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Israelitische Annalen · 1841-05-07 · Heft 19 (7.5.1841) · p. Seite 151

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1841
Issue
Heft 19 (7.5.1841)
Date
1841-05-07
Page
Seite 151 (sequence 7)
Language
German
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151 tiv besetzt wird. Die Stadtgemeinde Ansdach, von einem gulen Geiste beseelt mit ihrem tüchtigen Vorsteher Kitzinger an der Spitze, wäre zu Opfern bereit, wenn sie der Wahl ihres sehr würdigen Candidaten gewiß sein könnte, aber sie mißtraut mit Recht den Landgemeinden und fürchtet Intriguen und Hinterthüren. Gott gebe seinen Segen dieser Wahl; sie ist von großem Einfluß auf unfern ganzen Kreis. — Ueber das Schulwesen habe ich Ihnen im vorigen Jahre berichtet und es ist nur Weniges nachzutragen. In Langenzenn hat der Religionslehrer der Stelle, nach freiem Uebereinkommen mit der Gemeinde, entsagt und es wurde der Unterricht versuchsweise einem ungeprüften Subjekte übertragen. InDenncnlohe wurde dies vergebens erbeten. Erwähnenswerth ist, daß mehrere israel. Elementarlehrer Unterstützungen aus Kreisfonds erhalten, zur Zeit das einzige Brosämchen, das Israeliten aus der Staatskasse zustießt. — Die Apokryphen von Gutmann sind uns eine willkommene Erscheinung, obschon sie den Bibelwerken von Salomon und Zunz an äußerer Ausstattung und im Preis weit nachstehen. Von wahrem Einfluß werden aber auch diese Bibeln nur dann sein, wenn wir sie zu ganz billigen Preisen als Schulbücher einführen können. — Eine neue Erscheinung bilden die seit einiger Zeit öfters vorkommenden allergnädigst gestatteten Collekten zu Synagogenbauten. Wir haben aus hierbei sogar eines Vorzugs vor! den Protestanten zu erfreuen, welchen Collekten zu Kirchenl banten nur sehr schwer gestaltet werden, so daß die 40 pro-! testantischen Ständemitglieder in ihrer dcßfallsigen Beschwerde an Se. Maj. den König auf dieß Verhältniß unter anderm hingewiesen haben. Schon aus diesem Grunde, noch mehr aber in Anbetracht des guten Zwecks und in Ermangelung aller Zuflüsse aus öffentlichen Kassen, sollten die Gemeinden wenigstens so viel leisten, als sie sonst an den Herumträgern sogenannter „Schulbücher" gegeben haben, und das war nicht wenig. Es ist aber wahrhaft beschämend, das Ergebniß der letzten Collekte für Niederostheim in Unterfranken aus einem der letzten Blätter des Intelligenzblattes zu ersehen. Bei sämmtlichen Gemeinden Mittelfrankens — viele haben freilich gar nichts geleistet — beträgt sie nicht mehr als 44 fl. und 9 kr. Das ist doch gar zu ärmlich. Haben auch die Gemeinden viele Lasten, zu einem solchen Zweck kann man doch etwas thun. — Die Auswanderungen nach Amerika in großem Maßstab, wie sie seit Jahren im Schwünge waren, lassen nach; und das ist gut. Denn es giebt bereits Gemeinden, aus welchen sämmtliche junge Leute verschwunden sind; und die Behörden werden nicht viel mit Ansäßigmachungsgesuchen belästigt. Es hatten diese Auswanderungen anfangs etwas Erhebendes. Der Jude, so schien es, trägt seine verfolgte Religion, nach dem Lande der religiösen und bürgerlichen Freiheit. Aber nachgerade zeigte sich's anders. Nach überstimmenden Briefen zahlreicher Auswanderer aus verschiedenen Gegenden hängen sie ihr Handwerk an den Nagel und betreiben den Kleinhandel, was um so tadelnswerther ist, als aus denselben Briefen hervorgeht, daß dieser Nahrungszweig weit beschwerlicher ist. „Bleibe im Lande und nähre dich redlich!" das sollten Rabbiner und Lehrer heutiges Tags recht oft zum Gegenstände ihrer Vorträge machen. — In unfern bürgerlichen Verhältnissen bleibt es, wie