Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1841
- Issue
- Heft 20 (14.5.1841)
- Date
- 1841-05-14
- Page
- Seite 158 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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158 Denken, wie es sonst in manchen höher» Lehranstalten mit so großem Pomp als ein collegium logicuui Auftritt. Von Herrn Engelmann, Vorsteherder hiestgen Mädchenschule*) zur vollkommenen Zufriedenheit im Rechnen geprüft. Herr Lundsberg, ein jüdischer Theologe, (der bereits seit einiger Zeit in einem der hiestgen Bethäuser mit Glück als Prediger fungirt und sich durch seine gemäßigten und doch zeitgemäßen Ansichten den Beifall der Bessern bereits erworben) prüfte in der französischen Sprache, die abgerechnet einiger Germanismen in der Aussprache recht befriedigend ausfiel. Herr Levy (aus Altona) ein junger hoffnungsvoller Candidat der jüdischen Theologie auf hiesiger Universität, der seine Tüchtigkeit zumal als Exeget, in den gebildeteren Kreisen der hiesigen jüdischen Gelehrten bereits bewährt hat, prüfte in Geschichte, im Hebräischen, in Religion und in biblischer Geschichte. Zn der Geschichte, zumal der deutschen, waren sämmtliche Schüler fest, sowohl in synchronistischen als successiven historischen Angaben. Die biblische Geschichte zeichnete sich noch besonders aus durch ein tieferes Auffassen des Fadens der Erzeugnisse und der geschichtlichen Entwickelung, durch Belege aus der Bibel unterstützt. Das Uebersetzen aus den Proverbien und Zosua mit grammatischer Analyse ging sehr gut. Der Religionsunterricht zeugte von einer genauer» Bekanntschaft der mit jüdischen Dogmatik von Seiten des Lehrers. Wir können in Herrn Levy, nach den ersten Resultaten seines ersten pädagogischen Versuches zu schließen, einen tüchtigen Schullehrer erwarten. — Die Vormittagsprüfung schloß eine Rede des Herrn vr. Stern, welche in wenigen aber treffenden Worten die Bedeutung einer öffentlichen Prüfung angab, und eine Prämienvertheilung. Was das erwähnte zweite betrübende Faktum betrifft, so wollen wir nur kurz erwähnen, daß trotz der Gegenwart eines sehr angesehenen Publikums sehr'wenige der Eltern der Kinder zugegen waren.' Giebt's einen größer» Zndifferentismus? Wahrlich, bei solcher kalten Gleichgültigkeit wird das religiöse Leben in den gegenwärtigen Stürmen nicht aufrecht erhalten werden. Möge dieser Bericht, welcher der reinen Wahrheit und selbst dem Pflichtgefühle der Anerkennung des Verdienstes entflossen ist, dazu beitragen, die AufmerGunkeit der Bessern und Gottlob, wir haben deren nicht wenige, auf diese Schule, wie sie jetzt ist, und wie sie bei regerer Theilnahme des Publikums werden könnte und gewiß werden würde, hinzuleiten. B—sch. Copenhagen, 21. April. — Jüngst hat hier in der Gesellschaft zur Beförderung der Handwerke eine Prämienvertheilung Statt gefunden, bei welcher der Stiftsprobst Tryde eine Rede über den Gemeingeist hielt, die im Druck erscheint. Unter ven neuen bei der diesjährigen Ge- *) Ueber die neulich abgehaltene Prüfung dieser Anstalt kann Referent beiläufig, als Augenzeuge nur das Voriheilhafteste berichten, wie dies auch von einer Anstalt, an welcher Herr Engelmann, unter Mitwirkung des Herrn irr. Auerbach und anderer tüchtiger Schulmänner eifrig wirkt, nicht anders zu erwarten ist. neralversammlung gemachten Vorschlägen ist bemerkenswerth, daß man ein Capital von 10,000 Rthlr. als Hülfsgeld feststellen soll, um davon sowohl christlichen wie jüdischen Meistern im Nothfalle', jedoch nur gegen sicheres Unterpfand, einen Vorschuß oder ein Darlehen bis zum Betrage von 500 Rthlr. zu machen. Auch der Jahresbericht erscheint im Druck. Von der böhmischen Gränze. — WasRapaport's Stellung und Wirken betrifft, so wird wohl über ihn manches Wort der Unzufriedenheit gehört, und seine geringen praktischen Einschreitungen in anonymen und pseudonymen Briefen oft bitter gerügt; aber unverdienterweise. Rap.'s Stellung als Oberjurist ist an sich eine beschränkte, und wird noch überdieß durch den in allen religiösen Angelegenheiten intervenirenden Einfluß der übrigen Oberjuristen beschränkter, oft paralysirt. Er kann sich auch nicht als Prediger geltend machen, denn die deutsche Predigt wird in Pr. würdig durch den vr. Sachs vertreten, und dürfte es bei einem so entschiedenen Predigertalent, wie es vr. S. besitzt, einem andern Prediger nicht so leicht werden, sich Anerkennung zu verschaffen; als jam genießt er aber ungetheilten Beifall. Eben so schwierig wird ihm das Lehramt; denn wie viel R. auch in dieser Beziehung leisten könnte und wollte, so ist doch in Pr. das eigentliche wissenschaftliche Interesse viel zu wenig geweckt, und der Sinn für derlei literärhistorische Studien, wie sie in R. ihren würdigen Lehrer finden, mangelt hier fast ganz. Die alte Casuistik des Rabbi Ezech. Landau und Consorten seligen Andenkens sind bei den meisten hiesigen Thalmudisten noch in zu frischem Andenken, als daß sie in jenen -die wahre Wissenschaft so sehr fördernden Studien etwas »lehr als bloße Nebendinge erblicken möchten. Auch als Gewissensrath in Ritualsachen kann er keine besondere Autorität gewinnen, denn in diese Wirksamkeit theilen sich da 10—12 Rabbiner, und das Bedürfniß darnach war es gewiß nicht, welches R.'s Berufung nach Prag veranlaßt hat. — Da giebt es aber hier noch eine andere Klasse, die in ihren geträumten Hoffnungen sich deswegen getäuscht sehen, weil sie erwartet hatten, R. werde manche Erleichterung rücksichtlich der religiösen Praxis eintreten lassen; werde sich selbst als aufgeklärter Rabbi im Leben zeigen und manche Fessel der Ceremonialgesetze brechen. Diese Leute aber kennen nur zu wenig die Stellung eines Rabbiners. Dieser ist für die Gemeinde nur in so lange eine Autorität, als er selbst auf dem Boden der Autorität fest steht, und die Kette der historischen Autoritäten glaubend fortsetzt; wie er ein Glied in jener Kette bricht, so macht er sich selbst den Boden schwankend und unsicher, weil das Iudenthum größtentheils für das Positive bis jetzt keine andere Legitimation gelten läßt, als die Autorität früherer Zeit. — Ueberdieß ist R. ein sanfter, herzensguter und friedliebender Mann, und nach seiner ganzen Individualität nicht dazu geeignet, sich mit Rechtgläubigen und Aufgeklärten in einen Conflict einzulassen, der am Ende zu nichts weiter führt, als zur wechselseitigen Erbitterung. — Aber nur itz. einer Beziehung hätte eine Rüge gegen R.