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Israelitische Annalen · 1841-05-21 · Heft 21 (21.5.1841) · p. Seite 164

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1841
Issue
Heft 21 (21.5.1841)
Date
1841-05-21
Page
Seite 164 (sequence 4)
Language
German
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164 unsere Zeit mehr als eine andere von der Wahrheit durchdrungen sein sollte, daß die Begriffe von Religion nicht in einer speziell dazu bestimmten Stunde allein beigebracht werden können, sondern daß. die Gesammterziehung damit in Einklang gebracht werden müsse. Zusatz des Herausgebers. Was hier Herr vr. Mayer in Anregung bringt, ist in dem Programm des Hrn. vr. Stern zu Berlin (s. vor. Nr. Corresp.) ausführlicher, nicht ohne scharfe Rügen, behandelt worden, und es hat dort, wie wir vernehmen, die Frage selbst einige Erwägung gefunden. Es läßt sich nicht leugnen, daß sie in größer» Städten, wo nicht, wie in Frankfurt am Main, eine allgemeine höhere Bildungsanstalt sich durch Jahrelangen Bestand consolidirt hat, nicht so leicht gelöset werden dürfte. Die augenscheinliche Collision der religiösen Erziehung, die durchaus manche eigenthümliche Rücksichten fordert, mit der bürgerlichen Schulbildung, welche diese Rücksichten nicht nehmen kann, macht es allerdings wünschenswerth, daß jede größere Gemeinde ihre eigenen Anstalten für angemessene Erziehung der Jugend bis zu einer gewissen Stufe besitze, und jedem somit Gelegenheit darbiete, seine Kinder, ohne Vernachlässigung der jetzt mehr als je nöthigen Schulbildung, und ohne Verletzung der Feiertage so wie ohne Verwirrung des Kindes durch ein Gemisch verschiedener Religionslehren, heranziehen zu können. Herr vr. Stern hat hierzu einen Plan entworfen, welcher freilich nach Ort und Umständen modificirt werden müßte; wenn irgendwo ein derartiger Plan wirklich zu Stande kommen sollte, dürfte der der Frankfurter Bürger- und Realschule, welche jetzt fast vier Decennicn durchlebt hat-, und nicht allein vieles an Erfahrungen zurückgelegt hat, die andere erst machen müßten, sondern auch in ihrer abgerundeten Gestalt, ihrer Frequenz und dem Eifer der daran thätigen zahlreichen Lehrer und Lehrerinnen, und endlich an Erfolg alles überbietet, was Privat kr äste irgend leisten könnten, geradezu als Anfangspunkt zum Muster genommen werden. Es wird sich dann leicht ergeben, daß manche Forderung des Herrn vr. Stern, welcher dem äußersten Extrem zustreben möchte, indem er selbst die deutschen Aufsätze in die Sphäre des Confessionellen hineinträgt, sich weder in der Ausführung, wegen Mangels an interessantem Stoff, insbesondere wo es auf Geschmacksbildung ankommt, noch in der Idee als Bildungsmittel, da die Ausarbeitung der Gedanken durch jede Beschränkung auf einzelne Stoffe gehemmt wird, bewähren würde. Ohnehin gebietet auch die jetzt bestehende Cultur, das Religiös - Confessionelle keinesweges als universelle Grundlage zu wissenschaftlichen Beschäftigungen zu nehmen, und nicht alle diese in jenes einzutauchen und zu durchtränken. Das würde später die Verwirrung nur verstärken, und überhauptdie Abneigung der vielen jüdischen Eltern gegen die confessionellen Anstalten, wegen des nachtheiligen Einflusses der Absonderung auf Sprache, äußere Sitte, Manier und sociale, Verhältnisse (aber nicht aus Mißtrauen, denn niemals haben die jüdischen Hausväter die Tüchtigkeit und den guten Willen ihrer guten Lehrer verkannt, eher haben sie oft ganz untauglichen Subjekten, welche zu blenden verstehen, zu viel Vertrauen geschenkt!) gewissermaßen rechtfertigen. Der wahre Nutzen der jüdischconfessionellen Schule besteht vielmehr, negativ, in der Vermeidung der allerdings durch den unsichern und simultanen Unterricht entstehenden wahren Glaubensverirrung und in der Abwendung mancher in der That schon der Jugend oft eingeimpften Gifte des Religioshasses und des Spottes, oder gar der Verführung der Jugend; positiv aber, in der dadurch zu erringenden Achtbarkeit nach außen, und anständigen Beschäftigung der in der Mitte der Gemeinde sich hervorlhuenden, in den meisten Staaten noch unbenutzt hinsterbenden Talente. Dieses alles sind wahrlich sehr erhebliche Rücksichten, welche einige Erwägung verdienen. Von diesem Gesichtspunkte aus pflichten wir den Ansichten derer, welche auf Errichtung confessioneller Schulen hinwirken möchten, um so eher bei, als wir am hiesigen Orte ein so anerkanntes und unwiderlegbares Beispiel vor Augen haben. Betreffend Aenderungen mancher Gebete. Von Bezirksrabb. Fürst in Heidelberg. Wenn es Prinzip des mosaischen Cultus ist, die göttliche Erscheinung in der Natur durch das Medium nationeller Beziehungen in Israel abzuspiegeln — ein Prinzip, das sich deutlich schon in der Duplicität des Charakters der ersten Offenbarung an Moses (Exod. Kap. 3, V. 14 u. 15), wo das absolute Sein, “ViN "wX rP“ls*/ Israel als Gott der Väter sich kund thut *) und^. in dem prevalircnden nationellen Charakter der auberweits als Frühlings-Erstlings- und Erntefest bezeichncten □'t^n V/b\L' 5» erkennen giebt, ein Prinzip, welches einem jeden aufmerksamen Beobachter der alten Religionen (wie gerade Dualismus, Polytheismus und Idvlolatrie meistens als verschiedene Arten des Naturdicnstes erscheinen) die Spur göttlicher Weisheit verkündet — so hat schon der spätere Prophetismus nach errungener, bereits festgegründerer Nationalität in Israel, indem er den allgemeinen Gesichtspunkt allmählich wieder hervorgehvben, ja auf dessen einstigen Sieg über das blos Nationelle im Iudenthume hindeutete, das Prinzip des Synagogen-Cultus: Die Verbindung der göttlichen Erscheinung in Natur und Volksgeschichte zurBelebung des religiösen Gefühls, vorbereitet. Dieses Prinzip der Synagoge hat sich seit mehr als 2000 Jahren bis auf den heutigen Tag erhalten. Doch in dem Laufe durch diese Zeit hat sie aus dieser Zeit Spuren ausgenommen, und natio- *) Daraus kann unmöglich der Schluß gefolgert werden, als habe das Judenthum die beschränkte nationelle Auffassung des höchsten Wesens (eine Idee, welche dem Iudenlhumr aufgebürdet wird, ihm aber völlig fremd ist) da doch gerade das absolute Sein sich als den Gott der Väter dem Volke näher führt. (Corresp.)

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