Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1841
- Issue
- Heft 21 (21.5.1841)
- Date
- 1841-05-21
- Page
- Seite 163 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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163 richteten die Jugend im Lesen des Hebräischen; Handelsleute, denen ihre Geschäfte mißlungen waren, nahmen zum Verderben vieler Tausende, ihre Zuflucht zu einem Stande, der in jener Zeit mit dem Betteln gleisam identisch war, und noch heute cirkuliren im Elsaffe von solchen Subjecren Anekdoten, die trotz ihrer Ergötzlichkeit den Menschenfreund mit Wehmuth erfüllen müssen. Um einigermaßen auf die Gesinnung und moralische Entwickelung einzuwirken, unternahm es der Rektor der Universität Straßburg, Herr Cottard, einige treffliche Lesebücher zu verfassen, wovon das eine: „Erinnerungen aus dem Leben Mendelsohns," von dem Central-Consiftorium für die jüdischen Schulen Frankreichs eingeführt wurde. Ein Werkchen desselben Verfassers: „RahelOtby," das als Produkt eines an Erfahrung und Wissen sehr reichen Geistes bezeichnet werden kann, und in welchem man auf jeder Seite dem umsichtigen Pädagogen begegnet, kleidet die herrlichsten Sittenlehren und Bibelsprüche in Form einer anziehenden Erzählung, und eignet sich deßhalb namentlich für erwachsene Töchter, allenfalls zum Lehrbuch für jüdische Feiertagsschulen. *) Einer der größten Mißstände, der die Besserdenkenden wirklich mit einigem Unwillen erfüllen muß, ist die Scheu vor Handwerken, und die Falle sind leider nicht selten, daß Individuen, welche sich irgend einem solchen Gewerbe gewidmet haben, spater wieder jenem Hange verfielen, der sie zum Handel antrieb. Diese traurige Erfahrung hat die Protektoren und Leiter der so wohlthätig wirkenden „eoolv du travail” neuerdings veranlaßt, diesem Institute eine größere Ausdehnung zu geben und Mittel aufzusuchen, ihren Wirkungskreis zu erweitern. In der jüngsten Zeit ist ein pädagogisches Werk, welches von einem Professor der hiesigen protestantischen Fakultät, Herrn Fritz, in die Welt geschickt wurde, mit vieler Heftigkeit gegen das so mißliche Vcrhältniß der zunehmenden Handwerksscheu aufgetreten, und man hätte diese Stimme mir einiger Freude begrüßt, wenn der'Verfasser nicht mit Lieblosigkeit gegen das Judenthum überhaupt sich ausließe und selbst die edleren Bestrebungen in Deutschland mit stiefmütterlicher Schilderung behandelt hatte. Wir können durchaus keine Reformatoren brauchen, die einen Paulus, Fries und Consorten als ihre Vorbilder annehmen und das Mährchen von einem besondern Staate, einem besonderen Volk unter den Völkern, nachschwatzen und durchaus nicht einsehen wollen, daß wir durch Sprache Sitten und Gebräuche mit unseren Landsleuten eng verbunden sind. Zum Glücke finden dergleichen Behauptungen bei der diesseitigen Gesetzgebung keinen Boden und sind somit unschädlich. — Auch dieMissionsgesellschaften suchen hie und da für das Chriftenthum Seelen zu gewinnen, und es wird hierin zuweilen durch Wort und Schrift auf die Menge eingewirkt; indessen sind ihre Bemühungen äußerst selten von einem Erfolge begleitet, denn der elsassische Boden ist durchaus nicht für die Bekehrung und nur selten für Die Verführung geeignet. Eine vor mehreren Monaten erschienene, schlecht (?) geschriebene und wegen ihrer Oberflächlichkeit*) nicht des Lesens wertheSchrift, die unter dem Titel: „Ein Gespräch zweier jüdischen Freunde über das Wort Gottes" erschienen, und die sich entblödcte, den herrlichen Spruch Salomo's: krov. IX, 9 als Motto an die Spitze zu stellen, ward durch die hiesigen Journale öfters angekündigt. Man verkaufte dasselbe für einige Sous, um es recht zu verbreiten; aber dasselbe trug höchstens die Frucht, daß der Verfasser, dem man bisher noch einige Kenntniß der heiligen Schriften zutraute, auch diesen geringen Ruf vollends verlor, und die Buchhandlung, welche es in Den Verlag genommen hatte, bei vielen Einsichtsvollen in einigen Mißcredit kam. — Die Zweckmäßigkeit von Errichtung confessioneller Schulen stellt sich hier mit jedem Tage mehr heraus, denn leider zeigten sich in Straßburg, und zwar erst noch in der letzten Zeit, Fälle, daß man jugendlichen Gemüthern Ideen einzupfropfen suchte, welche zuerst Zweifel und dann später Glaubensbekenntnisse zu Tage förderten, die von Der größten Verwirrung zeugen. Ich halte dafür, daß *) Es wird demnächst eine mit wesentlichen Verbesserungen versehene Ausgabe sowohl im Originale, als auch in einer sorgfältigen Uebersetzung erscheinen, und ich zweifle nicht, daß dieselbe namentlich in Deutschland, mit Freude begrüßt werden wird. *) Auch wir haben diese Schrift, obwohl gewohnt alles vom Standpunkte des Verfassers aus zu beurtheilen, und dadurch zur Billigkeit gegen Controversschriften geneigt^ keinesweges der Sache entsprechend gefunden, und zweifeln sehr, daß sie den beabsichtigten Eindruck machen kann. D. H. 21*