seit 25 Jahren, bei'm Alten, nur daß hin und wieder eine veraltete Bestimmung erneuert und ein oder der andre § des Edikts vom 10. Juni 4*43 in einem umfassend beschränkteren Sinn gedeutet wird. Sonst werden die 50,000 Juden von der Gesetzgebung wie von der Verwaltung ignorirt. So z. B. erscheinen Bestimmungen über die verschiedene Dauer des Schulbesuchs der katholischen und protestantischen Jugend, der israelitischen wird mit keiner Sylbe gedacht; über die Conscripiionspflichr prot. und kaih. Theologie-Candidaten wird abändernd verfügt, von den Rabbinats-Candidaten kein Wort. Die Verhandlungen der israel. Kirchenversammlungen ruhen in Frieden, bei den Landstandsverhandlungen wird unsre Angelegenheit mit verachtendem Stillschweigen übergangen u. s. w. Gott bessers! K. Literatur. BHp \snpD Festreden für Israeliten rc. Heft H—n Die Manier des Herrn Pleßner haben wir bereits bei Anzeige des ersten Heftes (4840 S. 209) mit wenigen Worten charakterisirt. Sie zeigt sich in diesem ganzen Werke ganz gleich wie in den frühern Reden. Wir hätten gern in den spätern Arbeiten ein Fortschreiten wahrgenommen, um so mehr, als wir gefunden haben, daß Pleßner's Predigten ein zahlreiches Publikum haben. Wer sich bewußt ist für Viele zu wirken, hat die Pflicht, desto sorgfältiger zu Werke zu geben, um die Theilnahme nicht bloß der Üni wissenheit, welcher die Mehrzahl angehört, sondern den tüchtigen Leistungen und dem Bcifalle der Kenner zu verdanken. Stall Lessen beschränkt sich Hr. Pleßner foriwäbrend auf Sammlung des Materials ohne Wahl und legt durchaus gar kein Gewicht auf die Form. Dieses können wir nicht umhin ernstlich zu rügen, und zwar um so mehr, als wir andrerseits die Sammlung der Reden des Hrn. Pl. an Ideen häufig sehr gehaltreich finden, und von dieser Seite den oft um Material verlegenen jungen Candidaten sehr wohl anempfehlen möchten. Wie sollen wir aber dies mit Gewissenhaftigkeit lhun, wenn wir sehen, daß ihnen die schönsten Ideen in der abgeschmacktesten Verrenktheir und in einer gänzlich entstellten und corruplen Sprache dargeboten worden, deren Verdrehungen, wie es scheint. Hr. Pl. zu den Figuren zählt, durch welche man einwirken könne! Was sollen die minderkundigen Jünger auf dem Lande von solchen Mustern lernen, die ihnen von Berlin, dem Sitze der Wissenschaft und der feinen Bildung, aus. geboten werden? Man darf nicht annehmen, Hr. Pl. sei sich der Mängel nicht bewußt; er kennt sie und hält sie für Vorzüge. Das aber ist leider die schwerste Anklage, und wir erachten es für Pflicht, dieselbe recht stark herauszustellen, damit Hr. Pl. und seine Verehrer wissen, daß sie durchaus fehlgreifen, und damit er in der Folge seinen Arbeiten eine Form gebe, wie sie einer gesunden Kritik genügen. Er besitzt die Fähigkeit dazu, und hat so viel guten Stoff, daß es schabe ist, ihn so zu verderben und zu verunstalten. Nehmen wir eine seiner Predigten vor. Wir lesen eben, ohne Auswahl, die siebente, die fünf Prüfung sc lassen überschrieben. Sie ist gehalten am ersten Tage des Uederschreitungsfestes 5589. Der Tert ist ein Midrasch, welcher, wie der Verfasser sagt, zugleich die Eintheilung enthält. Er übersetzt ihn so: „vermittelst fünffacher Gegenstände (?) wurde Israel aus Egypten erlöst: der Drangsal (warum temenivum?), des Angstgeschreies, des Verdienstes der Vorfahren, der Buße und des Zieles." Diese fünf Stücke nennt er die Bedingungen der Erlösung. Daß nun hier aller Gedankenzusammenhang fehlt, indem Mittel und Bedingung verwechselt sind, und daß, wenn wiederum gesagt wird, die fünf Stücke seien

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