Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1841
- Issue
- Heft 18 (30.4.1841)
- Date
- 1841-04-30
- Page
- Seite 143 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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143 Breslau, April. — Am ISten März ward das Jubiläum der Wilhelmsschule Hieselbst festlich begangen. Die Vorsteher der hiesigen Gemeinde hatten durch Unterschrift ein festliches Mahl veranstaltet, zu welchem die höchsten Polizei-, Schul- und Stadtbehörden eingeladen wurden. Die Wilhelmsschule muß als ein würdiges Monument des strebenden Geistes einen gewissen Grad von Verehrung ansprechen, sie bildete die Morgenröthe der bessern Erziehung in hiesiger Gemeinde, und hat einst ausgezeichnet viel Gutes gestiftet, indem sie die Wege zur Umgestaltung gewissermaßen bahnte. In den neuern Zeiten ist sie, wenn gleich von dem würdigen Direktor, vr. Francolm, gewiß musterhaft geleitet, und ihrer Bestimmung entsprechend, doch nicht so sehr Bedürfnis. In der That hat eben diese Feierlichkeit am Deutlichsten dem hier leider noch sehr vorherrschenden separatistischen Geiste dargethan, wie groß der Fortschritt! der Bildung und Gesittung sei, zu welcher allerdings diese 1 Anstalt den ersten Keim gelegt hatte, und so ward der Zweck der Feier erreicht. Wenn dagegen mehrere hochgestellte Männer die Ansicht äußerten, daß man eifrig daran gehen müsse, diese Schule wieder zu heben, sie besser zu fundiren, und ihre Selbstständigkeit zu sichern, so fand dies bei der Gemeinde nicht den erwarteten Anklang, weil man die allgemeinen Bildnngsanstalten für geeigneter hält, die Jugend gleichmäßig heranzubilden. — Bei, dieser Gelegenheit waren auch die beiden Rabbiner zym, ersten Mal bei einer Feierlichkeit zusammen, jedoch «nes der ältere jede Annäherung seines jüngern Collegen^MiWft ab, und die Hoffnung einer möglichen Verständigung ward abermals vereitelt. Uebrigens hat bei Gelegenheit dieser Feier Herr vr. Francolm eine sehr interessante Broschüre unter dem Titel: Zur Geschichte der Königlichen Wilhelmsschule herausgegeben, welche sich durch Klarheit, und schmucklose l Darstellung der Thatsachen, wie durch die dem Verfasser eigene schöne Diction auszeichnet. Ein in der That sehr willkommener Beitrag zur Geschichte des sittlichen Fortschrei-! tens, welches man in Breslau dieser Schule verdankt, de- ] ren weiteres Gedeihen schon wegen ihres bisherigen Wirkens sehr wünschenswerth erscheint. Schwerin (Mecklenburg.) April 1841. — Am 4ten d. M. fand das erste öffentliche Eramen unserer im Anfang dieses Jahres neuerrichteten Religions- und Elemeutar- Schule im Schullokale statt, der außer dem Gemeinde- und Schulvorstande, noch die Eltern der Schulkinder mit der innigsten Theilnahme beiwohnten. Es fiel, namentlich in allen Gegenständen des Religionsunterrichts und hebräischen Faches über alle Erwartung gut aus, und alle Anwesende stimmten in das Lob ein über die rühmlichen Leistungen des Oberlehrers, Herrn I. A. Fränkel, daß er in so kurzer Zeit ihres Bestehens die Schule so weit emporbrachte. Der gute Eindruck und die freudige Stimmung, die das erste Eramen in hiesiger Gemeinde durchweg hervorbrachte, wird hoffentlich alle bei dieser Schule betheiligten zu noch größern Opfern anspornen, um für das fernere Gedeihen dieser jungen Anstalt ihr Möglichstes zu thun. Auch wird dieses gute Beispiel Schwerins und das Gelingen der Unternehmung auf die übrigen Gemeinden des Landes seine gute Wirkung nicht