Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1841
- Issue
- Heft 20 (14.5.1841)
- Date
- 1841-05-14
- Page
- Seite 156 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3133765-3133874-3133895--1149-3135366- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Rashi 1× ep/1002670
OCR text
~w 'WF - 156 - vvrübek. Die Vorbereitung, eine anregende Literatur und das Leben selbst machen die jungen Leute zu ganz andern, als wir sie vor ungefähr zwanzig Zähren kannten. Jetzt gilt es mehr, die angehenden Lehrer aus festen kirchlichen Boden zu stellen, von welchem aus sie mit Sachkenntnis und Begeisterung in ihrem Berufe wirken sollen. — Wenn aber, möchte ich 3) fragen, im Seminar zu H. der Unterricht der israel. Seminaristen so ganz originell, so ganz im neuen Extrem ertheilt wird, warum wird das jüdisch-deutsche Schreiben als Vorkenntniß gefordert, warum gerade dieser Älerentbehrlichste Gegenstand? Die spanischen und italienischen Juden kannten nie *) eine solche Schreibweise, die englischen, französischen rc. haben sie abgelegt, und auch im bayerischen Mittrlfranken hat diese Schrift aufzehört öffentlicher Ünterrichisgegenstand zu sein. Fordert man sie aber, «eil sie von den Einzelnen hin und wieder noch gebraucht und von der Gemeinde verlangt wird, je mm! der Commentar Raschi ist noch beliebter als Unterrichtsgegenstand; in keinem Falle aber hatte sich das Seminar um diese Schrift zu kümmern. Herr St. zeihe den Schreiber dieses weder der Verkleinerungssucht, noch des Obscurantismus. Des letzten ist, wie er selbst weiß, ein Schüler Sch—s nicht fähig. Nur das Interesse an dieser hochwichtigen Sache war die Triebfeter zu diesen Zeilen. K. Nachrichten und Correspondenzen. Italien. — Der in der Verschwörung von Modena im Jahr 1832 mit compromiltirte Eusiglio, Sohn einer reichen jüdischen Familie, welcher als schon die Veischworenen, vom Herzog selbst überrascht und sich gefangen zu geben aufgefordcrt, die zugesicherte Amnestie annehmen wollten, immer noch zum Widerstande rieth, und zuletzt ein Pulverfaß allzünden wollte, um Belagerer und Belagerte in die Luft zu sprengen, lebt jetzt in England. Seine Mitverschworenen haben alle mit dem Leben gebüßt, und er ist ebenfalls in Effigie zum Tode verurtheilt worden. Die Modenesische Gemeinde hat seine Keckheit damals mit einer halben Million Francs bezahlen müssen. Bologna, März. — Bologna, eine der blühendsten Gemeinden Italiens, hat jetzt weiter keine Ueberbleibsel des jüdischen Lebens früherer Zeiten, als eine Strada dei Giudei, und unter den 12—15 Fanülicnvätern, welche jetzt hier wohnen, ohne jedoch eine Gemeinde zu bilden, ist keiner, welcher über die Verhältnisse der hiesigen Gemeinde alter Zeit Auskunft geben könnte. Sie wissen nicht einmal mehr, wo der ehemalige Friedhof war. Sollten mich meine Wanderungen einmal wieder hieher führen, so behalte ich mir vor, bei'm Professor der Geschichte der hiesigen Universität Er- *) Dicß ist ein großer Irtthum, wie die RGA. beweisen. In der Sache selbst mag Herr K. recht haben. I. kundigungen einzuziehen. Im hiesigen Museum finden sich unter den Inscriptionen drei Grabschriften, die, wie der Custode mir sagte, in der Umgegend aufgefunden worden, (Folgen die Inschriften in hebräischen Versen ohne sonderlichen Werth.) Eine auf einen Knaben Menachem B. Abraham aus Ventura, Dienstag 6ten Thammus 315 (1555), eine zweite auf Abraham Iagel aus Fano, Sohn des Isak, gest. 24. Thaumus, 368 (1508), und die dritte auf einen Vorsteher Schabti Elchanan b. Isak Eljakim aus Rieto, gest. Sonntag den 23. Elul 366 (1546). — Der hier genannte Iagel ist vielleicht ein Urvater von dem bekannten Conveniten Abraham Iagel. (Wolff. Nr. 78.) Die Inschriften selbst enthalten nichts besonderes, außer, daß in der Zweiten der Name Dm3N‘ einen Verstheil bildet, und gut anspielt auf die Seligkeit des Verblichenen, und daß in der dritten die Engel des Himmels angerufen werden, diesem neuen Engel, welcher sich zu ihnen gesellt, zum freundlichen Willkommen den Flügel (die Hand schien dem Dichter wohl zu materiell) zu reichen, und ihn mit Frohlocken zu begrüßen. Merkwürdig dagegen ist die Form dieser letztem. Erstlich steht die Inschrift auf beiden Seiten des Steines, die Verse auf einer und Name und Datum auf der andern; zweitens befindet sich unter jeder Inschrift eine ziemlich gut gehauene Arabeske in das reliek, und zu beiden Seiten des Steines 2 Figuren, und endlich stehen Namen und Datum auf einem Parallelogramm, über welchem eine weibliche Figur mit aufgelöstem Haar angebracht ist, welche mit beiden Händen, die Ellenbogen stark nach außen gebogen, zwei Lehnen faßt, welche die Platte zu tragen scheinen. Man möchte geneigt sein, anzunehmen, daß die in Italien erwachten Künste auch das spröde Iudenthum an sich gezogen und dessen mannichfache Bedenken gegen hervortretende Figuren beschwichtigt haben. Was würden die polnischen und viele deutschen Rabbinen dazu sagen, wenn man Grabsteine mit solchen Figuren zieren wollte? sie, die oft gegen Einführung eines Leichenwagens auf's Heftigste eifem? — Berlin,*) April 1841. — In einem Blatte, wie das Ihrige, wo die so wichtigen jüdischen Schulangelegenheiten genauer besprochen und die Leistungen auf diesem Felde billig gewürdigt werden, dürfte ein Bericht über die höhere Knabenschule des Herrn vr. Stern, die durch eine bessere Organisation und ein ihr von ihrem Vorsteher mitgetheiltes eigenthümliches Colorit sich zu ihrem Vortheile auszeichnet, gewiß einen nicht unwillkommenen Platz finden. Schon die Abhandlung „die jüdische Schule was sie ist und was sie sein könnte," die dießmal als Programm zur *) Berichte über Privatanstalten gehören der Regel nach nicht in den Bereich der Annalm. Diesmal aber wird man dem Herausgeber um so mehr eine kleine Ausnahme zu Gute halten, als dieselbe eine Anstalt betrifft, welche er selbst fast zwanzäg Jahre hindurch geleitet hat, und an deren glücklichem Fortbestehen unter seinem würdigen Nachfolger er den lebhaftesten Antheil nimmt.