingänge steht ein Marmor-Springbrunnen,; 8 Fuß hoch, in welchem aus sechs Oeffnungen beständig das reinste Wasser springt. Ungefähr 4 Fuß breit ist der Boden um % Elle erhöht an drei Seiten des Saales, um die Divane zu bilden, welche in drei Richtungen in etwa vierzig Fuß Entfernung fich hindehnen, umgeben mit seidenen und sammemen Kissen und bedeckt mit herrlichen perfischen Teppichen. Nachdem die Gäste zu dem Hauptdivan hingeführt waren, und die Juden fich rund umher geordnet hatten, wurden Pfeifen, Caffee und Sorbet herumgegeben. Eine halbe Stunde später ward das Mittagsessen angekündigt, und alles