Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1841
- Issue
- Heft 19 (7.5.1841)
- Date
- 1841-05-07
- Page
- Seite 149 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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149 Der Unterricht erstreckt sich über alle weiblichen Arbeiten, ferner über Lesen, Schreiben, Rechnen, Italienische Sprache, Hebräisch-Lesen und Uebersetzen der täglichen Gebete, Israelitische Geschichte und Catechismus. — Angestellt sind 2 Lehrerinnen für die Arbeiten, wovon eine zugleich Hülfslehrerin; ein Lehrer sür's Italienische, einer für's Hebräische. Den Unterricht in der Israel. Geschichte und im Catechismus ertheilt Herr Grego unentgeltlich 2 mal die Woche. Auch ist dies ein schönes Verdienst, daß er weder Kosten (er gehört zu den Beitragenden) noch Mühen scheut, wo es gilt, das Heil Anderer zu befördern. Die Mädchen lesen täglich die Gebete. Des Morgens wird damit begonnen, und alsdann bekommen sie ihr Frühstück. An Festtagen gehen sie unter Aufsicht ihrer Lehrerinnen und des Dieners zum Gottesdienste, und werden von denselben eben so zurückbegleitet. Damit sie auch für das Hauswesen alles Erforderliche lernen, wohnt die verheirathete Lehrerin, welche selbst Töchter hat, in der Anstalt. Die Erwachsenem müssen der Reihe nach jeden Morgen eine Stunde vorher in der Schule erscheinen, um die Unterrichtszimmer zu säubern und zu ordnen, und der Lehrerin in allerhand häuslichen Geschäften Beistand zu leisten. Diese Skizze möge hinreichen, um einen Begriff zu geben von dem freilich nicht glanzvollen aber sehr wohlthäthigen Institute. Mögen die wohlwollenden Mitglieder und die mit Gaben aller Art untereinander wetteifernden Nicht- Mitglieder das schöne Werk durch einen glücklichen Erfolg gekrönt sehen, und ihnen die Freude zu Theil werden, der Gesellschaft recht brave Hausmütter verschafft zu haben! Ungarn. — (Kumanien.) In den diesseitigen Verhältnissen hat sich in neuern Zeiten wenig verändert. Die Hoffnungen, zu welchen die jüngsten Emanzipationsverhandlungen berechtigten, sind Hoffnungen geblieben, und selbst das Wenige was genehmigt worden, findet (wie davon in den Annalen schon anderweitige Beispiele angeführt wurden) an manchen Orten directen Widerspruch. Die Denkart des ungarischen Volkes, welches aus sehr verschiedenen Elementen besteht, in Betreff der Religion, aus Katholiken, helvetischen Reformirten und Juden; in Betreff der Stämme aus Magiaren, Deutschen, Juden und sogar Zigeunern; in Betreff der Stände aus Adel, Geistlichkeit, Bürgern und Bauern, wozu die Juden zur Zeit noch nicht vollständig gehören, so lange sie nicht in die vollen Bürgerrechte eintreten, ist natürlich nach diesen Kategorien, die übrigens noch in mancherlei Spielarten und Unterschiede zerfallen, sehr verschieden. Obwohl alle Theile des ungarischen Volkes der Verfassung sehr zugethan sind, so stimmen doch nicht die Ansichten über Zulässigkeit der Juden überein. Der Adel begünstigt dieselben am meisten, sowohl wegen ihrer Leistungen als auch wegen ihres sichtlichen Strebens nach Bildung, in welcher viele so weit fortgeschritten sind, daß in socialer Beziehung aller Unterschied wegfällt, und die jüdischen Familien mit den adeligen im freundlichsten Umgänge leben, und an geselligen Vereinen, ohne daß es auffällt, Theil nehmen. Schwieriger sind die andern Stände, an den Orten insbesondere, wo bisher keine Juden wohnten. Der Ungar ist ein Gewohnheitsmensch, und bequemt sich nicht gern zu einer Veränderung. Doch sind auch hier die Katholiken viel milder und toleranter als die Reformirten, obwohl letztere in socialer Bildung meist höher stehen. Die Völkerstämme haben sich schon eher daran gewöhnt, einander zu vertragen; aber es ist merkwürdig, daß die Juden unter einander sich nach Herkunft scheiden, und daß die aus Polen und Gallizien herkommendcn, selbst wenn sie schon lange angesiedelt sind, von den einheimischen gemieden, theilweise sogar mir Geringachlung behandelt werden. Mit dem Worte Pole oder insbesondere Gallizianer verbinden sie fast dieselben Begriffe, welche der deutsche Pöbel unter dem Wort Jude zusammenfaßt. Der Grund davon ist nicht schwer zu finden. Der ungarische Jude lebt gesetzlich viel freier als der Gallizier. In Ungarn zahlt man eine Tolerauztaxe, und wird nicht weiter belästigt; in Gallizien hingegen hat der Jude ungemein viel zu leisten, von jeder Bewegung hat er Abgaben zu zahlen, selbst die Zahl der Lichter, die er an Festtagen brennt, ist besteuert, und der Fleischyächter belastet das nöthigste Nahrungsmittel bis in's Unerträgliche. Daher häufige Auswanderungen, namentlich der jungen Ehemänner aus der ärmern Classe, wenn sie fürchten müssen, zum Kriegesdienst abgeholt zu werden, wovon die Reichern sich leichter loszumachen wissen. Freilich sind diese Auswanderer oft Leute von sehr niedern Sitten, und bringen nach Ungarn allen polnischen Schmutz und eine elende Sprache, während sie zugleich alle Umwege Anschlägen müssen, um Mittel zu ersinnen, ihr Leben zu fristen. Es kann nicht anders sein, als daß sich viel verwerfliche Subjekte darunter finden, und so hat sich denn das Vorurtheil gegen alle Gallizianer festgestellt. — Außerdem unterscheiden sich die Juden Hierlandes in Betreff ihrer Bildung nach Gegenden. Im Allgemeinen stehen sie höher als die Masse des mittleren Volkes; das Streben nach besserer Erkenntniß wird selbst in den orthodoxesten Gemeinden wahrgenommen, und man bringt dem geregelten Iugendunterrichte bereits große Opfer. Dennoch ist die Geneigtheit zu bürgerlichen Gewerben, außer dem Handel, noch nicht so herrschend als es zu wünschen wäre; Handwerker giebt es nur noch wenige, und man hat noch viele Vorurtheile zu besiegen; doch sieht man bereits gute Anfänge. In religiöser Hinsicht zeigt sich eine sehr große Verschiedenheit. In Arad, Großkanischa, Szechedin und einigen andern Orten werden die äußern Formen wenig beachtet, und man lebt freier bis zum vollen Indifferentismus, während im Preß bürg er, Neitraer und andern Comitaren mit größter Strenge die Beobachtung rabbinische'r Satzungen sestgehalten wird, in Uyhely, Tokai, Made und andern Gemeinden längs der gallizischen Gränze der Chasidismus auf die traurigste Weise allen schändlichen Aberglauben verbreitet und das Volk in der tiefsten Unwissenheit erhält. Von dem Unwesen des über 80jährigen Rabbiners zu Uyhely ist schon in diesen Blättern berichtet worden. Es wird in Deutschland kaum geglaubt werden, wenn man hinzufügt, daß der Gebrauch