verfehlen. Was dieses erste Eramen noch besonders vortheilhäft auszeichnete und auf die dadurch angeregte freudige Stimmung so günstig einwirkte, ist folgender erwähnenswerthe Umstand. Der am hiesigen Hofthcater angestellte Chordirector, Herr Fuchs, ein in seinem Fache geschickter Mann, hat die Leitung des Gesangunterrichts übernommen, und die Knaben in kurzer Zeit dahin gebracht, daß sie vor dem Beginn der Prüfung und nach dem Schluffe derselben schöne Choräle kunst- und regelrecht ausführten, welches sämmtliche Zuhörer auf das Angenehmste und Freudigste überraschte. Am ersten Tage des Festes wirkte der Knabenchor zum ersten Mal in der Syna-! zöge, zur wahrhaften Erbauung aller Anwesenden. Der Gottesdienst und die Predigt wurde hierdurch auf das Feierlichste gehoben, und, zur Ehre der Gemeinde sei es gesagt, daß diese gewiß so unschuldige als höchst zweckmäßige Neuerung nicht mit jenem diesem Namen schon entgegen stehenden Vorurtheil, sondern mit wahrer Begeisterung von ihr begrüßt wurde. So ist denn aus der Schule, dieser jungen und zarten Anstalt, der erste Ableger zur äußern Veredlung des öffentlichen Gottesdienstes gewonnen worden! Herrn Fränkel, der sich um unsere Schule in so kurzer Zeit, durch seine treue Pfiege, wie durch weise Methode wahrhaftes Verdienst erworben, statten wir hiermit unsern öffentlichen Dank ab, und sprechen den Wunsch aus, daß er lange zum wahren Heil unsrer Jugend in unsrer Mitte wirken möge. Ein Beweis) wie sehr der Landesradbincr und die hiesige Gemeinde seine Verdienste als Lehrer sowohl als seine umfassende wissenschaftliche Bildung zu schätzen weiß, ist, daß er schon zwei Mal in hiesiger Svnagoge predigte und Proben seiner homiletischen Talente öffentlich ablegte. In Güstrow wird nach Ostern ebenfalls, nach dem Muster der hiesigen, eine Religions- und Elementarschule errichtet, zu deren Leitung der Rabbinats-Candidat, Herr vr. Moritz Loewe aus Alt-Strelitz, berufen worden ist.! Außer dem Lehrfach in der Schule hat er auch die Pfiicht, I in der Synagoge zu predigen, und hat zu dem Behufe am! letzten Sabbarh vor Peßach seine erste Probepredigt gebal- > ten, die allgemeinen Beifall hatte. Es ist ein doppelter > Nutzen, wenn die bis zur Erlangung einer Rabbinerstelle! als Lehrer in den Gemeinden wirkenden Eandidaten auch! zum Predigtamt herangezogen werden. Außer dem an sich sehr einleuchtender Vortheil, daß das Gotteswort hierdurch vervielfältigt wird und immer tiefere Wurzel in den Herzen der Gemeinden greift, ist die praktische Uebung der jüngern Theologen im Predigtwesen an sich als auch in dessen Beziehungen zu einer bestimmten Gemeinde für die Verhältnisse der Glaubensgemeinde im Ganzen von wesentlicher Bedeutung. Ein Umstand, den man in den Landrabbinaten zu Strelitz und Hannover gänzlich zu übersehen scheint. *) — Was die Verbesserung des gottesdienstlichen Gesanges, in gedachter Gemeinde — die so lebhaft gefühlt wird — betrifft, hat ein respectabeles Gemeinde-Mitglied, das sowohl allgemeine musikalische Bildung als auch genügende Kenntnis' der rituellen Synagogen-Melodien hinlänglich besitzt, sich. *) Wir erkennen in diesem Stücke wiederum eine Ansicht, die eben so sehr dem klaren Urtheile und dem eifrigen Streben für allgemeine Verbesserung, beides schon so vielfach in den veröffentlichten Predigten des Oderrabbiners vr. H o l d h e i m, wie noch besonders seiner von jeder Eifersucht freien, rein wohlwollenden Gesinnung zur Ehre gereicht. D. H.